Africa-Luz-Delegation zur Einweihung von Augenklinik in Nepal
100 mal den Grauen Star geheilt

Rund 150 geladene Gäste waren bei der Einweihung der von Africa Luz finanzierten Notfallklinik dabei, als Sher Kintzl-Bahadur (rechts), sein Bruder Shiri Kintzl, Green-Society-Präsident Basu Dev Dhungana (von links) und Bärbel Birner das Band an der Eingangstür durchschnitten. Bilder hfz
Vermischtes
Hirschau
11.01.2016
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Julia Waldhauser, Bärbel Birner (von rechts) und Isabelle Haustein (kniend) wagten sich auch ins Erdbebengebiet und versorgten die Menschen mit Lebensmitteln. 100 Kinder bekamen warme Jacken, die anderen Süßigkeiten.

Grund zum Feiern gab es in Sauraha-Bachhjauli (Nepal): Das von der Hilfsorganisation Africa Luz finanzierte Ambulatorium wurde eingeweiht, der Klinikbetrieb von nepalesischen Augenärzten übernommen. Mit drei deutschen Gästen.

Angesichts der Reisewarnungen des Auswärtigen Amts war den drei Damen etwas mulmig zumute, als sie ihren Flug nach Nepal antraten. Eigentlich hätte sie ein Medizintechniker der für den Transport zuständigen Firma Heuser aus Werne begleiten sollen. Aufgrund der Warnungen blieb er aber daheim. Er hätte die für den Transport zerlegte Untersuchungseinheit in Nepal wieder zusammenbauen sollen - eine Aufgabe, die am Ende das Africa-Luz-Trio erledigen musste.

1200 Euro Zollgebühren


Es wurde dabei unterstützt von Sher Kintzl-Bahadur. Er hatte für die 500 Kilogramm schwere Holzkiste mit dem zerlegten Gerät am Flughafen 1200 Euro Zollgebühren entrichten müssen und sie anschließend in seinem Haus in Kathmandu zwischengelagert. Per Lkw und Van besorgt, mit dem das Medizingerät ging es dann in das rund 200 Kilometer entfernte Sauraha-Bachhjauli, wo nach sieben Stunden abenteuerlicher Fahrt der Vorstand von Green-Society-Nepal die Gäste begrüßte.

Sofort machte man sich daran, die Medizineinheit zusammenzubauen. Nach zwei Tagen war das Gerät funktionstüchtig. Der Einweihung der Notfallklinik stand nichts mehr im Weg. Vor rund 150 Gästen - unter ihnen der Landrat - schnitten Sher Kinthl-Bahadur, sein Bruder Shiri Kintzl, Green-Society-Präsident Basu Dev Dhungana und Bärbel Birner das Band an der Eingangstür der Klinik durch. Sher Kintzl-Bahadur verlas die Rede von Professor Dausch und ließ die Jahre Revue passieren.

Dank Africa Luz sei in Sauraha ein Großprojekt entstanden: zuerst dasProf.-Dausch-Kinderhaus, dann die Elefantendungfabrik, hetzt die Notfallklinik. Die Menschen müssten jetzt nicht mehr zu den weit entfernten Krankenhäusern fahren. In der Notfallklinik halten auch Ärzte anderer Fachrichtungen Sprechstunden ab. Säuglinge und Kinder können vor Ort geimpft werden und Vorsorgeuntersuchungen vornehmen lassen. In der Elefantendung-Papierfabrik arbeiten zwölf Nepalesen, fünf davon Frauen. Der Verkaufsladen sei derzeit geschlossen, weil im Moment fast keine Touristen kommen. Im Prof.-Dausch-Kinderhaus seien in einem Nebenraum acht Computerarbeitsplätze eingerichtet worden. Auf dem von Africa Luz erworbenen Grundstück errichte ein Münchner Verein eine Schule. Sie werde im nächsten Jahr eingeweiht.

Bärbel Birner nannte Sauraha "ein Stück Heimat". Sie sei schon zwölfmal im Chitwan gewesen. Die Gegend und die Menschen seien ihr ans Herz gewachsen.

Drei Tage Dauerbetrieb


Der Einweihungsfeier folgten für das Africa-Luz-Trio drei Tage Klinikbetrieb. Mit drei Augenärzten, zehn Helfern und drei Schwestern arbeitete man täglich bis spät in die Nacht. Rund 500 Menschen wurden untersucht, 100 Augen am Grauen Star operiert und wieder sehend gemacht - kostenlos. Für die Medizinstudentin Julia Waldhauser war das ein Erlebnis der besonderen Art.

Im zweiten Teil der Nepalreise ging es zunächst zurück nach Kathmandu, von dort aus mit einem Jeep weiter ins Erdbebengebiet in Richtung Langtang-Gebirge in die Nähe von Ghorka. Aus den bei Africa Luz eingegangenen Spenden für die Erdbebenopfer kaufte man 100 warme Anoraks für Kinder, Lebensmittel und Öl für die Menschen dort. Für 25 Kilometer brauchte man vier Stunden. Im Dorf angekommen, warteten schon 500 Kinder. Da man nur 100 Jacken dabei hatte, bekamen nur die kleinsten einen Anorak, die übrigen Süßigkeiten. Bärbel Birner: "In uns kam ein schrecklich beschämendes Gefühl auf und wir versprachen, weitere Jacken zu bringen."

Im Ort war jedes zweite Haus vom Beben zerstört. Rund 1600 Menschen waren ums Leben gekommen. Bärbel Birner und ihre Begleiterinnen konnten die im April gespendeten Wellbleche sehen, mit denen die Häuserreste abgedeckt wurden, um einigermaßen trocken wohnen zu können. Die Überlebenden waren fleißig dabei, neben den Ruinen neue Häuser zu errichten. Die Felder waren bestellt, die Reisernte in vollem Gang. Mangos, Avocados, Tomaten und Rettiche werden in großen Mengen geerntet und nach Kathmandu zum Verkauf gebracht. Bedrückt und traurig trat man die Rückfahrt in die Hauptstadt an. Julia Waldhauser arbeitete dort weitere zwei Wochen in einem staatlichen Krankenhaus.

Das Fazit


Das Reisefazit von Bärbel Birner, Isabelle Haustein und Julia Waldhauser: Nepal ist ein schönes Land mit freundlichen Menschen, aber Armut ohne Ende. Die Touristen fehlen, werden teilweise abgehalten, in das Land zu reisen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Nepal nicht vorwärts kommt, sondern immer mehr in Schwierigkeiten gerät. Die Africa-Luz-Projekte in Sauraha-Bachhjauli blieben vom Erdbeben verschont.

Loch in der KasseFür die Aktionen des Jahres 2015 hat Africa Luz viel Geld ausgegeben. Daher ist ein großes Loch in der Kasse entstanden. Um weiter helfen zu können, ist die humanitäre Organisation auf Spenden angewiesen. Sie können entweder auf das Konto Nr. 200 799 799 bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach (BLZ 752 500 00) oder das Konto Nr. 64 93 93 9 bei der Volks- und Raiffeisenbank Amberg (BLZ 752 900 00) überwiesen werden. Wer sich dauerhaft engagieren möchte, der kann zum Jahresbeitrag von 60 Euro Mitglied werden. Auskünfte dazu gibt es bei Schatzmeister Reinhold Birner, Klostergasse 14, Hirschau. (u)
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