Anschlag auf Asylbewerberheim
Verdächtiger in Haft

Nun ist klar, dass ein Molotow-Cocktail durch diese Fensterscheibe einer Asylbewerber-Unterkunft in Hirschau geflogen ist, jedoch nicht Feuer fing, weil die Flasche nicht zerbrach. Bild: Steinbacher
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Hirschau
20.02.2016
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Was vor knapp zwei Wochen noch als Spekulation galt, ist nun Gewissheit: Der nächtliche Flaschenwurf von Hirschau auf eine Asylbewerber-Unterkunft war eine Attacke mit einem Molotow-Cocktail. Deshalb steht "versuchter Mord" im Haftbefehl gegen einen 25-Jährigen aus der Nachbarschaft des Tatorts.

Obwohl der junge Familienvater bereits am vergangenen Mittwoch festgenommen wurde, hatte die Nachricht bis Freitagnachmittag in der Stadt noch nicht die Runde gemacht. Bürgermeister Hermann Falk zeigte sich sprachlos. Zumal ihm noch nie zu Ohren gekommen sei, dass es Probleme im Umfeld dieses Hauses in der Grundstraße gegeben habe. So hatte nach Polizeiangaben der dringend Verdächtige seine lebensgefährliche Attacke in der Nacht zum Faschingssonntag begründet.

Falk verunsichert


"Ich gehe erst einmal von einem Einzeltäter aus", bleibt Falk dabei, dass es in Hirschau keine rechtsradikalen Umtriebe oder diffus organisierte Ausländerfeindlichkeit gibt. Im Gegenteil. Der Bürgermeister wähnte sich hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen in seiner Stadt eher in einem "Paradies, was die Integration betrifft". Fremde und Einheimische hätten sich gegenseitig gegrüßt und respektiert. "Ich habe noch nie etwas gehört, dass es da Beschwerden gibt", kann Falk die jüngste Entwicklung nur sehr schwer nachvollziehen.

Spätestens seit der Nacht zum Faschingssonntag, 7. Februar, um 1.30 Uhr trifft das so nicht mehr zu. Zu diesem Zeitpunkt flog im ersten Obergeschoss eine Flasche durch eine Fensterscheibe in der Grundstraße. In dem Haus hielten sich damals gerade neun Menschen auf. Eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien und Männer aus Äthiopien. Einer von ihnen wachte wegen des Klirrens der splitternden Scheibe auf und alarmierte tief verschreckt die Polizei. Die gefüllte Flasche zersprang nicht und blieb liegen.

Anfangs zurückhaltend


Anfangs hielt sich die Polizei noch bedeckt, ob es sich dabei um einen Brandsatz gehandelt haben könnte. Die Rede war nur von "einer Flüssigkeit, die da nicht hinein gehört". Um die potenzielle Brennbarkeit beurteilen zu können, sei "das Wurfgeschoss" nach München zum Landeskriminalamt geschickt worden. Doch schon bald verdichteten sich Anzeichen, dass es sich bei der Attacke um einen missglückten Brandanschlag auf eine Asylbewerber-Unterkunft gehandelt haben könnte.

Nachbarn befragt


Noch am Sonntagvormittag wurde bei der Amberger Kripo eine 15-köpfige Ermittlungsgruppe mit dem unverfänglichen Namen "07.02" eingerichtet. Sie machte sich auf die Suche nach möglichen Zeugen und fragte sich durch die Nachbarschaft. In der vom Polizeipräsidium Oberpfalz am Freitag verbreiteten ausführlichen Pressemitteilung heißt es dazu unter anderem: "Bei ihren Recherchen erhielten die Beamten Hinweise, dass möglicherweise Anwohner der Asylbewerberunterkunft in der Vergangenheit Probleme mit Asylbewerbern gehabt haben könnten." Die betroffenen Äthiopier oder Syrer hätten das aber nicht bestätigt. Doch die Ermittler ließen nicht locker.

Bei ihren Befragungen seien sie dann auf den 25-jährigen Familienvater gestoßen, der sich in "erste kleinere Widersprüche" verstrickt habe. Daraus sei eine "Verdachtslage" geworden, so dass ein Durchsuchungsbeschluss bei dem jungen Mann erwirkt werden konnte. Das brachte den Durchbruch: Danach konnte "insbesondere (...) weitgehend nachvollzogen werden, wie die Flasche, die mit einer brennbaren Flüssigkeit, wie ein sogenannter Molotow-Cocktail gefüllt wurde, hergestellt worden war." Angesichts immer erdrückenderer Indizien habe der 25-Jährige bei einer stundenlangen Vernehmung "nach anfänglichem, hartnäckigem Leugnen" schließlich ein weitgehendes Geständnis abgelegt.

Das war er nicht


Als Motiv habe er eine schon länger anhaltende Verärgerung über die Bewohner der Asylbewerberunterkunft angegeben, der er "lediglich Luft machen wollte". Dabei sei es ihm nicht darum gegangen, einen Brand zu legen oder Menschen zu töten, zudem sei Alkohol im Spiel gewesen. Für eine weitere Attacke auf eine Asylbewerberunterkunft in Bruck im Nachbarlandkreis Schwandorf in der gleichen Nacht, hat der Verdächtige ein stichhaltiges Alibi. (auch Seite 3)
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