Bildervortrag „Hirschau von 1950 bis 1965“ gibt interessante Einblicke
Als es noch Ziegen und Grazien gab

Mit Bilddokumenten wurde an den vor Jahren eingeschlafenen, im 20. Jahrhundert in der Oberpfalz einzigartigen Kinderbrauch des Gregori-Umzuges erinnert. Archivbilder: u (2)
Vermischtes
Hirschau
08.03.2016
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Nicht nur bei den einstigen Stadttoren im Osten, Süden und Westen, auch südlich der Pfarrkirche ging es eng zu, bis die beiden Spitalhäuser (links) abgerissen wurden.

Er erwies sich als der erwartete Besuchermagnet - der Bildervortrag "Hirschau von 1950 bis 1965", den Stadtheimatpfleger Sepp Strobl zeigte. Im Pfarrsaal blieb kein Platz leer, einige Besucher mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Fleischmanns Erbe


Eingangs betonte Strobl, dass man das Zeitdokument dem 2006 verstorbenen Hans Fleischmann zu verdanken habe. Er hatte alte Tonbandaufnahmen mit Musikeinschnitten hinterlassen, die er als Diavortrag 1965 im Josefshaus gezeigt hatte. Strobl suchte zu den Texten passende Fotos aus Fleischmanns Bilderfundus heraus und schnitt sie zu einer Beamer-Show zusammen.

Erinnert wurde an die Unterbringung der zahlreichen Heimatvertriebenen im ehemaligen Reichsarbeitsdienst-Lager. Für die Jüngeren kaum vorstellbar, dass es bis 1953 keine Wasserleitung gab. Wer keinen Hausbrunnen hatte, musste das Wasser per Handpumpe aus ein paar Brunnen in der Innenstadt entnehmen. Dokumentiert war eine Vielzahl von Baumaßnahmen. Neben der Wasserleitung waren dies etwa Kanalisation samt Kläranlage, St.-Wolfgang-Kindergarten, Schulkomplex und Turnhalle, Friedhofshalle sowie Sanierung und Erweiterung des Krankenhauses. Die Erschließung von Bauland an der Friedrich-Zeitler- und Marienstraße oder der Ausbau von Burg- und Walkstraße waren zu sehen.

Ein Thema war die Neugestaltung der Innenstadt, die das Aus für das gefürchtete Katzenkopfpflaster bedeutete. Da damals die B 14 und die Staatsstraße 2238 noch durch die Innenstadt verliefen, war es notwendig, die Engstellen beim Schloss und beim südlichen Stadttor zu beseitigen. Knapp her ging es auch zwischen dem Gasthof Gambrinus und den Spitalhäusern südlich der Pfarrkirche. Deren Abriss war genauso festgehalten wie der Abbruch des an das Rathaus angebauten Brauhauses. Auf die schwindende Bedeutung der Landwirtschaft wurde am Beispiel der rapide abnehmenden Ziegenhaltung hingewiesen. Dagegen war die Firma AKW mit ihren 700 Beschäftigten ebenso ein Beispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung wie die von 1959 bis 1967 in der alten Keramik untergebrachte Firma Grundig mit 300 Frauenarbeitsplätzen.

Die Ursprünge der Freizeitanlage am Monte Kaolino wurden lebendig, als prominente Skiläuferinnen den Sandberg hinunterbretterten. Ein Top-Ereignis war die Einweihung des Gebrüder-Dorfner-Stadions. Die Erinnerung an Vereinsjubiläen mit imposanten Festzügen wurde genauso wachgerufen wie die an die Primizfeiern der Geistlichen Helmut Huber und Georg Dobmeier, an verdiente Persönlichkeiten wie AKW-Direktor Wolfgang Droßbach und Geistlichen Rat Friedrich Zeitler oder an Originale wie den Spital-Hartl sowie an den Kinderbrauch des Gregori-Umzugs.

Ein Dreifach-Triumph


Ein optisches Schmankerl war der Schönheitswettbewerb beim deutsch-amerikanischen Volksfest in Grafenwöhr im Jahr 1964. Das Bierzelt soll einem Hexenkessel geglichen haben, als sich die 15 Grazien aus Amberg, Weiden, Grafenwöhr, Auerbach, Vilseck und Hirschau präsentierten. Die Konkurrenz endete mit einem dreifachen Triumph der Hirschauer Damen. Als Siegerin wurde Marianne Riese (später Brinster), die im Pfarrsaal anwesend war, gekürt. Auf die Plätze zwei und drei kamen Luise Mendl (später Macziol) und Karin Pröls.

Thema RealschuleAusführlich geschildert wurde in dem Vortrag ein Thema, das die Hirschauer seit einigen Monaten wieder bewegt - der Bau einer Realschule. Original-Ton von Landrat Dr. Hans Raß bei einer Zusammenkunft im Jahre 1965 mit Bürgermeister Willi Bösl und Schulrat Wilhelm Hampel im Hirschauer Rathaus: "Im Hinblick auf die vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus bei der Errichtung neuer Mittelschulen angelegten Maßstäbe sind nach meiner Ansicht im Raume Hirschau das Bedürfnis und die Voraussetzungen für die Errichtung einer staatlichen Mittelschule (Anm. d. Red.: heute Realschule), zumindest einer Knabenmittelschule, gegeben. (...) Es ist beabsichtigt, im Jahr 1966 zu planen und im Jahr 1967 mit dem Bau der Schule zu beginnen. Ich habe deshalb im Haushalt 1966 bereits 25 000 DM für Planungskosten eingesetzt." (u)
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