Der Eisenschuh-Macher

Vermischtes
Hirschau
19.06.2015
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In dem kleinen, 700 Grad heißen Ofen tanzen gelb-rote Feuerzungen um das glühende Hufeisen. Der Blick hinein in die Feuerhölle lässt die Gesichtshaut bis aufs Äußerste spannen.

Eine Greifzange taucht in den Glutball ein, zieht das leuchtende Hufeisen heraus und legt es auf den kalten gehärteten Stahl des Ambosses. Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist: Hufschmied Wolfgang Leistl holt aus und hämmert drauf los. Immer und immer wieder. Gleich daneben spitzt Stute Gun die Ohren, wiehert und scharrt mit ihrer nackten Hufe.

Harte Oberpfalz

Die Oberpfalz ist ein hartes Land - das spüren die Pferde. Wenn die Gäule über Felder und Wiesen galoppieren, braucht es maßgeschneiderte Hufbeschläge. "Die Eisen müssen alle acht bis zehn Wochen gewechselt werden", erzählt Wolfgang Leistl, staatlich geprüfter Hufschmied aus Hirschau.

Am Fuße des Monte Kaolino liegt idyllisch schön seine Koppel mit eigenen Rassepferden samt Stallungen. Dort steht angehängt die Fuchsstute bereit zum Beschlag. Einmal kurz mit der Hand angetippt und schon hebt Gun ihr Hinterbein hoch. "Es gibt Pferde, die sind sehr störrisch, da dauert die Arbeit dann etwas länger", lacht Wolfgang Leistl und beginnt mit der Zubereitung des Hufes für den Beschlag, indem er das Horn ausschneidet und raspelt. Der Stute scheint's recht zu sein, mucksmäuschenstill steht sie da und gibt angesichts winzig kleiner Absplitterungen hier und da ein gemächliches Wiehern von sich.

Der Hufschmied ist ein Traditionsberuf im besten Sinne. "Die Arbeit hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht verändert", so Wolfgang Leistl, dessen Liebe zu Pferden von seinem Onkel geweckt wurde. Seit vielen Jahren ist er mit seinem Kleinbus unterwegs und fertigt maßgefertigte Hufeisen für Pferde in der Oberpfalz und im fränkischen Raum.

Rund 30 Hufschmiede dürfte es in dieser Region geben, schätzt Wolfgang Leistl. Alle vereint eine Ausbildung zum staatlich geprüften Hufschmied. "Als Grundlage dient eine Lehre im Metallhandwerk, danach folgt ein Praktikum bei einem Hufschmied, in dem die Praxis vermittelt wird." Ohne Theorie geht es natürlich auch nicht: Ein halbes Jahr hat Wolfgang Leistl an der staatlich anerkannten Hufbeschlagschule in Schwaiganger bei Garmisch-Partenkirchen gelernt und anschließend die Hufbeschlagprüfung abgelegt. "Das Wissen um den Knochenaufbau des Pferdes und die Stellung vom Huf ist unerlässlich, die Gefahr, das Pferd zu verletzen, ist viel zu groß."

Bereit für das Eisen

Der Huf der Stute ist inzwischen bereit für das Eisen. Glühend liegt das Glückssymbol auf dem Amboss. Hufschmied Leistl hämmert, begutachtet, hämmert und begutachtet. Die zuvor genau abgemessene Form muss identisch mit Guns Huf werden. "Jetzt ist Schnelligkeit gefragt, das Eisen lässt sich nur sehr kurz bearbeiten, weil es schnell wieder erkaltet." Der Hufschmied hämmert und begutachtet weiter. Rund acht Euro kostet ein Hufeisen - je nach Größe. Es gibt aber auch teure Exemplare aus Alu, die in erster Linie von Sportpferden getragen werden.

Inzwischen hat das Hufeisen seine glühende Form verloren, das Schmieden ist abgeschlossen. Wolfgang Leistl tippt Guns Hinterbein an, vorsichtig setzt der Hufschmied das noch immer sehr heiße Eisen an. Es beginnt zu zischen, es fängt an zu stinken, eine Rauchwolke entsteht, wird immer größer, der Eisenschuh-Macher ist nahezu völlig von dem dichten Dunst eingehüllt. "An der Oberfläche ist das Huf schmerzunempfindlich, erst tiefer liegen die Nervenstränge", beruhigt der Hufschmied.

Fertig nach einer Stunde

Etwa eine Stunde dauert das komplette Beschlagen eines Pferdes. Menschliche Besorgnis steigt plötzlich wieder auf: Wolfgang Leistl hämmert jetzt mit dumpfen Schlägen die Nägel in die Hufe. Spätestens jetzt wird klar, dass Theorie rund um Knochenaufbau nicht genug verinnerlicht werden kann. Insgesamt acht Nägel mit speziellen Verläufen an der Seite pressen das Eisen an die Hufe. Das Prozedere wiederholt sich noch drei Mal, eine Stunde später ist es geschafft: Stolz und laut klappernd marschiert Gun die Stallung hinaus auf die Koppel, im Hintergrund thront der "Weiße Riese" des Monte Kaolino.

Die Stute ist eines von fünf Rassepferden von Wolfgang Leistl. Diese "Quarter Horses" sind Westernpferde, die vor allem für ihre Schnelligkeit und Wendigkeit bekannt sind. "Die Pferde sind auf eine viertel Meile die schnellsten Sprinter." Stute Gun zeigt dies gerade eindrucksvoll auf der Koppel - den frisch beschlagenen Hufen sei Dank.
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