Entwürfe von Siegfried Möller
Keramik-Ausstellung ein Juwel

Eine der ungewöhnlichsten Vasen Möllers für Hirschau ist eine zwölffach gekantete und 19 Zentimeter hohe Vase "300" mit einem Mündungsdurchmesser von 24,5 Zentimetern, die in den Farben Türkis (roter Scherben) und Taubenblau (weißer Scherben) in der Alten Mälzerei zu sehen ist. Bilder: u (2)
Vermischtes
Hirschau
17.09.2016
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Sie stehen hinter der Ausstellung (von links): Pfarrer Klaus Haußmann (Ammerthal), Ausstellungsinitiator Michael Popp (Nürnberg), Volker Zelinsky (Hamburg) und Hirschaus Bürgermeister a.D., Hans Drexler, der Vorsitzende des Festspielvereins, in dessen Räumen die Werke präsentiert werden.

"Die Ausstellung ,Siegfried Möller - Keramikentwürfe für Hirschau' ist ein Juwel und von so hoher Qualität, dass sie auch in Amberg, Weiden oder München stattfinden könnte!" Diese Aussage stammt von Experten.

Die Steingutfabriken


Initiator Michael Popp sowie die Mitveranstalter Klaus Haußmann und Volker Zelinsky nannten im Beisein des Festspielvereinsvorsitzenden Hans Drexler eine Reihe guter Gründe für ihre Einschätzung. Ein gutes Jahr lang haben Experten aus ganz Deutschland - unter anderem auch Volker Hornbostel und Irmgard Endres - in "nicht unbedingt oft anzutreffender Einigkeit" kooperiert und sich intensiv mit Möllers Schaffen, insbesondere in den Hirschauer Steingutfabriken, beschäftigt. Etwa drei Viertel der Exponate stammen aus dieser Zeit. Sie währte zwar nur von 1923 bis 1926, war aber für die Aufwärtsentwicklung des Betriebes von großer Bedeutung. Firmeninhaber Christian Carstens holte den jungen Künstler nach Hirschau und setzte mit der Einrichtung einer speziellen Kunstwerkstatt ein nachdrückliches Signal, dass ihm die gestalterische Qualität wichtig war. Möller ist nach Popps Worten der erste Designer, dessen Namen bekannt ist und einen vorzüglichen Ruf genießt. Nach Eva Striker-Zeisel sei Möller der zweitwichtigste Entwerfer. Sein Werk aus seiner hiesigen Zeit und auch im übrigen Deutschland sei weithin unbekannt gewesen.

Den Anstoß, die Ausstellung in Angriff zu nehmen, gab laut Michael Popp ein "sensationeller Fund in einem lange unbewohnten Haus in Hirschau". Auf dem Dachboden seien unter dem Staub der Jahrzehnte etwa 140 Keramikteile zum Vorschein gekommen, darunter ein fast vollständiges, von Möller entworfenes Teeservice und ein reliefierter Wandteller mit der Mantelteilung des Hl. Martin als Motiv. Daneben weitere Stücke, mit deren Hilfe Möller-Produkte identifiziert werden konnten. Als zweite Sensation meldete eine Amberger Familie den Fund eines Produktkatalogs aus dem Jahr 1927. Bis dahin waren noch kein Katalog und nur wenige Dokumente aus der Zeit gefunden worden, in der der Carstens-Konzern die Hirschauer Steingutfabrik betrieb. Der Katalog ermöglichte es, viele Teile exakt zu bestimmen, zeitlich einzuordnen und einem bestimmten Entwerfer "zuzuschreiben. Abgebildet sind genau die Produkte, die jetzt bei der Ausstellung zu sehen sind. Als dritter Glücksfall kam hinzu, dass Volker Zelinsky an einer Dissertation über die Fabriken des Carstens-Konzerns arbeitete, die 2017 als Buch erscheinen wird. Er stieß auf die Namen zweier weiterer in den Hirschauer Fabriken tätigen Entwerferinnen.

Gravierte Goldmalerei


Die Ausstellung belegt, dass sich Siegfried Möller in den 50 Jahren seines Wirkens mit seiner handwerklichen Orientierung als Bildhauer besonders alten Keramiktechniken wie Fayencen in Zinnglasur, abstrakten Halbreliefdekoren, Sgrafittotechniken, Dekoren nach eigenen Stahlstichen, Blaumalerei im Delfter Stil und gravierter Goldmalerei im historischen Stil widmete. Die Ausstellung, die vom Festspielverein betreut wird, ist ab morgen jeden Sonntag von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Michael Popp und Pfarrer Klaus Haußmann möchten jeden Sonntag um 15 Uhr eine Führung anbieten. Morgen übernimmt diese Aufgabe zum Einstieg Michael Popp. Der Eintritt ist frei.
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