Für Keramikmuseum Steingut aus alten Hirschauer Firmen gesucht
Ins Museum statt in den Müll

In den Hirschauer Geschäften liegt Michael Popps Aufruf "Rettet das Hirschauer Steingut!" auf. Darauf sind Keramikprodukte abgebildet, die in der alten oder neuen Fabrik hergestellt wurden. Bilder: u (2)
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Hirschau
15.06.2016
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Der Festspielverein mit seinem Vorsitzenden Hans Drexler und dessen Stellvertreter Alfred Härtl (rechts) hat mit dem Nürnberger Kunstpädagogen Michael Popp (links) das Ziel, ein Steingutmuseum einzurichten. Popps Aufruf, Hirschauer Keramik nicht wegzuwerfen, sondern für das Museum zu spenden, war ein voller Erfolg.

Von 1826 bis 1956 währte die Epoche der Steingutproduktion in Hirschau. Lange Zeit war diese Ära in Vergessenheit geraten, bis der Nürnberger Kunstpädagoge Michael Popp die Hirschauer aus ihrem diesbezüglichen Dornröschenschlaf weckte.

Hirscha. (u) Seit 2004 setzt sich Popp zusammen mit dem Vorsitzenden des Festspielvereins, Bürgermeister a. D. Hans Drexler, und dessen Stellvertreter Alfred Härtl für die Schaffung eines Keramikmuseums ein. Beide teilen die Sorge, dass zu viel wertvolles er Steingut im Müllcontainer landet.

In seinem Aufruf "Rettet das Hirschauer Steingut!" hat Popp die Bevölkerung gebeten, die in den beiden Hirschauer Fabriken produzierte Ware vor dem Wegwerfen zu retten und für das anvisierte Steingutmuseum zu spenden. Wer dazu bereit ist, soll seine alten Stücke, mit Namen und Adresse versehen, im Rathaus im Vorzimmer des Bürgermeisters abgeben. Ist jemand unsicher, ob seine Stücke in Hirschau hergestellt wurden, kommt er gern, um bei der Bestimmung zu helfen, verspricht Michael Popp (09 11/64 67 90, m.popp@popp-und-partner.de).

Katalog gefunden


Der in Auszügen auch in der AZ veröffentlichte Aufruf wurde ein voller Erfolg. Innerhalb weniger Tage wurden fünf ganze Kaffee- oder Teeservice gespendet sowie einige einzelne Keramikartikel wie Vase, Krug, Hundeplastik und Tortenplatten. Die eigentliche Sensation war jedoch ein Produktkatalog aus dem Jahr 1928. Bis dato waren noch kein einziger Katalog und nur wenige Dokumente aus der Zeit gefunden worden, in der der Carstens-Konzern die Hirschauer Steingutfabrik betrieb. Das Geheft ermöglicht, viele Teile exakt zu bestimmen, zeitlich einzuordnen und einem bestimmten Entwerfer zuzuschreiben. Es umfasst genau die Zeit und die Produkte, die im September bei der von Popp initiierten Sonderausstellung "Siegfried Möller" in der Alten Mälzerei zu sehen sein werden. Möller (1896 bis 1970) war einer der vielseitigsten Keramiker des 20. Jahrhunderts. Ab 1923 war er zunächst Leiter einer speziell für ihn eingerichteten Kunst-Keramik-Werkstatt der Hirschauer Steingutfabriken C. & E. Carstens.

Schau in Alter Mälzerei


Die Erfolge wecken bei Popp und Drexler die Hoffnung, dass das Bewusstsein für den Wert der Hirschauer Steingutprodukte und die Bereitschaft, sie für museale Zwecke zu spenden, weiter wächst. Dankbar sind sie dafür, dass Bürgermeister Hermann Falk in einem in den Geschäften aufliegenden Aufruf um Unterstützung für die Bemühungen Drexlers und Popps wirbt.

Aktuell betreut der Festspielverein in der Alten Mälzerei eine Steingutausstellung. Rund 700 Exponate - Gebrauchsgeschirr genauso wie dekorative und künstlerisch gestaltete Exemplare - aus den Epochen Dorfner (1826 bis 1918), Carstens (1918 bis 1938) und Luckscha (1938 bis 1956) sind zu besichtigen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Schautafeln, die Zeitdokumente zeigen und über die Rohstoffe informieren, die zur Herstellung der Waren benötigt wurden.

Eine Bereicherung wäre, wenn die Schau durch Leihgaben erweitert würde. Der Verein räumt die Möglichkeit ein, Steingutware befristet in einer Extra-Vitrine zu präsentieren. Wer Interesse hat, setzt sich mit Hans Drexler (0 96 22/56 75) in Verbindung. Für die Ausstellung gibt es im Moment keine festen Öffnungszeiten. Wer sie besichtigen will - egal ob Einzelperson oder Gruppe - meldet sich bei Drexler. Der Eintritt ist frei.
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