Hirschauer stellen Kirwabaum leicht schief auf
Bei Westwind kerzengrade

Ein besonderer Blickfang beim Festzug waren die Mitglieder des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen.
Vermischtes
Hirschau
08.09.2016
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Mit Bürgermeister a. D. Hans Drexler (kniend), der den Baum ausfindig gemacht, gefällt und hergerichtet hatte, führte ein ausgewiesener Fachmann Regie beim Aufstellen der 18 Meter hohen Kirwasymbols. Auch sein Amtsnachfolger Hermann Falk (links) hörte auf Drexlers Kommandos.

Zwei Tage lang feierten die Hirschauer Kirwa und mit ihr den 167. Weihetag der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Vor allem, als die Sonne vom weiß-blauen Himmel lachte, fand sich auf dem zum Festplatz umfunktionierten Schlosshof vor der Alten Mälzerei eine große Gästeschar ein.

Los ging es am späten Samstagnachmittag mit dem Aufstellen des Kirwabaums im Schlosshof. Bürgermeister a. D. Hans Drexler hatte den 18 Meter hohen Riesen im Stadtwald am Kalvarienberg ausfindig gemacht, gefällt und hergerichtet. Bei der Zeremonie im Schlosshof hörte alles auf Drexlers Kommando, auch sein Amtsnachfolger Hermann Falk. Nach exakt 38 Minuten und 34 Sekunden ragte das Kirwasymbol fast senkrecht - mit einem leichten Drall in Richtung Gebenbach - in den Himmel. Für Hans Drexler kein Problem: "Mir hom Westwind. Der hot den Baum no alle Johr a weng in Richtung Schnoittenboch druckt. Dann stöiht er kirzagrod!" Das leuchtete allen ein.

Bodenständige Klänge


Ab dem frühen Abend wurde es dann eng an den Biertischen. Die Verpflichtung der Staaleithn Musi erwies sich als Glücksgriff. Bei ihrem Einstand in Hirschau spielten die zehn Musikanten, unter ihnen die Hirschauerin Saskia Krügelstein, ohne Verstärker zünftig auf, gingen musizierend durch die Reihen und sorgten mit bodenständigen Klängen für beste Stimmung.

Der von Annette Pruy-Semsch dirigierte Musikzug ließ den von Ruhestandspfarrer Konrad Kummer zelebrierten Festgottesdienst zu einem musikalischen Erlebnis werden. Die vielen Besucher waren von der einfühlsamen Interpretation so moderner Stücke wie Whitney Houstons "One moment in time" oder Bette Midlers "The rose" sehr angetan. Traditionelles Liedgut wie das "Te Deum" durfte natürlich nicht fehlen.

Esel am Kreuz


Diakon Richard Sellmeyer rückte eine aus dem zweiten Jahrhundert stammende Höhlenzeichnung in den Mittelpunkt seiner Predigt - ein in Stein geritztes Spott-Kruzifix, auf dem Jesus als am Kreuz hängender Esel dargestellt wird. Mit diesem Graffito und dem darunter stehenden Satz "Alexamenos verehrt diesen Gott" sollte der Glaube des jungen Christen Alexamenos lächerlich gemacht werden. Dieser habe sich aber nicht in seinem Glauben beirren lassen, wie eine einige Jahre später in einem Nachbarraum entdeckte Handschrift belegt: "Alexamenos fidelis" ("Alexamenos ist gläubig").

Angeführt vom Musikzug, ging es zum Schlosshof. Unter den Gruppierungen mit ihren Fahnenabordnungen waren die Mitglieder des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen ein besonderer Blickfang. Bei herrlichem Sonnenschein sorgten die Pfarrgemeinderatsmitglieder dafür, dass sich die Gäste beim Frühschoppen ihre Weißwürste und Brezen und eine Halbe schmecken lassen konnten, dies alles zu den schmissigen Klängen des Musikzugs.

Am Nachmittag schlug das Wetter den Besuchern mit einem Regenschauer ausgerechnet zur Kaffeezeit ein Schnippchen. Als dann später mehr oder minder Dauerregen einsetzte, überlegte es sich doch der eine oder andere, ob er seinen gemütlichen Wohnzimmersessel verlassen und zur Kirwa gehen sollte.
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