In Hirschau soll ein Museum entstehen
Vom Arbeiten "in der Keramik"

Die letzten Büro-Damen bei Chef Luckscha (von links): Frau Weiß, Fräulein Dobmeyer-Heberl, Frau Weinberger, Frau Ertl und Fräulein Kühn.
Vermischtes
Hirschau
28.11.2016
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Die Mitarbeiter-Aufnahme stammt etwa aus dem Jahr 1900, also noch aus der Ära Dorfner der Hirschauer Steingutfabrik. Bilder: u (2)

Kulturdirektor a. D. Michael Popp und der Vorsitzende des Festspielvereins, Altbürgermeister Hans Drexler, haben sich ein großes Ziel gesetzt. Sie wollen in Hirschau ein Keramikmuseum aufbauen. Doch jetzt muss erst einmal Material gesammelt werden.

Mit der Einrichtung soll dauerhaft an ein Stück Hirschauer Kulturgeschichte erinnert werden, waren doch die in den Steingutfabriken hergestellten Produkte nicht nur bloße Gebrauchsgegenstände, sondern immer auch ein Ausdruck der jeweiligen kulturellen Moden.

Der ausgezeichnete Besuch der Sonderausstellung Siegfried Möller, die seit Mitte September in der alten Mälzerei gezeigt wurde, bestätigt beide in ihrer Meinung, dass das Interesse an den einst in den Hirschauer Steingutfabriken hergestellten Produkten immer noch sehr groß ist.

Zumindest für Popp und Drexler ist dies Anlass, auch an die Menschen zu denken, die dort gearbeitet haben. Etliche von ihnen, die in der letzten, bis Dezember 1956 dauernden Phase unter Alois Luckscha als Malerinnen, Glasierer, Brenner oder Bürokräfte in der Keramik tätig waren, leben noch. Aber die Zeitzeugen werden immer weniger.

Immer weniger Zeitzeugen


Während zur Zeit der ersten Ausstellungen in den Jahren 2004 und 2005 noch gut 70 Mitarbeiter lebten und als Zeitzeugen zur Verfügung standen, hat sich deren Zahl gerade in den letzten Jahren deutlich verringert. Mit den Menschen gehen allmählich auch die Erinnerungen an die Ära verloren, als die Steingutfabrik nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit des Wirtschaftswunders noch einmal florierte und den Hirschauern einen gewissen Wohlstand brachte. Begleitend zur Möller-Ausstellung waren in der alten Mälzerei sieben Informationstafeln zu sehen, auf denen frühere Mitarbeiter über ihre tägliche Arbeit "in der Keramik" berichten.

Um dem Vergessen entgegenzuwirken, werden diese auch Bestandteil der Dauerausstellung sein, die der Festspielverein am gleichen Ort ab Januar 2017 einrichtet. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass über diese Erinnerungsstützen hinaus bei manchen "Ehemaligen" oder deren Familien verstreut noch Fotos vorhanden sind, die vom Leben in der Fabrik berichten.

Beim Malen gesungen


Meistens handelt es sich um Gruppenaufnahmen von Pausensituationen, Geburtstagsfeiern oder Jubiläen. Sie stammen vorwiegend aus der Luckscha-Ära, vereinzelt aus Zeiten, als der Carstens-Konzern die Steingutfabrik führte. Das Bildmaterial vermittelt den Eindruck, dass die "Mädels" in der Arbeit durchaus ihren Spaß hatten und miteinander freundschaftlich verbunden waren. So wird zum Beispiel berichtet, dass vor allem die Malerinnen während ihrer Arbeit gemeinsam gesungen haben.

Aber nicht alle Arbeitsplätze waren so privilegiert. Viele Mitarbeiter hatten harte, schweißtreibende und sogar gesundheitsschädliche Tätigkeiten zu verrichten. Die Initiatoren des Museums würden es sehr begrüßen, wenn sie weiteres Fotomaterial zur Verfügung gestellt bekämen. Dann könnte neben der Steingutsammlung auch ein Fotoarchiv entstehen, das an die Menschen, die diese Produkte gefertigt haben, und ihre Arbeit erinnert. Nähere Informationen bei Hans Drexler (09622 / 36 51) oder Michael Popp (0911 / 64 67 90).

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/themen/steingut
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