Kolpingsfamilie Hirschau blickt skeptisch in die Zukunft
Verein schrumpft und überaltert

Bei ihrem 156. Stiftungsfest wählte die Kolpingsfamilie Hirschau einen neuen Vorstand (von links): Albert Meindl (Beisitzer), Lothar Meier (2. Vorsitzender), Pfarrer Hans-Peter Bergmann (Präses), Franz Reif (Beisitzer), Siegfried Schorner (Vorsitzender), Erwin Bauer (Kassier), Christina Wisneth (Theatergruppe) und Johannes Fleischmann (TTC Kolping). Bild: u
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Hirschau
07.04.2016
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Im Jahr 1860 gegründet, ist die Kolpingsfamilie nach dem Gesangverein die zweitälteste Gruppierung in Hirschau. Im 156. Jahr ihres Bestehens treibt die Mitglieder, allen voran Vorsitzenden Siegfried Schorner, eine tiefe Sorge um: "Kolping Hirschau schrumpft und überaltert."

Hirschau. (u) Gleichermaßen nüchtern wie deutlich akzentuierte Schorner das Nachwuchsproblem beim Festabend, zu dem sich die Kolpingsfamilie unter dem Motto "Zeigt Mut - macht Mut" anlässlich des 156. Stiftungsfestes im Pfarrheim traf.

Dabei wurde auch der Vorstand neu gewählt. Die Anwesenden setzten auf Kontinuität. Sie bestätigten den seit 2010 amtierenden Vorsitzenden Siegfried Schorner für weitere drei Jahre ebenso einmütig wie dessen Stellvertreter Lothar Meier und Kassier Erwin Bauer. Vor der Veranstaltung hatte Pfarrer Hans-Peter Bergmann in der Kirche einen Gottesdienst zelebriert, bei dem der verstorbenen Mitglieder gedacht wurde.

Kein Nachwuchs in Sicht


Schon in seiner Begrüßung ließ Schorner anklingen, dass sich seiner Meinung nach gewisse gesellschaftliche Veränderungen negativ auf die Vereinsarbeit, insbesondere auf sozial-katholische Organisationen auswirkten. Pfarrer Bergmann griff diese Problematik in seinem geistlichen Wort auf. Adolph Kolping habe seine Häuser auch für junge Menschen geschaffen. Im Moment erscheine es utopisch, Nachwuchs für die Kolpingsfamilie zu gewinnen. Doch solle man die Hoffnung nicht aufgeben:. "Kolping wird Wege finden, kraftvoll in der Zukunft zu bestehen." Die Kolpingfamilie sei nicht verkümmert, sondern tatkräftig. Sichtbar werde dies bei der Altkleider- und Altpapiersammlung.

Als eine positive Erfahrung der letzten Zeit wertete der Vorsitzende die gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Katholischen Frauenbund. Generell sollte man mehr auf andere sozial-katholische Organisationen zugehen, etwa auch bei der Mitwirkung an der Altkleider- und Altpapiersammlung. Sie sei das Aushängeschild der Kolpingsfamilie. Mit den erzielten Erlösen unterstütze man soziale Einrichtungen. Schorners Dank galt Walter Widder und Hartwig Langhammer, die miteinander die Sammlung managen.

Von Nachwuchssorgen berichtete auch der TTC-Vorsitzende Johannes Fleischmann. Mitglieder im Alter unter 20 Jahren habe der Verein nur noch im einstelligen Bereich. Von den 88 Mitgliedern sind die meisten älter als 45. Eine große Lücke in der Betreuung bedeute der Rückzug von Franz Böhm. Unerklärlich sei, dass von 25 zur Minimeisterschaft angemeldeten Jugendlichen nur drei erschienen seien. Gerade bei dieser Veranstaltung habe der TTC früher seinen Nachwuchs rekrutiert. Fleischmanns Fazit: "Nachwuchs und Qualität im Verein nehmen ab."

Für die verhinderte Vorsitzende der Frauengruppe, Elisabeth Schorner, berichtete Siegfried Schorner über die Aktivitäten. Demnach treffen sich bis zu 15 Frauen einmal im Monat. Zur Tradition gehören gemeinsame Frühstücke, Fahrten zum Mariahilfberg und Spaziergänge. Bei gutem Wetter wird die Sommerserenade in Weiden besucht. Ein Glanzpunkt war der Besuch der Salzgrotte in Kümmersbruck. Die Frauengruppe wolle vor allem ältere Mitbürgerinnen ansprechen, um ihnen die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen.

Jura-Fest ohne Kolping


Aus der Versammlung heraus wurde der Antrag gestellt, über eine weitere Mitarbeit bei Pfarrfest und Jura-Gartenfest abzustimmen. Geschlossen votierten die Anwesenden für eine weitere Unterstützung des Pfarrfestes. Beim Jura-Fest müssen die Veranstalter auf Kolping verzichten.

Für Zukunft Ungutes zu erahnenEin nachdenklicher Vorsitzender Siegfried Schorner beleuchtete die Aktivitäten der vergangenen drei Jahre. Er räumte ein, dass man bei den Treffen gerne über alte Zeiten rede oder sich über gelungene aktuelle Veranstaltungen unterhalte.

Bei Kolpinggedenktag und Stiftungsfest sei man zahlreich vertreten, im Alltag begegne man Kolping eher distanziert. Nicht selten werde die sinkende Mitgliederzahl beklagt, und dass zu wenig passiere. Die Situation spitze sich immer mehr zu. So werde es zunehmend schwieriger, die Führungspositionen zu besetzen.

Ein Blick in die Mitgliederliste lasse Ungutes erahnen, meinte der Vorsitzende. Man zähle noch 95 Mitglieder, darunter fünf Frauen. 67 Prozent der Mitglieder seien älter als 61 Jahre, nur drei Prozent jünger als 30 Jahre.

Schorner bedauerte, dass es ihm nicht gelungen sei, den TTC Kolping und die Theatergruppe enger zusammenzuführen und deren Mitglieder für einen Beitritt zur Kolpingsfamilie zu gewinnen. Von beiden Sparten sei jeweils nur eine Handvoll Mitglied bei Kolping. Ähnlich sehe es bei der Frauengruppe aus. Neuaufnahmen könnten seit langer Zeit Austritte und Todesfälle nicht mehr ausgleichen.

Lösungen für dieses Problem ließen sich nicht aus dem Ärmel schütteln: "Es gilt, sich die eigene Leidenschaft für Kolping zu bewahren und Neues auszuprobieren", sagte der Vorsitzende. (u)


VorstandVorsitzender: Siegfried Schorner Stellvertreter: Lothar Meier

Kassier: Erwin Bauer

Beisitzer: Franz Reif und Albert Meindl

Kassenprüfer: Michael Freimuth und Wolfgang Weih

Schriftführer: Posten konnte nicht besetzt werden

Weitere Vorstandsmitglieder: Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann kraft Amtes als Präses, Elisabeth Schorner (Frauengruppe), Johannes Fleischmann (TTC Kolping) und Christina Wisneth (Theatergruppe) (u)
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