Pfarrer Hans Hammer feiert 85. Geburtstag
Das Ausland ist seine Heimat

Pfarrer Hans Hammer, zwei Jahrzehnte Auslandsseelsorger im Orient, feiert am Sonntag, 21. Februar, seinen 85. Geburtstag. Bild: u
Vermischtes
Hirschau
19.02.2016
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Er ist bis heute Priester mit Leib und Seele und gilt als "steter Streiter für Toleranz", dem der Dialog und die Verständigung zwischen Christentum und Islam zutiefst am Herzen liegen - die Rede ist von Pfarrer Hans Hammer.

Fredenberg/Hirschau. (u) Seit 2004, als er nach einem sehr engagierten seelsorgerischen Wirken in den Ruhestand trat, lebt er in Freudenberg. Am Sonntag feiert er seinen 85. Geburtstag. Der am 21. Februar 1931 in Amberg geborene Jubilar kann wie kaum ein zweiter Geistlicher der Region Amberg-Sulzbach auf ein äußerst bewegtes Priesterleben zurückblicken. Er wuchs in Hirschau als Ältester einer siebenköpfigen Familie auf, besuchte die Oberrealschule (heute GMG) in Amberg und machte dort 1951 sein Abitur. Bis 1956 studierte er Theologie und Philosophie an der Hochschule in Regensburg. Nach der Priesterweihe am 29. Juni 1957 war er bis 1959 als Kaplan in Grafenwöhr tätig. Im September 1959 wurde er von Kardinal König in Wien zum Kaplan der Pfarrei Döbling St. Paul ernannt und sollte sich auf eine Ausbildung als Europa-Seelsorger vorbereiten.

Viele Studienreisen


Die Idee von Erzbischof Koadjutor Jachym zerschlug sich aufgrund der Kurzsichtigkeit verschiedener Bischöfe in europäischen Großstädten, wie Hammer sagt. Von 1963 bis 1974 unterrichtete er als Religionslehrer an der Kaufmännischen Berufsschule in Regensburg. Während der elf Jahre in der Domstadt unternahm er Studienreisen in die Ukraine, nach Russland, Sibirien, Kasachstan und Usbekistan sowie in die USA. Als Touristenseelsorger sammelte er Erfahrungen in Spanien und Italien. 1974 wurde er vom Katholischen Auslandssekretariat Bonn als Auslandsseelsorger nach Teheran berufen, verantwortlich für die deutschsprachigen Katholiken im Iran mit Sitz in Teheran.

Bis 1980 war er verantwortlich für den Unterricht an der Deutschen Begegnungsschule in Teheran und den 14 Großbaustellen im gesamten Iran sowie für die Seelsorge an den Gefangenen und Kranken im Bereich der Megapolis Teheran. 1978/79 erlebte er die Iranische Revolution, den Sturz des Schahs und die Errichtung der Islamischen Republik.

Verdienstkreuz 1. Klasse


Aufgrund der außerordentlichen Verdienste um seinen seelsorglichen Einsatz während der Revolution verlieh ihm Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1988 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Nach dem Zerfall der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen war die Seelsorge auf eine kleine Schar von Geschäftsleuten geschrumpft. So kehrte Hammer 1980 nach Regensburg zurück. Ab 1983 widmete er sich erneut der Auslandsseelsorge, allerdings mit einem wesentlich erweiterten Wirkungskreis. Von Istanbul aus betreute er nicht nur die Türkei, sondern die Länder Iran, Irak, Kuwait, die Golfstaaten und das Sultanat Oman.

Bis 1994 war er mit dem Aufbau einer deutschsprachigen Seelsorge mit Filialen in Istanbul, Ankara, Teheran, Bagdad, Mossul, Basra, Kuwait, Dubai, Abu Dhabi und Muscat beauftragt. Pfarrer Hammer besuchte nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Baustellen im Irak mit großen Camps am Tigris und im gesamten Gebiet von der syrischen Grenze bis nach Basra im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris und im Kurdengebiet. Er pflegte gute Kontakte zu den Vertretern des Heiligen Stuhls und stand in ständigem Kontakt mit den Bischöfen in Istanbul, Izmir und Mersin.

Tiefe Einblicke in seine Erlebnisse und Erfahrungen und die aus seiner Arbeit gewonnenen Erkenntnisse gewährt Pfarrer Hammer in dem von ihm gemeinsam mit der Ethnologin Dr. Annemarie Gronover herausgegebenen Buch "Seelsorge zwischen Wüste und Metropole - Biographisches aus Iran und Türkei".

Für Verständigung


Sein Einsatz für diese Region riss nach seiner Rückkehr in seine deutsche Heimat nicht ab, wo er sich von 1994 bis 2004 - über die für Priester geltende Pensionsgrenze von 70 Jahren hinaus - als vorbildlicher Gottesmann in der Pfarrei Schambach erwies. Bis 1999 übernahm er die nebenamtliche Aufgabe als Seelsorger für die Gemeinden am Golf.

Sein priesterliches Wirken wäre unvollständig, würden man seine intensiven Bemühungen um die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen unerwähnt lassen, die ihm besonders in den Jahren 1967 bis 1974 ein Anliegen waren. Im Sommer 2004 ging er im Alter von 74 Jahren in den Ruhestand nach Freudenberg und hilft seitdem als Ruhestands-priester in der Pfarrei Wutschdorf und der Filiale Etsdorf mit.

Kleine FeierDass der Jubilar eine Persönlichkeit ist, die landauf und landab als Experte in Sachen Islam gilt, ist angesichts seiner Priesterlaufbahn selbstverständlich. Seine persönlichen Erfahrungen sind es, die ihn unbeirrt für den Dialog der Religionen werben und ihn unermüdlich mahnend den Zeigefinger erheben lassen, wenn der Islam und seine Gläubigen angesichts schrecklicher Ereignisse pauschal verurteilt werden.

Er bezeichnet Papst Franziskus als sein Vorbild. Entsprechend bescheiden und in kleinem Rahmen feiert Pfarrer Hammer am Sonntag seinen 85. Geburtstag. Von 11 bis 13.30 Uhr lädt er Verwandte und Freunde zu einem kleinen Imbiss mit Getränken in den Landgasthof Dotzler ein. Wer sich von ihnen zu der Geburtstagsrunde gesellen will, wird gebeten, sich dort (0 96 27 / 260) oder unter (0 96 27 / 13 47, Doris Smarzly) anzumelden. Pfarrer Hammer bittet darum, von Geschenken abzusehen. Für soziale Anliegen kann eine Spende in eine Box eingelegt werden. (u)
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