Schlossgeist entdeckt bei Bockbierfest in Hirschau Rotlichtviertel
Sankt Pauli am Fuße des Monte

Bürgermeister Hermann Falk zapfte das erste Fass an, genau beobachtet von (von links) 2. Bürgermeister Josef Birner, Braumeister Franz Dorfner, Sebastian Dorfner und Johanna Erras-Dorfner. Bilder: vt (2)
Vermischtes
Hirschau
25.02.2016
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Mit Martin Winkler tat ein Ehenfelder als Geist vom Pflegeschloss kund, was so alles geschehen war im vergangenen Jahr.

Gruslig ging es zu beim Hirschauer Bockbierfest. Die Kirchenglocken läuteten und eine weiße Gestalt erschien: der Schlossgeist. Bei dessen Tiraden bekam natürlich so mancher sein Fett weg.

Braumeister Franz Dorfner eröffnete die Veranstaltung im gut gefüllten Schloss-Keller. Als Höhepunkt stand wieder das Derblecken der Hirschauer Politikprominenz durch den Schlossgeist auf dem Programm. Dorfner erwähnte die Jubiläumsfeier zum 500-jährigen Bestehen des Reinheitsgebots. Für Stimmung sorgten mit Volksmusik zum Mitsingen die weiß-blauen Buam Heinz Dirnhofer aus Kienlohe mit der Steirischen und Martin Seidl aus Amberg mit der Gitarre. Bürgermeister Hermann Falk durfte das erste Fass anzapfen. Mit erhobenem Krug grüßte er die Besucher: "Salve, pater patriae! Bibas, princeps optime!" Das heißt: "Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands! Trinke, bester Fürst!"

Bis der Arm zittert


Für das Maßkrugstemmen konnte Franz Dorfner viele Gäste, Männlein wie Weiblein, mobilisieren. Dabei galt es, einen gefüllten und damit etwa 1,6 Kilogramm schweren Maßkrug am ausgestreckten Arm zu halten. Da können Minuten zur Qual werden. Schiedsrichter war 2. Bürgermeister Josef Birner, Johanna Erras-Dorfner gab das Startzeichen. Die drei letzten verbliebenen Herren quetschten aus sich mit sämtlichen Verrenkungen über neun Minuten heraus. Schließlich siegte Klaus Meyer knapp vor Heinz Dirnhofer und Joachim Winkler. Bei der Damenwelt hielt Marianne Leißl am längsten durch vor Sonja Gebhardt und Karin Waldhauser.

Zur fortgeschrittenen Stunde erschien den Besuchern eine weiße Gestalt. Als Schlossgeist tat mit Martin Winkler ein Ehenfelder kund, was so alles geschehen war im vergangenen Jahr. "Heut Abend da wird draufgehaun, da wird ein mancher ganz schön schaun", kündigte er an. Zuerst widmete sich der Geist dem Marktplatz, eigentlich ein Prunkstück der Stadt, das aber nicht fertig werde. Altes Pflaster sei ringsum beim Jesus-Kreuz belassen worden, statt des edlen Brunnens habe man den Platz einfach geteert. Hirschau habe jetzt einen Tempel vor der Sparkasse, sagte der Geist und meinte damit die Bushaltestelle mit Infopoint. Die Schnaittenbacher hätten diese schon für die neue Verladestation von AKW gehalten. "Der Tempel besteht aus 20 Säulen, für jeden Stadtrat eine, und in der Mitte steht ein Marterpfahl für den Bürgermeister", stellte der Geist fest. Dazwischen erhob er sein Bockbierkrügerl mit dem Trinkspruch: "Halt des größte Unglück fern, lous des Bier niad sauer wern. Prost!"

Viele rote Scherben


Die Stadt hat laut Winkler einen Flyer ausgeteilt als Hinweis auf die Granitpfosten. Aber einige hätten die Nachricht anscheinend noch nicht mitbekommen: "Das bestätigen die vielen roten Scherben der Rücklichter." Der Rentnerpolizist Rudi Wild von der SPD sollte sich der Wildparkerei annehmen und Strafzettel verteilen, schlug der Geist vor. Seit Herbst gebe es in Hirschau ein Rotlichtviertel wie auf Sankt Pauli. "Haben die Roten von der SPD ein neue Bürgerbüro aufgemacht?", fragte der Redner. Aber nein, das Licht scheint aus der neuen Brauanlage des "Biergärmeisters" Franz Dorfner heraus, klärte er auf. "Dort wird das sogenannte Ampelbier gebraut: Bei rot kann man es nicht genießen, bei gelb fehlt der Schaum und bei grün ist es zum Saufen."

Als das große Event schlechthin bezeichnete der Geist: Hirschau go's to Rome, als der Weihnachtsbaum für den Papst aus dem gelobten Land Ehenfeld zum Petersplatz geschickt worden war. Das hätten sich viele Großkopferte und Gemeindemitglieder natürlich nicht entgehen lassen. In Rom sei der Baum einbetoniert worden, was so manchem im Herzen weh getan habe. Der Landrat Reisinger habe seine Rede im Hotel liegen lassen und Bürgermeister Hermann Falk habe in seinem edlen Anzug ganz schön gefroren. Mit dem Abschiedsgruß "Nix für unguat" löste sich der Geist wie von selbst wieder auf, während die Besucher noch lange feierten.
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