Segen für restauriertes Missionskreuz auf dem Hirschauer Marktplatz
Sechs Meter hoch, 800 Kilo schwer

Zum Abschluss des Marktplatzfest-Gottesdienstes segnete Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann (links) das restaurierte Missionskreuz. Sein Wunsch war es, dass das erneuerte Kreuz als Segenszeichen in der Mitte der Stadt stehen möge. Bild: u
Vermischtes
Hirschau
17.08.2016
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Vier Monate vermissten die Hirschauer ihr Missionskreuz vor dem Ostgiebel des Rathauses. So lange dauerte dessen Restaurierung. Nun steht es wieder, einige Meter weiter nördlich, an Ort und Stelle. Pfarrer Hans-Peter Bergmann segnete das sechs Meter hohe und rund 800 Kilogramm schwere gusseiserne Kruzifix.

Wer das restaurierte Kreuz genauer betrachtet, dem dürfte am unteren Teil des Kreuzes die Jahreszahl 1896 ins Auge stechen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass es erst seit 1896 ein Missionskreuz auf dem Marktplatz gibt, wäre voreilig. Nach Recherchen von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl reicht seine Geschichte viel weiter zurück, auch wenn sein Ursprung nicht endgültig geklärt werden kann.

Von Pappeln umgeben


So schreibt Johann Baptist Janner, Chorregent und Knabenschullehrer, 1844 in seiner historisch-topographischen Beschreibung über seine Heimatstadt Hirschau: "Auf dem öffentlichen Platze vor dem Rathause steht ein sogenanntes Missionskreuz, welches von 3 Pappeln umgeben ist, welche, wiewohl erst in den Jahren 1826 vom verstorbenen Mädchenschullehrer Georg Bauer gepflanzt, doch schon das Rathaus in Höhe eingeholt haben." Es dürfte sich um ein Holzkreuz gehandelt haben.

Rechnungen von 1844


Stadtkammer-Rechnungen von 1844 belegen, dass das Missionskreuz auf dem Marktplatz von Zimmermeister Johann Dippel durch Balken abgestützt wurde, weil es umzufallen drohte. 1896 soll es ein Sturm umgeworfen und stark beschädigt haben. So entschloss sich der Stadtmagistrat, ein Kreuz aus Gusseisen aufzustellen. Pfarrer Lautenschlager schrieb 1897 in seiner Chronik von einem Gusskreuz, errichtet von Missionaren im Jahre 1853. Strobl hinterfragt diese Lautenschlager-Aussage. "Wäre das Kreuz aus Eisen gewesen, hätte es wohl den Sturm überstanden." Außerdem fragt er: "Wie konnte Janner schon 1844 das Kreuz erwähnen, wenn es erst 1853 errichtet worden ist?"

Beim Sturm im Jahr 1896 blieb der Corpus allem Anschein nach ziemlich unbeschädigt. Wie aus Rechnungen hervorgeht, wurde er neu vergoldet. Um ihn zu befestigen, wurden in das neue Kreuz Löcher gebohrt und Gewinde eingeschnitten. Die Stadtväter beauftragten den "Zöiglbinder" Paul Wittmann mit dem Transport. Mit seinem Pferdefuhrwerk holte er den Granitsockel von einem Steinmetz aus Windischeschenbach und das Kreuz aus Weiherhammer ab. Die Gesamtkosten des Kreuzes bezifferten sich auf 358,70 Mark. Zum Vergleich: Der Monatslohn eines Arbeiters betrug bei täglich 12 bis 14 Stunden 56 bis 58 Mark. Eine Maß Bier kostete 24 Pfennig.

Bei der ersten Altstadtsanierung 1964 wurde vor dem Ostgiebel des Rathauses ein Brunnen mit Blumenanpflanzung errichtet und das Kreuz in diese Grünanlage eingebaut. Im Zuge der Innenstadtsanierung 2016 verschwand der Brunnen samt Anpflanzung.
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