Stadtheimatpfleger Sepp Strobl führt als Nachtwächter durch Hirschau
Am Rathaus geruckelt

Beim nächtlichen Rundgang durch die Stadt gesellten sich einige mit Kostümen aus dem Fundus des Festspielvereins verkleidete Eltern zu den Kindern. Diese mussten schmunzeln, als die Erwachsenen ein Hirschauer Stückl nachspielten und versuchten, das Rathaus an den richtigen Platz zu verschieben (von links): Stadtheimatpfleger Sepp Strobl als Nachtwächter, Martin Merkl, Roland Ernstberger, Karl Merkl und Stefan Lipp. Bild: u
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Hirschau
15.10.2016
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Man schrieb das Jahr 1938, als letztmals ein Nachtwächter durch Hirschaus Straßen ging. Sein Name stand für seinen Beruf, er hieß Georg Wächter. Nun war wieder ein Nachtwächter unterwegs: Stadtheimatpfleger Sepp Strobl. Anders als Wächter war er nicht allein. In seinem Gefolge waren Regina Merkl und ihre Kinder- und Jugendgarde.

"Hört, ihr Kinder, lasst euch sagen ...", verkündete Sepp Strobl - ausgerüstet mit Hellebarde, Laterne und Horn - Punkt 20 Uhr vor dem Rathausportal und zog so die gebannten Blicke der Kleinen auf sich. Dann ging es durchs nächtliche Hirschau zur Kirche und von dort zurück zum Rathaus.

Licht in Eimern


Derweil hatten sich einige mit Kostümen aus dem Fundus des Festspielvereins verkleidete Eltern zu den Kindern gesellt. Zu deren Freude ließen die Erwachsenen einige Hirschauer Stückln lebendig werden. So versuchten die Knechte der Hirschauer Bürger, das Rathaus an den richtigen Platz zu verschieben. Lachen mussten die Kinder darüber, dass die Hirschauer mit Säcken und Eimern Licht in ihr fensterloses Rathaus tragen wollten und dass sie zu allem Überfluss auch noch im Gebäude die Treppe ins obere Stockwerk vergessen hatten. Dass es im Rathaus auch ein Gefängnis gab, das als Hammerloch bezeichnet wurde, wussten die Älteren schon von ihrer schulischen Stadtführung.

Durch die Postgasse, die einzige in der das original Hirschauer Pflaster mit seinen Katzenköpfen noch erhalten ist, zog man zur Stadtmauerngasse. An deren Ende lieferten sich in einer dunklen Ecke zwei betrunkene Handwerksburschen eine Rauferei. Sie wurden vom herbeigerufenen Gendarmen sofort abgeführt und ins Hammerloch gesteckt. Weiter führte der Weg zur Hirschengasse. Von dort bog man ins Schermgassl (Mittlerer Torgartenweg) ein.

Ruf des Nachtwächters


Auf der Strecke zur oberen Mühle zeigte der Nachtwächter seinen Begleitern die verbliebenen Reste der Stadtmauer und der runden Wachtürme. Im Westteil der Stadt marschierte die Gruppe durch die schmale Hirtengasse zum oberen Stadttor. Dort erschallte nach genau einer Stunde der letzte Nachtwächterruf, der den außergewöhnlichen Rundgang beendete.

Mehrere WächterIn Hirschau gab es einst verschiedene Wächter. So übte der Türmer sein Amt auf dem Kirchturm, später auf dem oberen Stadttorturm aus. Der letzte hieß Josef Engelmann und tat dies bis zu seinem Tod 1913. Die Torwärter, die im Haus neben dem jeweiligen Stadttor wohnten, verschlossen dieses abends bis zum Jahr 1835. Der Nachtwächter schließlich machte seine Rundgänge durch die Stadt bis zum Jahr 1938 vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Tagesanbruch. (u)
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