Steingutausstellungin Hirschau
Von Möllers Werk beeindruckt

In der Form des Kaffeeservices "M" wurde ein "Déjeuner", ein Service für ein Frühstück zu zweit angeboten, erklärte Michael Popp.
Vermischtes
Hirschau
23.09.2016
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Rund 50 geladene Gäste fanden sich zur Eröffnung der Ausstellung "Siegfried Möller - Keramikentwürfe für Hirschau" in der Alten Mälzerei ein. Von rechts: Bürgermeister Hermann Falk, Festspielvereinsvorsitzender Bürgermeister a.D. Hans Drexler, Michael Popp, 3. Bürgermeister Peter Leitsoni, Volker Zelinsky und Pfarrer Klaus Haußmann. Bilder: u (2)

2004 weckte Michael Popp mit einer Ausstellung und seinem Buch "Hirschauer Steingut" die Erinnerung an ein fast vergessenes Stück Hirschauer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Von 1826 bis 1956 waren die hiesigen Steingutfabriken absolute Weltfirmen.

Hirscha. (u) Einer, der zu diesem guten Ruf wertvolle Beiträge leistete, ist der Künstler Siegfried Möller, der von 1923 bis 1926 während der Carstens-Ära in als Entwerfer tätig war. Ihm und seinem Schaffen hat Michael Popp eine Ausstellung gewidmet, die in der Alten Mälzerei eröffnet wurde.

Kulturelles Engagenment


Zu den rund 50 geladenen Gästen, die der Hausherr und Festspielvereinsvorsitzende Hans Drexler begrüßte, gehörten neben Sponsoren und Leihgebern anerkannte Experten wie Pfarrer Klaus Haußmann und der Hamburger Volker Zelinsky. Er arbeitet an einer Dissertation über die Steingutfabriken des Carstens-Konzerns, zu denen die Hirschauer Betriebe von 1918 bis 1938 gehörten. Drexler betonte, dass sich das kulturelle Engagement des Vereins nicht auf die Stückl-Festspiele und die Kirwa-Mitwirkung beschränkt. Das Thema Steingut sei dem Verein sehr wichtig. Mittlerweile habe man einen Fundus von rund 800 Exponaten. Sie hätten im Moment Platz gemacht für die Möller-Ausstellung. Bislang habe man 85 000 Euro in die Sanierung der Mälzerei investiert. Größter Brocken sei der Ausstellungsraum gewesen. Ziel bleibe die Einrichtung eines Steingutmuseums.

Bürgermeister Hermann Falk dankte Popp dafür, dass er mit Ausstellungen und Veröffentlichungen daran erinnere, dass die Produktion von Steingut 130 Jahre lang prägend für Hirschaus Identität war. Die beiden Fabriken hätten vielen Menschen Arbeit gegeben, ihre Produkte seien in viele Länder exportiert worden. Der Kosmos der Formen und Dekore sei unerschöpflich. Dieses Mal stehe mit Siegfried Möller ein namhafter Meister der Keramikzunft im Mittelpunkt, der von 1923 bis 1926 stilbildend in Hirschau gewirkt hat. Hochachtung zollte er dem von Popp herausgegebenen Band über Möllers Werk. In ihm sei die Vergangenheit für die Zukunft akribisch und detailliert erarbeitet.

Sensationeller Fund


Nach Popps Worten habe für ihn ein sensationeller Fund in einem lange unbewohnten Haus in Hirschau den Anstoß gegeben, die Ausstellung in Angriff zu nehmen. Dort seien Schätze zum Vorschein gekommen, die noch keiner gesehen hatte, beispielsweise ein Teeservice. Von dessen Dekor wisse man nicht, ob es in Serie gegangen ist. Der reliefierte Wandteller mit der Mantelteilung des Hl. Martin als Motiv stehe dafür, dass der ehemalige Elfenbeinschnitzer seine Fähigkeit eingesetzt habe, mit minimalen Höhenunterschieden eine maximale räumliche Wirkung zu erzielen. Die ebenfalls gefundene Fachzeitschrift lässt vermuten, dass der ehemalige Hauseigentümer in der Steingutfabrik in leitender Funktion tätig war.

Da Popp von der Existenz von Möller-Stücken bei Hirschauer Familien gewusst hatte und sich der Unterstützung durch Sammlerkollegen gewiss war, habe er sich die Ausstellung zugetraut. Ein Jahr lang haben Experten - unter anderem auch Volker Hornbostel und Irmgard Endres - kooperiert und sich mit Möllers Schaffen mit Schwerpunkt Hirschau beschäftigt. Drei Viertel der Exponate stammen aus seiner Hirschauer Zeit. Diese währte nur von 1923 bis 1926. Firmeninhaber Carstens habe ihn nach Hirschau geholt und mit Möllers Kunstwerkstatt signalisiert, dass es ihm nicht nur um Massenkeramik, sondern besonders um Kunstkeramik gegangen ist.

Die Bedeutung der Hirschauer Fabrik als Weltfirma, deren Produkte bis in die USA exportiert wurden, müsse laut Popp noch viel ernsthafter wahrgenommen werden. Seine Dankesworte an alle Unterstützer schloss Popp mit der Hoffnung, dass seine Vision eines Hirschauer Steingutmuseums mit Unterstützung der Stadt tatsächlich Realität wird.

FührungenDie Gäste der Vernissage nutzten - begleitet von niveauvollen Akkordeonklängen des Konzertmusikers Fred Munker - die Gelegenheit, die Exponate zu begutachten und sich darüber auszutauschen. Die Ausstellung, die vom Festspielverein betreut wird, ist bis 27. November jeden Sonntag von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Michael Popp und Pfarrer Klaus Haußmann bieten abwechselnd um 15.30 Uhr eine Führung an. Der Eintritt ist frei. (u)
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