Unternehmer Klaus Conrad feiert 80. Geburtstag
"Ich bin ein zufriedener Mensch"

Klaus Conrad feiert heute seinen 80. Geburtstag. Der Hirschauer Unternehmer ist noch immer täglich drei bis vier Stunden in seinem Büro. Bilder: Wolfgang Steinbacher (2)
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Hirschau
27.02.2016
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Klaus Conrad in jungen Jahren.
 
Den Bau der ersten betrieblichen Kindertagesstätte in der Region Amberg-Sulzbach hatten Klaus Conrad und sein Sohn Werner Conrad (Zweiter bzw. Dritter von links) zur "Chefsache" gemacht. Links der damalige Hirschauer Bürgermeister Hans Drexler. Archivbild: Huber

Geben war für ihn stets mindestens genauso wichtig wie Nehmen: Zu seinem 80. Geburtstag schüttet Unternehmer Klaus Conrad fünf Millionen Euro an seine Mitarbeiter aus. Der Jubilar öffnet seinen Geldbeutel aber nicht nur für seine rund 4000 Beschäftigten.

Klaus Conrad feiert am heutigen Samstag seinen 80. Geburtstag. Der Firmenchef von Europas größtem Elektronikversender und soziale Wohltäter lädt zur Gratulationscour auf die Burg Wernberg. Seine Handflächen dürften aber zuvor schon sehr strapaziert worden sein, denn tagsüber gratulieren die zahlreichen Vereine, in denen Conrad Mitglied ist. Unsere Zeitung sprach mit dem Erfolgsunternehmer in seinem Büro in der Hirschauer Firmenzentrale.

Herr Conrad, geht es an Ihrem Geburtstag nicht in den Urlaub?

Conrad: Erst danach fahre ich weg, zum Golfspielen. Es kommen so viele Gratulanten, da kann ich nicht einfach verschwinden, das wird sicherlich ein ziemlich stressiger und auch schöner Tag.

Kann es sein, dass auch Uli Hoeneß kommt, er steht ja vor dem Ende seiner Haftstrafe.

Ja, der Uli ist ja schon ein alter Freund. Er ist immer Ehrengast bei mir. Aber ich denke, dass er momentan noch verhindert sein wird.

Die Kooperation mit dem FC Bayern München gehört ja mit zu den Erfolgsgeschichten Ihres Unternehmens.

Ja, wir liefern durchschnittlich 3000 Pakete täglich für die Bayern aus. Wir beflocken die T-Shirts, wir bieten einen Rundumservice. Und wenn dann ein neuer Spieler kommt oder Champions-League ist, dann ist natürlich eine besonders große Nachfrage da.

Sie wirken ziemlich fit, wie machen Sie das?

Naja, ein paar Zippelchen habe ich schon. Es gibt den schönen Spruch: 80 zu werden ist schön, aber 80 zu sein, manchmal nicht so schön. Aber ich spiele drei- bis viermal in der Woche Golf, das hält gesund.

Ihr Handicap?

14,3. Aber ich war schon mal besser, bei 10 und 11.

Viele Golfer kommen ja vom Tennis, Sie auch?

Ich habe mal bei Petr Strobl in Amberg ein paar Stunden genommen. Der hat dann gemeint, ich solle es vielleicht doch lieber sein lassen (lacht).

Ihre sportliche Unterstützung in der Region ist ja enorm, Sie haben ein eigenes Sportzentrum für Mitarbeiter und die Conrad-Sportförderung.

Hirschau ist ja (im Vergleich zu Großstädten) nicht ein so attraktiver Ort, dass die Leute nur so herströmen, da muss man schon etwas bieten. Da muss man den Mitarbeitern wenigstens Sport bieten können. Wir haben mittlerweile über 800 Mitglieder.

Zur Attraktivität des Standortes gehört der eigene Kindergarten.

Ja, der ist mit 24 Kindern voll belegt, der Bedarf ist sogar noch höher. Wir haben hier einen Vertrag mit den Johannitern. Es ist ein Vorteil für die Firma und für die Mitarbeiter, die sich die Arbeitszeit besser einteilen können.

Zu Ihrem 75. Geburtstag haben Sie im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt: Das Wichtigste für einen Unternehmer sind engagierte, treue Mitarbeiter, ohne sie wäre kein Erfolg im Betrieb möglich.

Das stimmt natürlich. Ich habe in meinem Leben so viel Glück gehabt, dass ich etwas zurückgeben möchte. Deshalb habe ich mit den Gesellschaftern beschlossen, den Firmenangehörigen zu meinem Geburtstag fünf Millionen Euro auszuschütten.

Auch mit Ihrer "Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung" unterstützen Sie jede Menge Projekte.

Ich habe auf meinen Reisen soviel Elend auf der Welt gesehen, das hat mich wirklich erschüttert. Ich wollte vor allem nachhaltig helfen. Wir haben in den 15 Jahren mit unserer Stiftung über 2000 Projekte begleitet und mehr als sechs Millionen ausgegeben.

Welche Geschichte ist Ihnen besondern in Erinnerung geblieben?

Da wollte eine Frau in Frankfurt einmal 10 000 Euro für 100 Esel in Eritrea. Die Tiere sind dort ein Vermögen wert, weil sie die Familien unterstützen. Vor einem Golfturnier habe ich mir dann einen Esel von einem Zirkus geliehen und hingestellt mit der Bitte: Ich brauche 99 Freunde. In zehn Minuten waren die 10 000 Euro zusammen.

Sie sind auch sehr in der Flüchtlingshilfe engagiert.

Ja, wir sind dabei, ein Programm zu entwickeln, um die Leute in unsere Firma zu integrieren. Das große Problem ist, dass die Flüchtlinge erst mal Deutsch lernen müssen. Da hapert es enorm. Aber es geht so langsam voran. Ich halte die Hilfe jedenfalls für Christenpflicht. Leute, die in Not sind, muss man unterstützen. Wir wollen in Wernberg ein Heim für 54 Frauen mit ihren Kindern bauen.

In Sachsen gibt es große Probleme, den Flüchtlingen wird mit viel Hass begegnet. In der Oberpfalz scheint die Lage weit weniger angespannt zu sein.

Wir haben in Hirschau rund 50 Flüchtlinge, das läuft alles sehr vernünftig. Ich habe mit vielen gesprochen, zum Beispiel im Camp Pitman in Weiden. Die wollen arbeiten, denen geht es auf den Geist, nur dazusitzen. Die Verfahren müssten sehr beschleunigt werden.

Sie haben immer wieder großzügig gespendet. Gibt es ein aktuelles Projekt, das Sie unterstützen werden?

Das sind ja alles keine einmaligen Geschichten. Ich werde der Stadt Hirschau 1,5 Millionen Euro geben. Wir bauen den nächsten Trakt von Betreutem Wohnen mit zehn weiteren Einheiten. Die Miete hier darf nicht mehr als 4,50 Euro und 3 Euro Vorauszahlung für Nebenkosten betragen.

Sie sind ein Familienmensch. Wie wichtig ist es Ihnen, dass das Unternehmen in Ihrer Hand bleibt?

Angebote zum Kauf des Unternehmens bekommen wir ständig, wir sind auch im Ausland gut vernetzt. Aber wir sind seit 90 Jahren ein Familiebetrieb, und das soll auch so bleiben. Mein Sohn Werner macht das als Vorsitzender des Verwaltungsrates super. Alle meine fünf Kinder sind an der Firma beteiligt.

Sie feiern Ihren 80. Geburtstag auf der Burg Wernberg. War der Erwerb damals eine private Leidenschaft?

Eher eine Herausforderung. Ich habe am Anfang zum Bürgermeister gesagt: Abreißen, jede Mark ist hier zu viel. Meine Frau hat aber gesagt, das ist so schön, da kann man was machen. Dann haben wir sechs Jahre lang saniert. Die Burg läuft wirklich sehr gut. Wir hatten im vergangenen Jahr fast 100 Hochzeiten. Und mit Thomas Kellermann einen wirklich tollen Zwei-Sterne-Koch.

Mit dem Golfplatz in Oberwildenau haben Sie sich noch ein Denkmal geschaffen.

Bei meinen Reisen in den USA haben mir die Manager immer gesagt, die guten Geschäfte werden auf dem Golfplatz gemacht. In Schwanhof haben wir dann fünf Jahre lang dran gearbeitet. Und ich bin stolz darauf. Es ist alles schließlich nicht gerade zum Nachteil für die Oberpfalz.

Das Mäzenatentum funktioniert auch nur, wenn das Unternehmen gesund ist.

Wir haben eine tolle Entwicklung, und die ist auch noch nicht zu Ende. Wenn sie Stillstand haben, sind sie bald weg. Wir können nach der Erweiterung des Logistikzentrums jetzt bis zu 100 000 Pakete pro Tag verschicken. 1946/47 waren es 10 Packl am Tag. Das ist unglaublich. Wir sind jetzt bei einem Angebot von 700 000 Artikeln. Das Sortiment wird immer größer. Sicherlich wird es irgendwann zu eng, und dann wird wieder etwas gebaut werden.

Was wünschen Sie sich selbst zum 80. Geburtstag?

Ich hoffe, dass es dem Herrgott nicht so pressiert und ich noch ein paar Jahre mit meiner Familie verbringen kann. Ich bin eigentlich ein zufriedener Mensch.

Conrad ElectronicKlaus Conrad wurde am 27. Februar 1936 in Berlin geboren. Seit Februar 1945 lebt er in Hirschau. 1954 trat er in die Firma seines Vaters Werner ein, der im Februar 1976 verstarb. Klaus Conrad übernahm das Unternehmen, das damals mit 120 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 23 Millionen Mark erwirtschaftete. Anfang der 90er Jahre siedelte sich Conrad Electronic zusätzlich in Wernberg-Köblitz an.

Ende 2015 waren rund 4000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Deutschlandweit gibt es 25 Filialen, geliefert wird in 150 Länder. Bis zu 68 000 Pakete verlassen täglich das Logistikzentrum. Mehr als 700 000 Produkte stehen zur Auswahl. Seit 20 Jahren ist Sohn Werner Conrad in der Verantwortung, heute als Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Klaus Conrad arbeitet immer noch täglich drei bis vier Stunden in seinem Büro in Hirschau. Für seine Verdienste wurde er mit vielen Ehrungen bedacht, wie dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und dem Bayerischen Verdienstorden.

(we)
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