39. Rallye Wiesbaden beginnt
Auf Walter Röhrls Fährte

Da legt er sich ganz schön in die Kurve der Ford Lotus Cortina MKII. Das Team Axel Assmus und Björn Glattfeld aus Wiesbaden geht am Donnerstag mit diesem Fahrzeug (Baujahr 1968) in Eschenfelden an den Start. Bild: hfz
Freizeit
Hirschbach
26.04.2016
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Horst Linn (rechts) mit Rennfahrer-Legende Walter Röhrl. Bild: hfz
Hirschbach: Speedtreibhaus |

Dieses Rennen hat die Oberpfalz gewonnen: Die Organisatoren haben den Start der Rallye Wiesbaden vom benachbarten Nürnberger Land in den Kreis Amberg-Sulzbach verlegt. 40 Oldtimer-Piloten lassen am Donnerstag in Eschenfelden die Motoren aufheulen.

Eschenfelden. Fünf Jahre lang war der Startschuss des traditionsreichen Autorennens in Hersbruck gefallen. Jetzt ist der Veranstalter, der Wiesbadener Automobilclub (WAC), ins nahe gelegene Eschenfelden (Gemeinde Hirschbach) gewechselt. Der Verein zeichnet damit den Unternehmer und Rallye-Piloten Horst Linn aus, der in seinem Heimatort im Februar 2015 das Speedtreibhaus, ein Oldtimer-Museum, eröffnet hat.

Früher mit 250 Autos


Die Rallye Wiesbaden genießt bei Autofreunden deutschlandweit hohes Renommee. Sie greift seit den 1950er Jahren die alte Tradition der Sternfahrten auf, die vor dem Zweiten Weltkrieg organisiert wurden. Seit dem Prager Frühling besteht eine besondere Verbindung zu Tschechien. 1968 wurde der wesentliche Teil der Langstreckenprüfung in das Nachbarland verlegt. Unterstützt wurde der WAC damals durch den Automobilclub der Tschechoslowakei, in den Jahren 1969 bis 1971 durch den Automobilclub Klattau (Klatovy). In diesen Jahren gab es große Teilnehmerfelder mit mehr als 250 Fahrzeugen. 1971 siegte der damals noch unbekannte Walter Röhrl - beim vorerst letzten Wettbewerb. Erst 2011 wagten der WAC, der Automobilclub Klattau und Walter Röhrl einen Neubeginn. Als Startort wurde Hersbruck gewählt.

Nun ist Eschenfelden an der Reihe. Schon heute treffen die Fahrer ein, um einen geselligen Abend auf der Ossinger Hütte zu verbringen. Morgen gehen sie dann um 14 Uhr an den Start. Die Strecke führt über Krottensee, Niederärndt, Edelsfeld und Weißenberg nach Schönlind und von dort weiter nach Unter- und Oberschalkenbach, Großschönbrunn und Ehenfeld.

Ziel der ersten Tagesetappe ist Pilsen. Am Freitag, 29. April, geht es von Pilsen über Klattau nach Rötz (Kreis Cham) und am Samstag, 30. April, von Rötz über Bodenwöhr, Burglengenfeld und Berching Richtung Hessen. Der große Zieleinlauf soll am Samstag um 16 Uhr vor dem Wiesbadener Kurhaus erfolgen.

40 erfahrene Piloten werden sich ans Steuer setzen, die meisten von ihnen stammen aus Deutschland. Aber auch Fahrer aus Ungarn, Finnland und Großbritannien sind dabei. Sie steuern Autos, die eine Augenweide für Oldtimer-Freunde sind: einen Volvo PV 544 aus dem Jahr 1958 zum Beispiel, einen Mercedes Benz 250 SE Coupé, Baujahr 1965, oder einen Alfa Romeo Sprint GT (Baujahr 1966). Auch ein Datsun 240z Fairlady aus dem Jahr 1972 tritt bei der Rallye an.

Röhrl fehlt heuer


Mit der Startnummer 9 geht Unternehmer Horst Linn an den Start. Zusammen mit Copilot Gottfried Sommerauer aus Obertrum am See (Salzburger Land/Österreich) bildet er das Team Speedtreibhaus. Ihr Gefährt ist ein blauer Renault R8 Gordini aus dem Jahr 1969. Walter Röhrl fehlt heuer. "Wir hoffen, dass er im nächsten Jahr mit dem neu aufgebauten Siegerwagen von 1971, einem Ford Capri 2600 RS, dabei sein wird."

AufgabenstellungAn der Rallye Wiesbaden können alle Besitzer eines historischen Fahrzeugs bis Baujahr 1983 teilnehmen. Die Gesamtstrecke von Eschenfelden über Pilsen nach Wiesbaden beträgt rund 1100 Kilometer. Weil es sich um öffentliche Straßen handelt, gilt natürlich in Deutschland wie in Tschechien die Straßenverkehrsordnung.

Innerhalb der Strecke gibt es 23 sogenannte Sonderprüfungen, die mit einer vom Veranstalter festgelegten Zeit zu fahren sind. Dabei starten die Fahrzeuge hintereinander im Minutentakt. Der vorgegebenen Zeit liegt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde zugrunde. Am Ziel der Sonderprüfung muss der Teilnehmer die festgelegte Zeit möglichst exakt durchfahren. Dabei geht es oft um Hundertstel-Sekunden.

Jeder Teilnehmer erhält ein Bordbuch, in dem alle Einzelheiten der Streckenführung enthalten sind. Gefahren wird nach genauer Kilometrierung und sogenannten Chinesenzeichen. Diese enthalten genaue Angaben über Ortsein- und -ausgänge, Abzweigungen und hilfreiche Orientierungshilfen. Die meisten Teams haben als Hilfe einen Tripmaster dabei - einen Wegstreckenzähler, der auf zehn Meter genau die gefahrene Distanz anzeigt. Solche Tripmaster gibt es mittlerweile auch mit GPS-Technologie.
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Karin Herbst aus Hirschbach | 27.04.2016 | 18:14  
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