12 Zentimeter sind Gardemaß

Aus einem simplen Holzscheit fertigt Eberhard Schneider mit seinen Helfern die naturgetreu nachgemachten Figuren.
Lokales
Hirschbach
11.10.2014
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Bergleute spielten sowohl in Sachsen als auch im Sulzbacher Land in früheren Zeiten eine große Rolle. Eberhard Schneider pflegt die Erinnerung an sie auf besondere Weise. Er hat sie sozusagen "greifbar" gemacht.

Mehr als 50 Jahre sind vergangen, seit Eberhard Schneider aus dem Erzgebirge ins Hirschbachtal übersiedelte. Aus Sachsen nahm er die über Jahrhunderte hinweg gepflegte Volkskunst des Holzschnitzens mit. Praktiziert hat er sie allerdings erst im Ruhestand. Vorher setzte er sich mit dieser diffizilen Handarbeit nur "geistig" auseinander.

"Fans" sind willkommen

Besonders in der Vorweihnachtszeit ist er sehr aktiv. Seine Schwibbögen sind weit über das Hirschbachtal hinaus bekannt und beliebt. Aber sie sind nicht das einzige Produkt aus seinen geschickten Händen. Haus und Werkstatt sind längst zu einem "Museum" geworden. Auf Nachfrage öffnet Eberhard Schneider gern die Tür für "Fans" von Schnitzarbeiten und Schaulustige. Er spielt auch mit dem Gedanken, seine Arbeiten öffentlich zu zeigen. Nach einer passenden Örtlichkeit sucht er noch.

Als geborener Schneeberger ist Schneider von klein nicht nur mit der sächsischen Holzschnitzkunst verbunden, sondern auch mit den Bergleuten, ihren Sitten und Bräuchen. Die Grubenparade war immer für Groß und Klein ein besonderes Fest. Eberhard Schneider ließ seine Erinnerungen daran jetzt in Miniaturform greifbar werden.

Kumpels und Steiger

Bis heute wuchs der Zug auf 38 Grubenfahrer an. Von dem einfachen Kumpels bis zu den höchsten Führungskräften fehlt niemand. Alle tragen die ihnen zustehenden festlichen Uniformen. Eines haben sie gemeinsam: Jeder Bergmann ist 12 Zentimeter groß, ohne Kopfbedeckung.

Bei den arbeitsintensiven Fertigungsabschnitten greift Eberhard Schneider auch auf Helfer zurück. Das ist einmal Erwin Appel in Heuchling, ein gebürtiger Unterklausener, der mit seinen Drechselautomaten die Rohlinge aus Apfelbaum-Holz fertigt. Schneider übernimmt sie und verpasst ihnen den Feinschliff. Da werden die Figuren zu Männlein gedrechselt mit Kopf, Körper, Armen und Füßen. Entsprechendes Beiwerk wie Fahnen, Standarten, Musikinstrumente und anderes mehr kommt dazu. Die Bergmannskapelle führt dann den Zug an.

Einen künstlerischen Part füllt Schwiegertochter Claudia aus, die in Vorra im Pegnitztal zu Hause ist. Sie kleidet die Parademänner nach Vorgabe original farblich ein und lässt ihnen den verdienten Glanz angedeihen. Ein freundliches Gesicht ist dabei besonders wichtig. Auf ziemlich genau 988 mal "Punkt-Punkt-Komma-Strich" hat es Claudia bei diesem Großprojekt gebracht.

Zu Weihnachten wird allerdings die St.-Wolfgangskirche in Hirschbach mit adventlichen und weihnachtlichen Schnitzereien geschmückt. Die Kirche in seiner alten Heimat Schneeberg ist übrigens auch dem Heiligen Wolfgang geweiht.
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