Abwechslungsreich und lang ist der Weg durchs versteinerte Jurameer
Affe, owe, hintre, eine und wieda assa

Die Cäciliengrotte ist eine Höhlenruine mit einer beeindruckenden Halle von mehr als zehn Metern Breite am Eingang. Über eine Felsstufe gelangt man in den hinteren Höhlenraum. Der Blick in die Kronen der Laubbäume vom Höhlengrund aus ist fantastisch. Bilder: Günter Moser
Vermischtes
Hirschbach
27.05.2016
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Die Jahreszahl 1630 in einem Deckenbalken bezeugt das hohe Alter dieses stattlichen Fachwerkhauses. Von einst sieben Wirtshäusern in Hirschbach ist nur noch der Goldene Hirsch übrig geblieben. Unter der mächtigen Linde kann man es sich nach der Tour gut gehen lassen.
 
Die Wanderung führt über weite Strecken durch herrliche Mischwälder. Das erste Grün der Buchen und die Schattenrisse der Stämme zeigen an nebligen Tagen ein romantisches Bild.

Der Höhlenwanderweg bei Hirschbach hat es bis ins offizielle Urlaubsmagazin "Bayern - Traditionell anders" geschafft. Grund genug, die Wanderstiefel zu schnüren, um sich "auf die Socken zu machen" in den westlichsten Teil des Landkreises Amberg-Sulzbach.

Es war eine Wiederentdeckung. Vor mehr als vier Jahrzehnten sind wir dort mit zwiegenähten, klobigen Bergstiefeln, Bundhosen aus Walliser Loden, angeseilt mit Bulinknoten und dem Fiffi als Trittleiter dabei, am Prellstein hinaufgeklettert. Daran haben wir uns erinnert, als wir am Vatertag an diesem Felsen einer Ausbildung der Bergwacht zuschauten. Es war kalt, windig und ab und zu fegten Graupelschauer übers Land. Hier die Seilkommandos, als Kontrast dazu aus dem Tal die verwehten Töne der Blasmusik des Posaunenchores, der vor dem Gasthof "Zum goldenen Hirschen" aufgespielt hat. Dem Tubabläser hat's da sicher ab und zu in sein Instrument hinein gegraupelt.

Stimmungsbilder


Zur Klärung: Dieser Bericht ist keine Wanderseite wie sonst und auch keine Wegbeschreibung. Die gibt es ganz vortrefflich in dem Flyer "Höhlenwanderungen", herausgegeben vom Tourismusreferat des Landkreises Amberg-Sulzbach. Die Bergwacht Nürnberg hat im Internet ebenfalls eine detaillierte Streckenbeschreibung. Es sind vielmehr Stimmungsbilder von mittlerweile fünf Ausflügen ins Hirschbachtal, garniert mit Hinweisen zum Weg.

Zitat aus der Bergwachtbeschreibung: Streckenlänge 20 Kilometer, Gehzeit sieben Stunden, Markierung Nr. 3 nur im Uhrzeigersinn, gute Wanderausrüstung erforderlich, teilweise starke Steigungen, 30 Naturhöhlen, davon sieben nur mit Taschenlampe befahrbar. Und im Flyer vom Landratsamt heißt es: Der Höhlenrundweg ist eine anspruchsvolle Wanderung. Dass hier ganz und gar nicht übertrieben wurde, haben wir am 18. April erfahren können. Da sind wir die ganze Strecke abgewandert, um mitreden zu können. Es war ein Montag, alle Wirtshäuser zu, dürftige Rucksackverpflegung dabei, der Hunger hat uns vorwärts getrieben, zum Ende hin recht langsam. Noch ein Hinweis: Wenn's ein paar Tage geregnet hat, sind manche Wege im Laub rutschig, Trekkingstöcke oder ein kräftiger Haselnussstecken als Wanderstock sind da sehr hilfreich.

Möglichst viele Höhlen


Einige Anmerkungen zur Strecke: Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass die Wegeführung ganz schön in der Gegend herumspringt. So hat man manchmal das Gefühl, im Kreis zu gehen. Geschuldet ist dies offenbar dem Umstand, dass die Schöpfer des Weges mit möglichst vielen Höhlen auftrumpfen wollten, ja keine auslassen. Karl Vinzenz war 1975 der Erkunder und Initiator dieses Weges, Vorstand des Motorsportclubs Hirschbach, aber auch begeisterter Wanderer.

Die Markierung ist gut, nur an wenigen Stellen wünschten wir uns mehr. Meist stehen "in natura" die Nummern der Höhlen an den Felsen, so dass man an Hand des Flyers jederzeit erkennen kann, wo man sich gerade befindet. Bei einer Rast sinnierten wir schon vorab wegen der Artikelüberschrift. Ein Vorschlag war: "Affe, owe, hintre, eine, wieda assa". Trifft zwar auf mache Höhlen gut zu, ist aber oberpfälzisch und nicht für jedermann verständlich.

Pauline Regler, die Vorsitzende des örtlichen Verkehrsvereins, haben wir zum Tourismus und zu den Klettersteigen befragt. Sie erzählte, dass mit der Errichtung des Norissteigs 1928 durch die DAV-Sektion Noris der erste große Run einsetzte. Die Nürnberger kamen damals in Scharen, um diesen Wander- und Klettersteig zu begehen. Die "Alpine Gesellschaft Höhenglück" setzte in den Jahren 1932 bis 1937 noch eins drauf und bohrte den nach ihr benannten Steig in die Felswände, der wesentlich schwieriger zu begehen ist.

Angesprochen auf die tödlichen Unfälle meinte sie: "Unfälle mit Kletterern gibt es selten. Meist sind es Klettersteiggeher, welche die Schwierigkeiten unterschätzen oder sich ungesichert hinauf wagen." Natürlich tragen so spektakuläre Unfälle wie der Absturz der Kletterlegende Kurt Albert im Jahre 2010 dazu bei, dass die Begeher des Steigs sich der Gefährlichkeit bewusster geworden sind. Der normale Wanderer, der auf dem Höhlenrundweg unterwegs ist, sieht immer wieder die Klettersteige und kann sich gruseln oder denken: "Mensch, da möchte ich auch mal durchsteigen". Möglich wäre dies mit einem Kurs der örtlichen Bergschule.

1932 ist der erste Führer für den Norissteig erschienen. In der damals blumigen Sprache heißt es zum Noris-Törle: "Am Törle finden wir mehrere Gruppen Touristen. Es wird gefrühstückt, musiziert, fotografiert, erzählt und gelacht. Wo man hinschaut frohes Leben und vom Wandern rosig angebräunte, lebensfrohe Gesichter". Und bei der Mittelbergwand merkt er an: "Wir öffnen unseren Rucksack, um einen kleinen Imbiss zu nehmen, oder rauchen ein Pfeiflein Tabak, strecken unsere Glieder und mit Befriedigung nehmen wir Rückblick über die schöne zurückgelegte Wanderpartie."

Seltene Pflanzen


Wie schon erwähnt, wir waren von Mitte April bis Mitte Mai mehrmals auf dem Höhlenrundweg unterwegs. Zugegeben, die letzten Male nur Teilstücke, da ging es mehr ums Fotografieren, um Naturstimmungen zu erleben und zu sehen, welche Blumen im Verlauf von wenigen Wochen in den Buchenwäldern zu finden sind.

Es muss ja nicht gleich der Frauenschuh sein, der jetzt zu finden ist. Vorher sehens- und findenswert sind: der Wald-Sauerklee mit seiner rötlich-violetten Aderung, Buschwindröschen, Osterglocken, Schlüsselblumen, Frühlingsplatterbse und nun Akelei, Waldhyazinte, Salomonsiegel, verschiedene Orchideen wie zum Beispiel Fliegenragwurz, Brandknabenkraut, Rotes und Weißes Waldvögelein und Vogel-Nestwurz.

Hinweise zum HöhlenwanderwegAnfahrt: Von Weiden aus über Mantel, Freihung, Vilseck, Edelsfeld, Hirschbach (54 Kilometer. Von Amberg aus über die B 85 nach Edelsfeld, links nach Hirschbach, (35 Kilometer).
Interessant: Bei Oberklausen sind noch Betonfundamente an einem steilen Hang neben der Straße zu erkennen. Sie stammen von einem Teilmodell des geplanten Deutschen Stadions, das in den Jahren 1937 bis 1939 hier nach den Plänen von Albert Speer errichtet wurde. In Nürnberg sollte das größte Stadion der Welt mit 420.000 Sitzplätzen entstehen. Bei Kriegsbeginn wurden die Bauarbeiten eingestellt.
Empfehlenswert ist in Hirschbach ein Abstecher zum vorbildlich renovierten ehemaligen Hammerherrenhaus, das einst ein Wasserschloss war. Eine Infotafel erzählt von der wechselvollen Geschichte des Hammergutes, das 1387 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Karte: Die Wanderwege um Hirschbach sind zahlreich, kreuzen sich oder führen ein Stück Weg gemeinsam. Mit einer Wanderkarte im Maßstab 1:50 000 ist man da aufgeschmissen. Empfehlenswert die Fritsch-Karte 1:35 000.

Einkehr: In Neutras: "Gasthaus zum Neutrasfelsen" und "Res'n Bauernhof". In Hirschbach: Gasthof "Goldener Hirsch"
Flyer beim Landkreis Amberg-Sulzbach, Schlossgraben 2, 92224 Amberg, Mail: tourist@amberg-sulzbach.de
Geführte Touren: Infos und Buchung unter "Die Naturführerin", Daniela Reisch, 92275 Hirschbach, Telefon 09152/279 36 23, Mobil 0170/585 69 39, E-Mail: info@dienaturfuehrerin.de,
Der Höhlenrundwanderweg ist eine anspruchsvolle Wanderung, die häufig über felsiges Gelände führt und einige An- und Abstiege aufweist. Für die Wanderung sind mindestens 7 Stunden Gehzeit einzuplanen. Die Wandertour ist mit einer weißen 3 auf grünem Grund markiert und muss im Uhrzeigersinn gewandert werden. Achten Sie auf passendes Schuhwerk. Turnschuhe sind für diese Tour nicht geeignet. Die Höhlen sind ein sensibles Ökosystem. Hinterlassen Sie keinen Abfall. Beachten Sie den Fledermausschutz und gehen Sie vom 1. Oktober bis 31. März in keine Höhle. Es gibt zahlreiche streng geschützte Pflanzenarten im Hirschbachtal. Pflücken Sie keine Blumen oder Farne. Gehen oder kriechen Sie niemals alleine in eine Höhle. Taschenlampe nicht vergessen.
Notruf Bergwacht: 112
Weitere Informationen auf der Internetseite des Amberg-Sulzbacher Lands.
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