Evangelischen Frauenkreis in Eschenfelden spürt alten Dialektausdrücken nach
„Kafferneidl“ hat ausgedient

Hannelore Stielper (links) und Karin Rümpelein sammelten gemeinsam mit dem Frauenkreis Dialektwörter aus dem Eschenfeldener Bereich. Bild: wku
Vermischtes
Hirschbach
16.04.2016
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Tiere und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, stehen auf einer Roten Liste. Eine solche ließe sich leicht auch für Dialektwörter anlegen. Oft kennen nur noch ältere Leute den Unterschied zwischen Tiegel und Hofer oder wissen, was sie im Keiterl finden.

Eschenfelden. "Su homs gred in unserer Gmoi" lautete das Thema eines Abends beim Evangelischen Frauenkreis in Eschenfelden. Vorsitzende Lina Seitz begrüßte dazu Hannelore Stielper aus Mittelreinbach, die sich schon seit vielen Jahren mit dem Dialekt im Sulzbacher Land beschäftigt und in Mundart dichtet. Unterstützung bekam sie von Karin Rümpelein. Beide gingen auf die Suche nach Dialektwörtern.

Die anwesenden Frauen trugen viel aus ihrem reichen Erfahrungsschatz bei. Viele fast vergessene Wörter kamen zum Vorschein. So kam früher in den alltäglichen Gesprächen das Wort "Topf" nicht vor. In seiner flachen Form wurde er "Tiegel" genannt; ein hoher Topf war ein "Hofer".

Kaum jemand weiß noch, dass ein "Kafferneidl" ein Bretterverschlag in der Dachschräge war, der Platz zum Abstellen von Sachen bot. Auch ein "Keiterl" gibt es heutzutage nicht mehr. Dies war ein in die Wand eingebautes Holzschränkchen, in dem meist eine Schnapsflasche stand.

Den Begriff "Bachert" löste die neue Bezeichnung "Inlett" ab. Viele französische Ausdrücke ließen die Oberpfälzer in ihrer Sprache, einfließen, zum Beispiel den Gendarm, das Kanapee, den Vertiko - ein Zierschrank - oder das Botschamberl. Sie alle sind vom Aussterben bedroht und werden nur noch von der älteren Bevölkerung gebraucht.

Hannelore Stielper berichtete von vielen Bräuchen, die es früher gab. Bei Hochzeiten erhielt die Braut von ihren Paten zwei Paradekissen zur Zierde fürs Ehebett, in die in allen vier Ecken ein Fünfmarkstück eingenäht war. Der Bräutigam bekam von seinem Paten einen Regulator, eine Hängeuhr. Eine hölzerne Kammschachtel in der guten Stube und ein Ziegelstein als Wärmflasche gehören ebenfalls der Vergangenheit an.

Auf jeden Fall schwelgten die Frauen in nostalgischen Erinnerungen und berichteten begeistert aus vergangenen Zeiten. Passend zum Abend servierte das Frauenkreisteam bayerische Spezialitäten. Aufs Brot gab's Schmalz, Backsteinkäs und Hirnwurst, dazu Presssack sowie Radieschen mit Schnittlauch.
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