Zutritt zur Schwimmhalle in Apolda verweigert
"Das ist diskriminierend"

Der seit wenigen Tagen 19 Jahre alte Matthias schwimmt nach Angaben seiner Mutter Vladka Luber für sein Leben gerne. Umso empörter ist die Frau aus der Gemeinde Hirschbach, dass ihr und ihrem behinderten Sohn im thüringischen Apolda der Zutritt zur Schwimmhalle verweigert wurde - weil es keine spezielle Umkleidekabine für Behinderte gibt. Bild: privat
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Hirschbach
05.02.2016
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Vladka Luber ist immer noch stinksauer. Der Frau aus Hirschbach und ihrem Sohn wurde der Zutritt zur Schwimmhalle in Apolda verweigert. Die Begründung: Matthias (19) ist behindert. "Das ist diskriminierend", schimpft die Mutter.

Aus ihrer Empörung macht Vladka Luber kein Hehl. Schon zum zweiten Mal sei sie in die Schwimmhalle im thüringischen Apolda nicht eingelassen worden. "Das ist uns sonst noch nirgends passiert, wirklich noch nirgends", erzählt die in der Gemeinde Hirschbach lebende Frau. Ihr Sohn Matthias ist gerade 19 Jahre alt geworden. Er schwimmt für sein Leben gern. Deshalb wollte sie im September nach einem Besuch im Schlaflabor einer Klinik in Apolda mit ihrem Sohn noch die Schwimmhalle aufsuchen. Wegen seiner Behinderung kann sich Matthias nicht selbstständig aus- und ankleiden, braucht dabei genauso die Hilfe seiner Mutter wie beim Duschen. Da die Schwimmhalle in Apolda über keine Behindertenkabinen verfügt, lehnte laut Vladka Luber das Kassenpersonal den Badbesuch ab.

Viele bieten Hilfe an


Für die Mutter wäre eine fehlende Behindertenkabine kein Problem gewesen, hätte sie ihren Sohn eben mit in die Frauenumkleide genommen. "Ich war wirklich schockiert", erzählt die Hirschbacherin über den geplatzten Badbesuch im September. "Jede Frau ist doch auch Mutter", argumentiert sie. Auf Ablehnung seien sie und ihr Sohn noch nie gestoßen. Im Gegenteil: "Viele Frauen bieten uns ihre Hilfe an." Vladka Luber wollte die Abweisung in der Schwimmhalle in Apolda nicht auf sich sitzen lassen. Statt ins Bad ging sie ins Rathaus, um sich beim Bürgermeister zu beschweren. "Ihm hat es wahnsinnig leid getan", erzählt sie. "Und er hat hoch und heilig versprochen, dass das nicht mehr passieren wird."

In der letzten Januar-Woche musste die Frau mit Matthias wieder ins Schlaflabor. Erneut wollten Mutter und Sohn danach zum Schwimmen. Wieder wurden sie abgewiesen. Vladka Lubers Empörung ist noch größer geworden. Zumal sie bei ihrer Internet-Recherche auf ein Angebot in der Schwimmhalle Apolda stieß: Behinderten-Schwimmen. Mit Matthias sucht die Frau auch Bäder in der Region auf, die Freibäder in Hirschbach, Königstein und Vilseck sowie die Hallenbäder in Auerbach, Amberg und Hersbruck. "Noch nie hatten wir Probleme", sagt sie. Am besten sei das Kurfürstenbad in Amberg ausgestattet. "Die Duschen dort sind super", lobt die Frau.

Es geht nicht nur um Matthias, es geht ums Prinzip.Vladka Luber

Vladka Luber ließ auch die zweite Abfuhr in Apolda nicht auf sich sitzen. Sie setzte sich wieder mit dem Bürgermeister in Verbindung, sprach auch mit der Chefin der Schwimmhalle. Sie erfuhr, dass im Sommer ein Umbau erfolgen soll, dabei soll eine separate Kabine eingebaut werden. Die Hirschbacherin bekam einen Anruf von der dortigen Gleichstellungsbeauftragten. "Sie will sich darum kümmern", gibt Matthias' Mutter den Tenor des Gesprächs wider.

Immer noch sehr wütend


Die Frau hofft, dass ihr Anliegen nicht wieder unter den Teppich gekehrt werde. "Es geht nicht nur Matthias, es geht ums Prinzip", verdeutlicht sie. "Denn da läuft gewaltig was schief." Wütend ist sie immer noch: "Das war diskriminierend."



Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1176178

Wie behindertenfreundlich sind die Bäder?Einer Mutter und ihrem behinderten Sohn (18), der sich nicht alleine an- und ausziehen kann, wird der Zutritt zu einer Schwimmhalle in Thüringen verwehrt, mit der Begründung, es gebe keine separate Umkleidekabine für Behinderte. Wie handhaben das die Bäder in der Region beziehungsweise wie behindertenfreundlich sind sie?

KA2 Kümmersbruck

Über separate Kabine und Dusche, die behinderten- und rollstuhlgerecht sind, verfügt das Aktivbad KA2 in Kümmersbruck. Dies teilt Sarah Heuberger von der Gemeindeverwaltung mit. Die Kabine sei groß genug, dass ein Behinderter mit Hilfe seiner Begleitperson oder auch ein Rollstuhlfahrer sich dort umziehen könne.

Hallenbad Hahnbach

Größere Kabinen, also Familienumkleiden, können im Hahnbacher Bad auch Behinderte nutzen, erklärt Bauamtsleiter Christian Gräßmann. Der Zugang zum Bad sei momentan noch problematisch für Rollstuhlfahrer. Doch geplant ist, eine Rampe zu errichten, um die Barrierefreiheit zu gewährleisten. Da die Wasserwacht die Aufsicht übernimmt, ist es aber auch jetzt schon kein Problem, wenn ein Behinderter ins Bad möchte. "Da finden wir einen Weg, dass er reinkommt", sichert Gräßmann Hilfe für Betroffene zu.

Kufü Amberg

Toilette und Umkleide, von der es direkt in den Badbereich geht, hat das Kurfürstenbad. "Wir fragen auch immer bei Behinderten nach, was ihnen das Leben erleichtert", sagt Karoline Gajek-Scheuck, Pressesprecherin der Stadtwerke, die das Kufü betreiben. Bei allen Sanierungen in den vergangenen Jahren wurde immer wieder etwas verbessert, wurden Anregungen von Menschen mit Behinderung umgesetzt. "Als Nicht-Behinderter sieht man das ja mit ganz anderen Augen."

Das Bad hat nicht nur einen Aufzug, damit die Betroffenen auch in die Sauna gelangen können, sie können sogar mit dem Rollstuhl ins Wasser. Der könne direkt am Treppengeländer hinabgelassen werden, erklärt Gajeck-Scheuck. (san)
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