Fischzug in Hohenburg
Immer den rechten Fuß am Bordstein

Die Statuten des Zylinderzugs sind ganz genau festgehalten.
Kultur
Hohenburg
11.02.2016
253
0

Statt eines "Prost" rufen sich die Trinker ein "Also" zu. Und auf dem Weg zum Bier muss der rechte Fuß immer auf dem Bordstein sein. So sind die Regeln beim Fischzug in Hohenburg.

"Freibier unser, das du bist im Kruge, gesegnet sei der Wirt, der es gibt": Am Aschermittwoch beten die Hohenburger etwas anders als sonst. Zumindest diejenigen, die sich dem Fischzug anschließen. Mit dem dem Vaterunser entlehnten Spruch schwor Zeremonienmeister Klaus Schindler die Zylinderköpfe im Gasthaus Reiser auf strenge Regeln ein. Genau aufgelistet sind sie auf einer Pergamentrolle, aus der Schindler vorlas.

Hintergrund des seltsamen Treibens ist ein alter Heischebrauch: Einst wurde im Frühjahr eingekehrt und das alte Bier getrunken, um im Keller Platz für neu Gebrautes zu schaffen. Der Hohenburger Zug stand unter der Leitung von Markus Mitschke, dem Vorsitzenden der Hohenburger Blaskapelle, der rund ein Dutzend Mann um sich scharte.

Mit dabei hatten sie ihre Holztrage mit dem Schwarzbrot und den Fischen (Salzheringe), der Verpflegung der Zylinderköpfe. Die waren heuer zum 23. Mal unterwegs. Die Zahl der Wirtshäuser, die sie besuchen, hat inzwischen stark abgenommen, es sind nur noch fünf bis sechs Stationen. Selbstverständlich mit dabei war Bürgermeister Florian Junkes. Dieses besondere Oberpfälzer Brauchtum kennenlernen wollte aber auch der stellvertretende Kommandeur der US-Pateneinheit in Hohenfels, Kevin Runkle. So ging's immer links herum, am Anfang und Ende von einem Laternenträger beschützt, mit bierernster Miene, ganz in Schwarz gekleidet und mit Zylinder auf dem Kopf in Richtung Hammermühle. Dabei wurde streng darauf geachtet, dass man beim Gehen den rechten Fuß immer auf den Bordstein setzte. In der Hammermühle gab's flüssige Nahrung, spendiert von der Wirtin.

Zu Beginn der Zugs und am Ende der Gaudi wurde jeder Teilnehmer gewogen - das soll schon mancher Waage zugesetzt haben. Ein Protokollführer schreibt alle Verfehlungen auf und bittet Sünder je nach Schwere der Schuld zur Kasse. Dem Vernehmen nach spendiert jeder Wirt einem Teilnehmer eine Maß. Dazu gibt's Brot und Fisch, damit die Trage am Ende auch leer wird. Harte Arbeit für die Teilnehmer, von denen sich deshalb die meisten für den nächsten Tag freigenommen hatten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.