Hitze als tödliche Falle

Kopfüber an einer Dachlatte hängen klappt für den Nachwuchs von Fledermäusen immer sofort sehr gut, aber wenn sie vor der großen Hitze unter dem Dach fliehen müssen, kommt es bei den Jungtieren oft zu lebensgefährlichen Abstürzen. Nur gut, dass im Hohenburger Fledermaushaus die unteren Etagen kühler sind. Bild: Leitl
Lokales
Hohenburg
17.07.2015
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Andernorts lässt die Hitze die Fledermäuse vom Himmel fallen, wie der Landesbund für Vogelschutz in einer Presseinfo warnt. Im Hohenburger Fledermaushaus kann das nicht passieren, sagt Gebietsbetreuer Rudolf Leitl. Hier hat man eine Etagen-Lösung.

Die hochsommerlichen Temperaturen bedeuten laut LBV eine Leidenszeit für viele Fledermäuse, weil sie oft in "tödliche Hitzefallen" geraten, wenn sie in Gebäuden ihr Quartier haben. Der Nachwuchs versucht dann oft verzweifelt, der unerträglichen Hitze in seiner Behausung zu entkommen, sucht kühlere Bereiche - und fällt dabei häufig aus dem Quartier.

Eine andere Möglichkeit, die nicht nur Jubelschreie auslösen dürfte: "Gelegentlich tauchen die Fledermäuse dann auch in darunter liegenden Wohnungen auf, wenn irgendwo kleine Spalten einen Durchschlupf ermöglichen", sagt Leitl.

Im Wald kein Problem

Als die Fledermäuse noch in natürlichen Höhlenbäumen im Wald ihre Quartiere fanden, hatten sie solche Probleme nicht. Dort können solche Hitzefallen kaum entstehen, die Tiere haben genügend Möglichkeiten, rechtzeitig an schattigere Stellen auszuweichen. Doch alte Bäume als wichtigster Lebensraum werden den Fledermäusen zunehmend genommen, weshalb sich zahlreiche Arten wie Zwerg- oder Bartfledermaus inzwischen vermehrt an und in Gebäuden ansiedeln. "Dort finden sie viel leichter Spalten und Hohlräume, in denen sie ihre Jungen aufziehen können", erklärt LBV-Fledermausexperte Rudolf Leitl.

Fledermäuse bevorzugen dabei relativ warme und zugluftfreie Quartiere. Im kühlen Frühjahr 2015 haben sie darum oft Verstecke gewählt, die sich schnell erwärmen. Genau das ist jetzt das Problem: "Bei sehr heißen Sommertagen entstehen unter schwarzen Dachziegeln, dunklem Kupferblech oder auch hinter dunklen Brettern bei starker Sonneneinstrahlung Temperaturen über 40 Grad, oft sogar über 60 Grad", sagt Leitl. Die Suche nach Abkühlung führt dann oft zum Absturz.

Außer im Fledermaushaus. Es wurde von Anfang an auf die Bedürfnisse der dort lebenden Großen Hufeisennasen zugeschnitten und verfügt über fünf Etagen, die nach unten kühler werden. "Ganz oben über 40 Grad, ganz unten 12", sagt Rudolf Leitl. "Da kann man schön sehen, wie die Tiere nach unten flüchten." Bloß nicht mehr mit der Webcam, die nur aus der heißen Wochenstube unterm Dach sendet.
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