Hohenburg lässt Winde flüstern

Ein Kunstwerk mit vielen Ebenen haben Hanna Regina Uber und Robert Diem mit der Hohenburger Kunstwanderstation geschaffen: Vordergründig thematisiert es die Fledermaus als ein Wunderwerk der Natur. Wer tiefer eintaucht, erlebt aber auch, wie der Wind die Carbon-Skulptur schwingen lässt, sieht Reflexionen auf der außergewöhnlichen Oberfläche und hört den feinen Klang der Metallstäbe. Bild: Hartl
Lokales
Hohenburg
15.04.2015
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Der Wind lässt die Flügel sogar ein bisschen flattern. Und wer die Ohren spitzt, der kann sie auch hören - feine Klangstäbe geben der Fledermaus-Skulptur des Künstler-Paares Hanna Regina Uber und Robert Diem noch eine zusätzliche, Dimension. Und den Namen: "Flüsternde Winde".

Momentan flüstern die drei Flügel noch draußen vor der Werkstatt von Hanna Regina Uber und Robert Diem in Aschach. Nur eine Zwischenstation, schließlich gehört das Fledermaus-Kunstwerk nach Hohenburg, der Heimat der inzwischen berühmten großen Hufeisennase - einer seltenen Fledermausart, um die sich die Lauterachtal-Gemeinde besonders kümmert. Deshalb wollte sie diese außergewöhnlichen Tiere auch in ihrem Beitrag zum Kunstwanderweg Hirschwald verewigt sehen.

Ehrfurcht vor der Natur

Uber-Diem haben das getan - auf zwei verschiedenen Ebenen. Vordergründig beschäftigt sich ihr Kunstwerk mit der Fledermaus, dargestellt durch drei unterschiedlich große Flügel, die verschiedene Entwicklungsstadien der kleinen Flugkünstler symbolisieren. Die phänomenale Ultraschall-Ortung dieser Tiere greift der Klangkasten auf, der die Flügel mit dem Sockel der Kunstwander-Station verbindet. Für Uber bereichert dies aber "einfach auch die Aufenthaltsqualität": Der Kunstwanderer könne hier nicht nur etwas sehen, sondern auch hören. Eben die "flüsternden Winde", mit denen ihm "die Natur etwas ins Ohr haucht".

Und dann ist da noch der Aspekt der Bionik - die Übertragung von Phänomenen aus der Natur auf die Technik. Dieser "Erkenntnisgewinn der Wissenschaft" hat Uber bei ihrer Arbeit an diesem Werk besonders fasziniert: "Der Mensch hat aus der Natur so viel gelernt. Man kann eigentlich nur in Ehrfurcht davor erstarren, wie die Natur in Jahrmillionen ihre Systeme perfektioniert hat." Um das zu thematisieren, hat das Künstler-Paar diesmal Carbon als Werkstoff gewählt. Das Material verfüge gleichzeitig über "Stabilität und Leichtigkeit". Und es passt, wie Uber sagt, damit perfekt zum Thema, aber auch "gut in unsere Zeit": "Für mich hat das so was Heutiges."

Die Verbindung zum Flügel lag nahe: Schließlich werde Carbon im Flugzeugbau verwendet. Für Uber-Diem war es das erste Mal, dass sie mit diesem Stoff im öffentlichen Raum gearbeitet haben. Stoff darf man hier praktisch wörtlich nehmen, denn die Künstler haben das Carbon aufgerollt wie eine Textilbahn vorliegen, beziehen damit eine vorgefertigte Form, die später wieder entfernt wird, und härten diese äußere Schicht, indem sie sie mit einem speziellen Kunststoff einlassen.

Spannendes Material

"Wenn man weiß, wie's geht, kann man sehr viel machen damit", schwärmt Uber - "aber man kann auch sehr viele Fehler machen": "Das Material schmiegt sich unheimlich schön an und wird dann aber sehr hart." Nur modellieren lasse es sich nicht. Deshalb müsse man in diesem Fall eine Skulptur speziell für das Material entwickeln. Sonst sei der Weg eher umgekehrt. Auch Uber-Diem mussten allerhand tüfteln. Zunächst hatten sie geplant, den Rahmen der Flügel, der für deren Befestigung nötig ist, zu schweißen. Das Resultat gefiel den beiden aber nicht: Zu grob - weshalb sich das Paar für eine filigrane Edelstahl-Konstruktion entschied. Die mussten die Künstler extrem detailliert am Computer entwerfen, um sie dann von einer Spezialfirma mit einem Laser ausschneiden zu lassen.

Sehr schön findet es Uber, dass der Standort der "Flüsternden Winde" verlegt wurde. Ursprünglich wäre er direkt an einer Straße gewesen. Doch jetzt soll die Skulptur hinter das Hohenburger Rathaus kommen, wo ein neuer Steg errichtet worden ist. Damit liege das Kunstwerk dann fast direkt am Hirschwald-Wanderweg, wo es dann auch wirklich zum Verweilen einlade.
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