Hohenburger halten Gelübde

Mit Silber ist er inzwischen nicht mehr geschmückt, der Hohenburger Sebastian. Aber bis heute halten die Marktbewohner das Gelübde von 1771 - und tragen einmal im Jahr eine Figur des Heiligen durch den Ort, als Dank dafür, dass er sie von schwerem Leid erlöst hat. Bild: bö
Lokales
Hohenburg
27.01.2015
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Manchmal war der Wastl schon "dafrorn", manchmal auch "dasuffn": Egal, wie das Wetter ist, die Hohenburger stehen zu ihrem Gelübde. Und tragen seit 1771 einmal im Jahr eine Statue des Heiligen Sebastian durch den Markt.

Diese Sebastianiprozession gehört zu den ältesten gelebten christlichen Bräuchen in unserer Region. Seit 1771 befolgen die Hohenburger ihr damals gegebenes Versprechen zu Ehren des Pestheiligen St. Sebastian. Sie tragen eine fast lebensgroße Statue am Sonntag nach seinem Namenstag in einer feierlichen Prozession durch den Ort.

Seuchen und Viehsterben

1770 hatte es im Lauterachtal eine Missernte gegeben. In den beginnenden Wintermonaten wütete dann wegen fehlender Nahrungs- und Futtermittel der Hungertyphus im Markt. Dazu kamen die Pest und ein gewaltiges Viehsterben, von dem die örtliche Geschichtsschreibung berichtet. Hilfe von auswärts war nicht zu erwarten: Selbst die Kammern und Kornspeicher des bischöflichen Pflegers von Hohenburg sollen damals leer gestanden haben. In ihrer Not wandten sich die Hohenburger an den viel verehrten Pestheiligen St. Sebastian mit einem Gelübdeversprechen. Sie würden an seinem Namenstag eine Statue mit seinem Bildnis in einer feierlichen Prozession durch den Markt tragen, wenn dieses Unheil für immer fernbleibe.

Der 20. Januar, der Namenstag des Pestheiligen, ist in Hohenburg schon immer ein Festtag gewesen, daran erinnern sich die Altvorderen noch. Bis heute tragen sie am Sonntag nach dem Namenstag Sebastians eine fast lebensgroße Statue durch ihre Straßen. Begleitet wird die Darstellung des mit Pfeilen durchbohrten Heiligen von der Trachtenkapelle, den Fahnenabordnungen der Vereine, Bürgermeister und Marktgemeinderat. Dahinter folgt Pfarrer Hans-Jürgen Zeitler mit dem Allerheiligsten unter dem Himmel, wie dies sonst nur an Fronleichnam, am Prangertag, zu sehen ist.

Mit Silber behängt

Noch 1930 war die Sebastian-Statue an diesem Festtag mit Silberketten und Talern behängt sowie die "Trage mit Papierblumen und bunten Christbaumkugeln" verziert, schreibt der Hohenburger Heimatchronist Friedrich Spörer in seinen Aufzeichnungen. In all den Jahren fiel der Umzug nur einmal aus: 1942 war er wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" verboten.

Beim Gottesdienst erinnerte Pfarrer Hans-Jürgen Zeitler diesmal an die Geschichte des Heiligen Sebastian mit einem Weihegebet und der darin formulierten Bitte: "Segne Leben, Stand und Beruf, Häuser, Triften und Weiden. Wende ab Misswachs, Seuchen und Krankheiten. Stärke uns im Dienst für Gott, unsere Mitmenschen und die Heimat."
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