Schatz im Glockenturm

Heimatpflegerin Ines Kämmler betonte bei ihrer Führung zum Tag des offenen Denkmals in Hohenburg: Die dortigen Zunftstangen sind einmalig in der Oberpfalz, entstanden im 17. Jahrhundert. Bild: bö
Lokales
Hohenburg
16.09.2015
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Die Hohenburger Zunftstangen sind einmalig in der Oberpfalz. Diese Wahrzeichen sind aber auch das Einzige, was von den Zünften im Ort erhalten geblieben ist: Ein echtes Schmankerl für den Tag des offenen Denkmals.

(bö) Der europaweite Aktionstag richtete die Aufmerksamkeit auf die Pfarrkirche St. Jakobus. "Die Grundzüge der Kirche dürften aus der Zeit um 1200 stammen", erzählte Heimatpflegerin Ines Kämmler bei einer Führung. Einst war das Gotteshaus ein romanischer Bau mit quadratischem Chor und Ostturm. 1663 und 1664 wurde es in seiner heutigen Form neu gebaut.

Eine verkehrte Kirche

Da das Gebäude wegen seiner eingeengten Lage nur nach Westen erweitert werden konnte, hat Hohenburg heute eine der wenigen "verkehrten Kirchen": Der Hochaltar steht nicht wie üblich im Osten, sondern im Westen. Der untere Teil des damals 35 Meter hohen Turms erinnert mit einem kleinen, romanischen Fenster an seine Errichtung um 1200.

Maria aus der Hohenburg

St. Jakobus birgt eine ganze Reihe von Kleinodien, auf die die Heimatpflegerin hinwies. "Das wohl wertvollste Stück ist die Statue der Mutter Gottes aus der ehemaligen Pankratiuskapelle der Hohenburg. 1641 hatte eine Pulverexplosion den Ostflügel und die Burgkapelle zerstört, doch unter den Trümmern war die Madonnenstatue unversehrt geblieben. Im Jahr 1644 wurde sie in einer feierlichen Prozession auf einen eigens errichteten Altar in der Marktkirche gebracht und zum Mittelpunkt der Verehrung durch eine neugegründete Bruderschaft. In der Fachliteratur Kunstdenkmäler Bayerns wird die bemalte Holzfigur als bedeutende Arbeit um 1450, die von einer Kreuzigungsgruppe stammt, beschrieben."

Als einmalig in der gesamten Oberpfalz bezeichnete Ines Kämmler die Zunftstäbe im Glockenturm. Da der Landesherr von Hohenburg von 1250 bis zur Säkularisation 1810 ununterbrochen Bischof von Regensburg war, ist es verständlich, dass die Genehmigung zur Anschaffung dieser Stangen von strengen religiösen Auflagen und Vorschriften abhängig gemacht wurde.

"Fürnehmlich und zum Ersten sollen die Zünfte vor allen Dingen Gott dem Allmächtigen zu Lob und Ehre alle Quatember eine Heilige Messe lesen lassen, dabei dann alle Meister, Gesellen und Lehrjungen, jeder mit seinem christlichen Gebet, Andacht und Opfer erscheinen, und davon keinen nichts als ehrliche, unabweisbare Verhinderung abhalten oder entschuldigen soll, bei Strafe eines Pfundes Wachs oder Säumgeldes, in den Zechschrein zu erstatten": So lautet die zum Teil sehr schlecht erhaltene Abschrift des Bestätigungsbriefes für die Schuhmacherzunft.

Oben thront der Patron

Jede Zunft musste Tragstangen oder Stäbe anfertigen lassen, mit einer Statue ihres Schutzpatrons. Diese wurden bei Prozessionen oder Beerdigungen eines Zunftmitgliedes von den Lehrlingen mitgetragen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Säkularisation, wurden die örtlichen Zünfte zu Vereinen herabgesetzt.
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