Verbotene Liebe

Papier schlägt Liebe: Carolina Wenzel (48) aus Hohenburg heiratete einen Asylbewerber aus dem Irak und hat jetzt reichlich Ärger mit den Ausländerbehörden. Bild: Huber
Lokales
Hohenburg
09.09.2015
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Carolina Wenzel liebt ihren Ehemann. Doch zusammensein dürfen die beiden nicht. Der Mann, den sie vor einem Jahr geheiratet hat, ist Asylbewerber und hat sich laut Behörden in Dessau aufzuhalten und nicht bei seiner Frau in Hohenburg.

Carolina und Hussein haben sich im Sommer 2014 in Regensburg kennengelernt. "Mir war damals völlig egal, welchen Aufenthaltsstatus dieser Mann hat", sagt die 48-jährige Frau aus Hohenburg. Heute kann sie Selbiges nicht mehr behaupten. Es nervt sie unendlich, dass es nur noch um Papierkram geht und um die Frage, wer wann wo welchen Antrag hätte stellen müssen.

Ja-Wort in Dänemark

Fakt ist: Die Frau, die ein mittelständisches Unternehmen mit 40 Beschäftigten führt, hat den Flüchtling aus dem Irak geheiratet. Tatsache ist auch: Die Ausländerbehörden betreiben weiterhin die Abschiebung des 50-Jährigen nach Holland. Denn dort war Hussein nach seiner Flucht aus Bagdad zuerst aufgeschlagen. Die Dublin-II-Verordnung der EU sieht vor, dass Flüchtlinge dort bleiben müssen, wo sie zum ersten Mal registriert werden - in diesem Fall eben in den Niederlanden.

Dass es zwischen dem oberpfälzisch-irakischen Paar so richtig funkte, konnte das Gesetz allerdings nicht verhindern. Die Heirat auch nicht. Carolina und Hussein fuhren im September vergangenen Jahres nach Dänemark, um sich hochoffiziell das Ja-Wort zu geben. Ein dänischer Beamter hat die auch in Deutschland gültige Ehe beurkundet. "In Dänemark kann relativ unbürokratisch geheiratet werden", erzählt die Geschäftsfrau. Die Dänen verlangten lediglich Husseins Geburtsurkunde und eine von einem Notar unterzeichnete, eidesstattliche Versicherung, dass er nicht verheiratet ist. "Die deutschen Behörden hätten da zusätzliche Dokumente gefordert. Urkunden aus der Heimat Husseins, die er nicht vorlegen und auch nicht beschaffen kann, weil er ja geflohen ist."

Ausufernde Gebühren

Nach der Hochzeit zog Hussein im Haus der 48-Jährigen in Hohenburg ein und stellte - um seinen Status zu klären - hier einen neuen Asylantrag. Weil der Iraker aber zwischenzeitlich in Dessau (Sachsen-Anhalt) erfasst worden war, verwies ihn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dorthin zurück. Denn Asylbewerber müssen sich im Umkreis der für sie zuständigen Ausländerbehörde aufhalten. Eine Umverteilung der Zuständigkeit an das Ausländeramt des Landkreises Amberg-Sulzbach könnte für Abhilfe schaffen. Den Antrag dazu lehnte das Amt erst vor wenigen Wochen ab.

"Es ist ein Trauerspiel", sagt Carolina Wenzel. "Hussein ist mein Mann und ich habe ein Anrecht darauf, hier in Deutschland mit ihm zusammenzuleben." Theoretisch gebe es eine Möglichkeit, die Abschiebung in die Niederlande zu verhindern. "Ein Visum wäre ein ordentlicher Aufenthaltstitel." Es zu beschaffen, ist allerdings nicht möglich. Die deutsche Botschaft in Bagdad stellt für irakische Normalbürger keine Visa mehr aus. Und selbst wenn Hussein an der Grenze oder am Flughafen das geforderte Papier vorlegen könnte, müsste er damit rechnen, dass ihm die Einreise verweigert würde. "Und warum soll mein Mann in den Irak zurückkehren, nur um dieses eine Dokument zu besorgen. Er ist doch bereits da!"

Das bürokratische Hickhack zerrt nicht nur an den Nerven, sondern geht auch ins Geld. Mehr als 10 000 Euro hat Carolina Wenzel bereits für Behörden- und Anwaltsgebühren ausgegeben. Die Kosten für die ständige Pendelei nach Dessau nicht mit eingerechnet. "Es geht nicht ums Geld", betont Wenzel. "Es geht darum, dass Asylbewerber offenbar Menschen zweiter Klasse sind." Beamte, die sich mit dem Fall befassten, bedauerten die Situation zwar, verwiesen aber darauf, dass sie sich nur an Recht und Gesetz hielten.

Hussein musste 2013 fliehen, als eine neue Welle der Gewalt über Bagdad hereinbrach. Seine Mutter fand er erschlagen in der Wohnung. Sein Schwager war erschossen worden. Die Schwester ist auf der Flucht und sitzt gerade in der Türkei fest. "Er würde gerne arbeiten, aber er darf nicht. Sein irakischer Führerschein gilt hier nicht und wegen der fehlenden Dokumente darf er hier keinen neuen machen." Carolina Wenzel ist überzeugt, dass ihr Mann eines Tages mit ihr zusammenleben darf. "Wir werden das durchkämpfen, und wenn es noch 20 Jahre dauert", sagt sie. Eine Lösung könnte es ihrer Ansicht nach aber schon heute geben.

Hussein würde dann einfach bei ihr im Lauterachtal leben, zu arbeiten beginnen und vielleicht die Hohenburger Feuerwehr unterstützen. "Er würde gerne hingehen, aber dazu ist es wohl noch zu früh dafür."
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