Was Fassaden erzählen können

"Pfründnerhaus für bedürftige Arma in Hohenburg gestiftet von Franz und Katharina Hueber, Bierbrauerseheleute von Hohenburg, 1900" vermeldet die Steintafel über dem Eingangstor des einstigen bischöflichen Pfleghofs. Bilder: bö (2)
Lokales
Hohenburg
24.10.2015
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"Daheim ist für mich, wo ich jede Haustüre kenne": Das sagt Carolina Adler - und öffnete gemeinsam mit Heimatpflegerin Ines Kämmler einige dieser Pforten bei einem ganz besonderen Spaziergang "Von Tür zu Tür".

Die heimatkundlichen Führung verlief in Hohenburg entlang des Marktplatzes. Mit viel Wissenswertem aus der reichhaltigen Geschichte des Orts und Gedanken zum Thema "Heimat, Türen und Fenster" begleiteten Hohenburgs Heimatpflegerin Ines Kämmler und die Künstlerin Carolina Adler aus Lauterhofen die Teilnehmer. Mit viel Esprit zeigte Carolina Adler zuvor schon in ihrer Bilderausstellung in der Hammermühle, dass es gar nicht so schwer ist, kleine Kunstwerke in der Heimat ausfindig zu machen - wenn man nur die Augen offen hält.

Vergessenes neu belebt

Adler und Kämmler fanden bei ihrer Führung durch den Markt die richtigen Worte, um Türen und Fenster zu öffnen, die schon seit langer Zeit in Vergessenheit geraten sind. Schön war, dass manche Hohenburger Begebenheiten und Erlebnisse beisteuern konnten, die selbst dem Nachbarn nicht bekannt sind.

"Farbe für Hohenburg" hatte die Lauterhofenerin ihre Ausstellung in der Hammermühle genannt - mit Gemälden von Türen und Fenstern, die allesamt im Marktbereich zu finden sind. Wie Carolina Adler erzählte, hatte sie schon immer ein Faible für Historisches. Auf einem Foto-Spaziergang sei dann die Idee mit den gemalten Heimatmotiven entstanden: "Ich stelle mir auch vor, wie viele Geschichten so eine Türe erzählen könnte. Mit meinen Bildern möchte ich die Menschen dazu animieren, mit offenen Augen durch ihre Heimatgemeinde zu gehen. Man findet jede Menge schöne und angenehme Dinge, an denen man oft vorbeigegangen ist - aber die Kunst öffnet die Augen", betonte die Malerin.

Mit Gedichten verschiedener Autoren des Sindlbacher Kreises, mit Gereimtem und Ungereimtem aus der Oberpfalz sowie mit kleinen, passenden, in Prosa gehaltenen Lebensweisheiten setzte sie Akzente.

Ein Blich zurück

Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler steuerte dazu viel Interessantes über den geschichtsträchtigen Ortskern des Marktes bei, der im 13. und 14. Jahrhundert seine Blütezeit erlebt hat. Dabei kommt man auch nicht an den Markgrafen von Hohenburg vorbei, die im fernen Sizilien für ihren Kaiser gestorben sind. Erst nach der Säkularisation 1810 verlor der Bischof in Regensburg das Pflegamt in Hohenburg an das damalige Königreich Bayern.

Hinschauen lohnt sich

Im Ort gab es eine Vielzahl von Geschäften und Handwerkern, deren Zahl aber in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen ist. Und die doch Spuren hinterlassen haben: "Manchmal auch versteckt gehaltene Hauseingänge, Fensterchen, Handwerkszeichen und Namenszüge auf den Fassaden zeigen, dass Hohenburg einstmals ein blühendes Kleinzentrum gewesen ist, dessen Bedeutung mit der Errichtung des Truppenübungsplatzes Hohenfels mehr und mehr an Bedeutung verloren hat", sagte Kämmler.

Zum Abschluss trafen sich alle noch zu einer geselliger Runde in der Hammermühle.
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