Wenn der Kern bröckelt

SPD-Mitglieder der Enqute-Kommission des Landtags besuchten Hohenburg, um sich über die Leerstands-Situation im Ort zu informieren (von links): Abgeordneter Christoph Rabenstein, Bastian Sauer (Mitarbeiter der SPD-Landtagsfraktion), die Abgeordneten Annette Karl und Reinhold Strobl sowie Bürgermeister Florian Junkes (CSU-FW), denen Rudolf Letl, Betreuer des Fledermaushauses, dieses gelungene Beispiel einer Revitalisierung eines Leerstandes in Hohenburg vorstellte. Bild: bö
Lokales
Hohenburg
29.09.2015
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Der Prozess verläuft schleichend, und wenn man sich der Tatsache bewusst wird, sind schon Fakten geschaffen, die nur noch schwer wieder aus der Welt zu schaffen sind: Viele dörfliche Ortskerne verfallen.

"Die Gebäudeleerstände im Marktkern sind unser großes Problem." Für Bürgermeister Florian Junkes (CSU-FW) ist dieser Umstand mehr und mehr ein Grund, warum junge Familien den Ortskern meiden. Derweil lägen beispielsweise für das neuen Baugebiet Schleicherberg Ost bei ihm schon die ersten Bauanträge auf den Schreibtisch.

Von diesem "Alptraum eines Bürgermeisters" berichtete er unter anderem dem Landtagsabgeordneten Reinhold Strobl, der zusammen mit den beiden Mitgliedern der Enquete-Kommission des Landtags, Annette Karl und Christoph Rabenstein (alle SPD), ihm einen Besuch im Hohenburger Rathaus abstatteten. Ein Rundgang durch den Ort und ein Stopp im Fledermaushaus bei Rudi Leitl rundeten die Visite ab.

Leerstehende Wohn- und Geschäftshäuser, um deren Erhalt sich praktisch keiner kümmere, prägen laut Junkes in Hohenburg das Erscheinungsbild des Ortskerns schon seit Jahren. Mit dem Ensemble- und Einzeldenkmalschutz tut man sich besonders schwer, Sanierungen anzugehen und diese Gebäude wieder attraktiv zu gestalten", lautet eine seiner Erfahrungen. Rabenstein (Wahlkreis Bayreuth) merkte dazu an, dass er aus seinem Geburtsort Sedwitz ähnliche Sachverhalte kenne, ebenso wie Karl, die in Neustadt/Waldnaab wohnt.

Genau hinschauen

Strobl ergänzte, dass "diese schleichenden Leerstandssituationen" inzwischen in den meisten Kommunen in der gesamten Oberpfalz vorzufinden seien. Grundsätzliches Einvernehmen herrschte darüber, dass ungenutzte, historische Bausubstanz an oft wertvollen Gebäuden nur mit gemeinsamen Kraftanstrengungen aus diesem Dilemma geholt werden könne. Dass sich dabei auch das Landesamt für Denkmalpflege öfter und schneller bewegen müsse und staatlicherseits Verfallstendenzen stärker beobachtet werden sollten, auch darin waren sich alle schnell einig.

"Sanierungsanreize für den Erhalt von Strukturen gewachsener Ortskerne müssen künftig mehr gefördert werden", lautet eine der Forderungen vor diesem Hintergrund. Denn jeder solle dort, wo er wohnt, die Chancen bekommen, daran festhalten zu können. Dass Hohenburg ein "Ort mit Gesicht" und deshalb förderungswürdig sei, stand für die Runde außer Zweifel. Denn für die Randlage am Truppenübungsplatz könnten die hier lebenden Menschen nichts, meinte Junkes.

Dorf- ist Landflucht

Strobl ging sogar soweit, dass es eventuell einer Verfassungsänderung im Hinblick auf bessere und machbare Förderungen und deren Umsetzung bedürfe. "Dies wäre ein geeigneter Anreiz, die meist in Privatbesitz befindlichen Gebäude zu erhalten" und der schleichenden Landflucht entgegenzuwirken. (Im Blickpunkt)
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