Wild vernascht die Knospen

Dr. Markus Perpeet (rechts), der den Bundesforstbetrieb leitet, informierte die aus weiten Teilen Bayerns angereisten Jäger zum Thema Waldbau und zeigte einen Kiefernbestand mit und ohne Kontrollzaun. Bild: bö
Lokales
Hohenburg
17.10.2014
12
0

"Wild und Wald im Truppenübungsplatz Hohenfels" ist ein Konzept, das seit zwölf Jahren erprobt wird. Jäger, die sich darüber informierten, gewannen interessante Einblicke.

(bö) Mit von der Partie bei der Exkursion in die Forstreviere waren Dr. Jürgen Vocke, Präsident des bayerischen Jagdverbandes, und sein Vize Dr. Günther Baumer, Bundesforstdirektor Gunther Brinkmann, der die Sparte Bundesforst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben leitet, und als Vertreter der US-Streitkräfte in Hohenfels Senior Brigade Trainer Oberstleutnant John Pirog. Diskutiert wurden die Angleichung der Jagdzeit des Rehbocks durch die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt Neumarkt auf dem Truppenübungsplatz und die anwachsenden Rotwildstrecken.

Geringerer Jagddruck

Laut Forstdirektor Dr. Markus Perpeet entfällt so die Notwendigkeit, bei kurzzeitig auftauchenden Rehen vor der Erlegung zunächst das Geschlecht zu bestimmen. Danach seien sie aber meist schon wieder verschwunden und nicht mehr tierschutzgerecht zu erlegen. Außerdem müsste die Bejagung aller Wildarten aus militärischen Gründen zeitlich verdichtet werden, da fast pausenlos geübt werde. Für die Wildtiere habe das Vorteile: Der Jagddruck werde verkürzt, die Tiere seien auf Grasflächen tagaktiv statt im Wald Baumrinde und Knospen zu vernaschen.

Die konkurrierende Schafbeweidung werde durch die Ausweisung von weiteren 1600 Hektar Vorrangflächen für Wildtiere ab 2015 in ihrer Wildtier verdrängenden Wirkung abgemildert. Dass für beide Seiten die Ausarbeitung tragbarer Jagdkonzepte bei der Hegeringgemeinschaft ein schwieriges Unterfangen sei, habe man in den vergangenen Jahren immer wieder gehört, wenn es um die beantragten Abschussquoten für Rotwild gegangen sei. Beim Symposium bekam man den Eindruck, dass sich die Jägerschaft und die Vertreter des Bundesforstbetriebes Hohenfels in dieser jagdlichen Philosophie nicht immer grün waren.

Bundesförster Christoph Vandrey informierte die Jägerschaft in der Hammermühle in Hohenburg, dass erst seit Ende der 1950er Jahre das Rotwild in Hohenfels massiv spürbar geworden sei. Mit der Umstrukturierung des Übungsgeschehens und der Auflassung der Gefechtsschießbahnen habe das Rotwild optimale Habitatbedingungen vorgefunden und sich rasch verbreitet.

Wie bereits in den vergangenen Jahren wurden für die anstehende Jagdsaison wieder 900 Stück Rotwild zum Abschuss bei der Unteren Jagdbehörde beantragt. Dies entspreche dem Ergebnis von 2013, hieß es. "Der Verbiss durch Wild verhindert die nachhaltige natürliche und kostenlose Verjüngung des Waldes", unterstrich Dr. Markus Perpeet.

Hintergrund seien neben ökologischen auch wirtschaftliche Betrachtungsweisen. Teure Zäunungen gegen Wild könnten nicht einfach dem Steuerzahler aufgebrummt werden. Aus verschiedenen Diskussionsbeiträgen war herauszuhören, dass der bayerische Jagdverband und verschiedene Pächter außerhalb des Übungsplatzes der Jagdzeitverlängerung für Rehböcke mit gemischten Gefühlen entgegen sehen. "Da müssen wir aufpassen, dass dadurch nicht Dämme brechen", so Vocke.

Weitere Ruhezonen

Im Klartext heißt dies für den Bundesforstbetrieb Hohenfels, dass derzeit pro Jahr auf einer Fläche von 16 500 Hektar 250 bis 270 Stück Rehwild erlegt werden. Im Innenbereich des Areals seien weitere Ruhezonen für die Wildbestände ausgewiesen worden. "Ein Reh, das in der Ruhezone lebt, hat die Chance, richtig alt zu werden", sagte Perpeet. "Der Wegfall ständigen Jagddrucks tut auch anderen Wildtieren gut."(Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.