Der frühere Hohenburger Bürgermeister Gerhard Schärl wird 65
Heimatverbunden, aber reiselustig

Gerhard Schärl ist auch an seinem Geburtstag unterwegs. Bild: bö
Politik
Hohenburg
16.05.2016
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Langweilig ist ihm im Ruhestand nicht. Gerhard Schärl hat so viel zu tun, dass er sich fragt, wie er das früher alles geschafft hat, als er noch Bürgermeister von Hohenburg war. Seine Lieblingsbeschäftigungen sind jetzt Motorradfahren und Reisen - in Städte, die neuen Bundesländer oder auch nach Tschechien. "Ich möchte noch viel sehen von der Welt", sagt Schärl im Gespräch mit der AZ zu seinem 65. Geburtstag, den er am Dienstag, 17. Mai, feiert. Und auch da wird er nicht daheim sein, denn seine Tochter hat ihm eine Überraschung angekündigt, die sich nicht in der Region abspielt.

Im Hauptberuf Fachlehrer


Die Landwirtschaft, die er zu Beginn seiner Bürgermeisterzeit im Nebenerwerb betrieb, hat Schärl "fast auf Null" zurückgefahren. Etwas Wald hat er noch - "und ich gehe gerne ins Holz". Als er 1990 zum Gemeindeoberhaupt gewählt wurde, übte er das Amt zunächst zwei Perioden lang ehrenamtlich aus. Im Hauptberuf war der Zimmerermeister Fachlehrer für Zimmerer und Maurer an der Berufsschule in Amberg. Nach der Wahl 2002 wurde er hauptamtlicher Rathauschef und blieb es bis 2014.

Leute wollten nicht


In seine 24-jährige Amtszeit fiel die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) mit Schmidmühlen 1994. "Das Zusammenwachsen hat nicht stattgefunden", nennt Schärl als Hauptgrund dafür. In der Bevölkerung habe es immer Widerstand dagegen gegeben: "Die Leute wollten das nicht." Etwa die Ransbacher, die 20 Kilometer zum VG-Sitz nach Schmidmühlen hatten - ohne eine durchgehende Busverbindung. Und in Hohenburg stand das historische Rathaus, das für viel Geld hergerichtet wurde, aber keinen rechten Zweck mehr erfüllte. Erst wieder ab 1994.

Zwei Dinge haben Schärl in seiner Amtszeit sehr bewegt, erzählt er. Zum einen ab 2005 der Bau der großen kommunalen Photovoltaik-Anlage im Industriepark, "die als Erste in Bayern ans Netz ging". Für das 5,3-Millionen-Euro-Projekt habe die Gemeinde ordentlich Schulden aufnehmen müssen. Weil man kein Vorbild gehabt habe, wie so etwas in der Praxis laufen könnte, sei ihm oft durch den Kopf gegangen: "Hoffentlich geht das gut, sonst glaubt ganz Bayern, dass ich ein Depp bin."

Sauer über Ungerechtigkeit


Zum anderen die Sache mit den widersinnigen Ausgleichleistungen: Den Liegenschaftssteuerausgleich für das an den Truppenübungsplatz Hohenfels abgetretene Gebiet erhalten nur Hohenfels und Velburg, keine andere betroffene Anliegergemeinde. Das sei anders versprochen gewesen, doch habe eine Falschinformation aus dem Innenministerium den entsprechenden Landtagsbeschluss ausgehebelt.

Schärl empfindet das als himmelschreiende Ungerechtigkeit. "Ich begreife bis heute nicht, warum der Staat nicht zu seinem Wort steht." Hohenburg hätte davon gewaltig profitiert: "Wir hätten heute 2,5 Millionen Euro Schulden weniger." Wer Schärl hier fast mit den Zähnen knirschen hört, der ahnt: So leicht es ihm nach eigenem Bekunden fiel, 2014 vom Bürgermeisteramt loszulassen - an diesem einen Punkt hätte er gerne noch weitergearbeitet.
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