Erstes Burgfest lockt über tausend Gäste zur Hohenburg
Mitten im Sperrgebiet gefeiert

Beim ersten Burgfest auf der Hohenburg durfte natürlich die Schlossherrin nicht fehlen: Mittelalterfreunde aus Hohenburg lieferten die passende Kulisse für diesen besonderen Tag. Bilder: bö (3)
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Hohenburg
12.07.2016
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Einen wunderschönen Fernblick hat man von der Hohenburg aus: Georg Lautenschlager zeigt seinem Enkel Lukas, wo ihr Heimatort Adertshausen liegt. Der 521 Meter hohe Schlossberg bietet eine hervorragende Rundumsicht ins Oberpfälzer Jura, bis vor die Tore Ambergs und zum Münchshofener Berg nahe Teublitz. Bei föhnigem Wetter kann man sogar die Ausläufer des Bayerischen Waldes erkennen.

Es war das erste und soll nicht das letzte Mal gewesen sein: Mehr als 1000 Menschen nutzten am Sonntag die Möglichkeit, zum ersten Burgfest auf den Schlossberg und die Hohenburg zu kommen.

Egal, ob mit dem Shuttle-Bus der US Army aus Hohenfels oder auf dem Fußweg durch mittlerweile mit schattigen Baumbeständen bewachsenen Felder am Burgberghang: Es war es ein besonderes Erlebnis, von der Hohenburg aus ins Land zu schauen. Dafür waren die Hohenburger der US Army in Hohenfels sehr dankbar. Denn das Areal liegt im Gebiet des Truppenübungsplatzes Hohenfels und kann nur mit Genehmigung der Militärs betreten werden.

Am Sonntag war aber alles anders: Viele nutzten das herrliche Sommerwetter, um auf den Schlossberg zu wandern - auf dem Weg, den wahrscheinlich schon die Grafen von Hohenburg im frühen Mittelalter genommen haben. Dass es bei Temperaturen um die 30 Grad ganz schön fordernd war, machte den Leuten wenig aus. Denn hoch droben wurden sie durch eine wunderbare Fernsicht belohnt.

Treffend waren dazu die Worte von Pfarrer Hans Jürgen Zeitler mit der Geschichte des barmherzigen Samariters und dessen beschwerlichen Weg nach Jericho. Dafür, dass keiner hungrig blieb, sorgten Kirwaleit, Frauenbund und TuS Hohenburg. Organisiert hatte das Fest der Markt Hohenburg mit Bürgermeister Florian Junkes. Den Gottesdienst mit Pfarrer Hans Jürgen Zeitler umrahmte der Nachwuchs der Trachtenkapelle. Am Nachmittag spielte die große Besetzung. Man konnte ein kleines mittelalterliches Lagerleben des Wittl-Clans aus Hohenburg erleben. Mehrere Hundert Gäste nutzten die Gelegenheit, um bei einem Rundgang von Ortsheimatpflegerin Ines Kämmler Wissenswertes aus der Geschichte des Bauwerks zu erfahren.

Die Hohenburg und die Prinzessin strahlen - so stand es Ende September 2008 in der Amberger Zeitung: Adrian Golba hatte damals mit der beleuchteten Hohenburg Annemarie Wolfsteiner einen spektakulären Heiratsantrag gemacht. Eine geheime Kommandosache, bei der das Militär ein wichtige Rolle spielte. US-Garnisonskommandeur Gary Blomberg hatte dafür heimlich ein großes Stromaggregat mit mehreren 10 000 Watt Leistung herangeschafft.

Annemarie Wolfsteiners Vater Erwin hatte damals aus einer Bierlaune heraus zu Adrian Golba gesagt: "Wenn du meine Tochter zur Frau haben willst, dann musst du etwas Besonderes machen. Etwa die Hohenburg zum Leuchten bringen." Mit Hilfe der US-Militärs und vielen Unterstützern geschah genau das. Annemarie Golba kam jetzt mit ihren Söhnen Luis (5) und Elias (3) sowie mit ihren Eltern Elisabeth und Erwin Wolfsteiner zum Burgfest. Ihr Mann Adrian konnte nicht dabei sein - er musste arbeiten.

Aus der Geschichte der HohenburgDie Burganlage wurde um das Jahr 1000 als Bollwerk zur Sicherung der Handelswege und zum Schutz der Ostmark von den Grafen von Hohenburg als Grenzgrafschaft erbaut. Urkundlich erstmals aufgetreten ist Ernst von Hohenburg im Jahr 1080. Die verwitwete Mechthild von Hohenburg heiratete 1212 den Markgrafen Dipold V. von Vohburg aus dem Geschlecht des Grafen Dipold von Gingen. Aus dieser Verbindung gingen vier Söhne hervor, von denen Berthold - übrigens ein bekannter Minnesänger seiner Zeit - der Vormund des letzten Hohenstaufers Konradin war.

Alle vier Brüder starben 1256/57 in sizilianischen Kerkern. Nach ihrem Tod gelangte das Herrschaftsgebiet an das Hochstift Regensburg. Im 16. Jahrhundert wurde die Burganlage schlossartig ausgebaut. 1641 zerstörte ein Blitzschlag den Pulverturm. Die Explosion legte den ganzen Ostflügel samt Burgkapelle in Trümmer. 1690 lebte auf der Burg nur noch ein Torwart, der die Liegenschaft notdürftig instand hielt. Die Burganlage, deren Überreste heute noch von ihrer einstigen Größe zeugen, verlor ab dem 17. Jahrhundert endgültig an Bedeutung und war dem Verfall preisgegeben. Die ehemalige Reichsherrschaft des Hochstiftes Regensburg wurde 1803 im Zuge der Säkularisation dem Fürstentum Regensburg zugeschlagen. Mit dem Pariser Vertrag von 1810 kam der Ort zu Bayern.

1810 wurde das einst so stolze Schloss als Steinbruch an vier Hohenburger Ackerbürger zum Preis von 516 Gulden verkauft. Viele gehauene Steinquader von dort kann man heute noch in Bauwerken der Umgebung von Hohenburg sehen.

Die Burganlage liegt heute im Gebiet des Truppenübungsplatzes Hohenfels und wurde bereits 1938 bei der Errichtung des Wehrmachtsübungsplatzes abgelöst. Heute gehört das Gelände, wie auch etwa die Hälfte des Übungsplatzes, zum Gemeindegebiet Hohenfels. (bö)
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