Fledermaus auf Rekordjagd
Webcam blickt in die Wochenstube

Die Fledermäuse fühlen sich in ihrer Höhle pudelwohl. Über eine Webcam kann jeder Internetnutzer einen Blick in die Wochenstube der Großen Hufeisennase werfen. Bild: hfz
Vermischtes
Hohenburg
21.04.2016
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Die Großen Hufeisennasen sind wieder da. Aktuell konnten jetzt bereits 157 Tiere gezählt werden. Der Blick in die einzige Wochenstube Deutschlands macht diese Prognose möglich. Eine Infrarotkamera erlaubt sogar jedem Internetnutzer den Blick in die dunkle Höhle.

Trotz ungünstiger Bedingungen im Vorjahr ist die Population der seltensten deutschen Fledermaus weiter angewachsen. So zeigten nicht nur die Zählungen in den Winterquartieren einen Anstieg, auch der Großteil der Großen Hufeisennasen hat den relativ langen Winter gut überstanden. "Im Dachboden des Fledermaushauses in Hohenburg, der einzigen Wochenstube Deutschlands, konnten über die Infrarotkameras bereits jetzt 157 gezählt werden", sagte Rudolf Leitl, Projektmanager des EU-finanzierten Life-Projektes "Große Hufeisennase in der Oberpfalz" laut einer Pressemitteilung. Das sind 15 Tiere mehr als der Höchststand 2015 und es könnte sogar noch die eine oder andere Hufeisennase dazukommen.

Erfreuliche Zahlen


Dabei war 2015 kein gutes Jahr für Fledermäuse. "Schon der vorletzte Winter war sehr mild, was zu einer Verpilzung von Insektenpuppen und dadurch zu einem geringeren Nahrungsangebot führte", erklärte Leitl. Zudem war das letzte Frühjahr im Schnitt um drei Grad kälter als im "Hufeisennasen-Superjahr" 2014. Erstmals seit 14 Jahren stieg 2015 die Zahl der Geburten nicht an. Dazu machte die große Sommertrockenheit mit weniger Insekten den Fledermäusen zu schaffen. Aus diesem Grund mussten die Tiere mit relativ wenigen Fettreserven in den Winterschlaf gehen und es folgte erneut ein sehr milder und feuchter Winter, der auch noch relativ lange dauerte. "Umso erfreulicher sind die aktuellen Rekordzahlen", so Rudolf Leitl. Auch wenn der Anstieg im Vergleich zum letzten Winter (134) deutlich geringer ausfiel, so wächst die Population der bedrohten Großen Hufeisennase stetig weiter. Die positive Prognose ergibt sich unter anderem aus der Analyse der vergangenen Geburtenzahlen. Außerdem ging Leitl davon aus, dass nur etwa zwei Drittel der Tiere bei der Kontrolle der Winterquartiere gefunden wurden, da zahlreiche Fledermäuse in unbekannten oder unzugänglichen Höhlen überwintern. "Die Gesamtpopulation dürfte deshalb derzeit bei etwa 225 Tieren liegen", schätzte der Fledermausexperte. Die Schutzbemühungen des LBV für das letzte deutsche Fortpflanzungsvorkommen dieser Fledermausart zeigen bisher einen "sehr großen Erfolg und jeder kann daran teilhaben". Im Fledermaushaus Hohenburg lässt sich das Familienleben der Großen Hufeisennasen über Infrarotkameras aus nächster Nähe live beobachten. Eine davon ist auch über das Internet als Webcam abrufbar unter www.lbv.de/huficam.

Zwei Höhlen neu besiedelt


Die Winterkontrolle machte Leitl gemeinsam mit Mitarbeitern des Bundesforstbetriebs Hohenfels und der Umweltabteilung der US-Armee in den Höhlen des Truppenübungsplatz Hohenfels. Auf dem Gelände liegen die wichtigsten Überwinterungshöhlen der Großen Hufeisennasen. Doch inzwischen werden einzelne Tiere auch wieder in früheren Vorkommensgebieten der Region gefunden. "Im sogenannten Karstgebiet A der Neukirchen-Königsteiner Kuppenalb wurden diesen Winter sogar zwei Höhlen neu besiedelt", berichtete der Projektleiter. Dort kontrolliert Leitl in Zusammenarbeit mit erfahrenen Höhlenkundlern des Landesverbandes für Höhlen- und Karstforschung in Bayern.

Auch weitere Maßnahmen des Life-Projekts sorgen dafür, dass der Aufwind für die Große Hufeisennase weiter anhält. So wurden im angrenzenden Truppenübungsplatz Hohenfels großflächig verbuschte Bereiche wieder aufgelockert, die nun von Schafen beweidet werden. Außerdem wurden inzwischen insgesamt 140 Obstbäume, überwiegend alte regionale Sorten, angepflanzt. "Streuobstbäume ziehen nicht nur Insekten an, sondern dienen auch gleich als Wartenhangplatz, von wo aus die Hufeisennasen ihre Jagdflüge starte", erklärte Rudolf Leitl.
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