Hohenburg kämpft sich zurück in den Fremdenverkehr
Fledermaus verleiht Flügel

Das historische Rathaus und die Mariensäule prägen den Marktplatz von Hohenburg
Vermischtes
Hohenburg
10.06.2016
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Bürgermeister Florian Junkes und Jeanette Sultan-Sade im neu eröffneten Café Fledermaus. Bilder: Piehler (4)
Hohenburg: Cafe Fledermaus |

Jeanette Sultan-Sade bringt den Satz einfach nicht zu Ende. Kaum hat sie ein Wort gesprochen, stürmt schon wieder jemand in den Laden, der sie unterbricht. Die Frau hinter der Theke fragt, wo das Eis ist, der Herr in der Radlerhose möchte ein Weizen bestellen. Viel los an diesem Samstagabend im neu eröffneten Café Fledermaus. "Heute?", fragt die Gastronomin aus Amberg. "Die ganze Zeit geht das schon so. Am vergangenen Sonntag standen die Leute bis zur Straße hinaus."

Wegen der Hufeisennase


Das Café Fledermaus hat dem schmucken Hohenburger Marktplatz wieder Leben eingehaucht. Nachdem die Bäckerei Stauber geschlossen hatte, war der Ortskern vier Monate lang, zwischen Weihnachten und Mai, gastronomisch tot. Und das obwohl regelmäßig ganze Busladungen von Ausflüglern hier landen. Die meisten Tagestouristen pilgern ins Fledermaushaus - in das mit Millionenaufwand wiederhergestellte Quartier der vom Aussterben bedrohten Großen Hufeisennase. Unter dem Gebälk eines Anwesens am Marktplatz lebt die deutschlandweit letzte Kolonie des scheuen Flugtiers. "Wir sind wegen der Fledermaus hier", erzählt Hartmut Endreß. Er ist Teil einer 26-köpfigen Gruppe aus Sonneberg in Thüringen, die in und um Hohenburg wandert, isst und trinkt sowie übernachtet. Heute war die Gruppe in Schmidmühlen, spazierte den Jurasteig entlang. "Das ist eine ganz bezaubernde Ecke", findet Endreß, der sich in der Pflanzenwelt auskennt. Die Kuchlblume hat er an den Hängen entlang der Lauterach gesehen, das Brandknabenkraut und das Fuchskreuzblümchen. "Das wächst in diesem Ausmaß nur hier in der Oberpfalz", weiß er. Hohenburg hat also ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.

Im Vortragsraum des benachbarten Fledermaushauses bereitet sich Vogelkenner Rudi Leitl derweil auf den Besuch der Gruppe vor. "Ich werde dem Ansturm bald nicht mehr Herr", sagt er, während er per Monitor die Infrarot-Kameras steuert, die die Hufeisennasen in ihrer Wochenstube zeigen. "Wir haben pro Jahr 2000 Besucher. Tendenz steigend." Dabei beschränkt sich die Saison, in der die Fledermäuse beobachtet werden können, auf die Monate von Mai bis September.

Abendessen-Zeit. Neu-Wirtin Jeanette Sultan-Sade gibt in ihrem Café gerade das Essen aus. "Ich hatte vorher wirklich meine Zweifel, ob sich das hier rentiert", sagt sie. "Manche haben mich schon gewarnt und gesagt: Was willst Du denn da draußen in Hohenburg?" Sultan-Sade zeichnet bis September auch noch für die Gastronomie des Kurfürstenbades in Amberg verantwortlich. Doch von dem Großbetrieb wollte sie sich verabschieden. "Zu viele Nebenkosten. Ich dachte mir, ich suche mir was kleineres." Im geschlossenen Bäckereiladen der Familie Stauber wurde die Ambergerin fündig. Sie renovierte den Verkaufsraum, richtete das Café neu ein und bietet jetzt von 6 bis 18 Uhr Kaffee, Kuchen und Torten sowie einen Mittagstisch an. "Und wenn sich Wanderer ankündigen, dann koche ich für die auch abends." Bis zu drei Aushilfen gehen ihr dabei zur Hand. So wie heute.

Macher gesucht


"Wenn das so weitergeht, werde ich wohl nach Hohenburg ziehen", sagt die Unternehmerin. Ein Satz, der wie Musik klingt in den Ohren von Bürgermeister Florian Junkes. "Das Potenzial ist da", stellt der Rathauschef fest. "Wir brauchen nur noch Leute, die anpacken, die sich was trauen, die sich vorne hinstellen und etwas in die Hand nehmen." So jemanden sucht Junkes vor allem für den darniederliegenden Fremdenverkehrsverein. Vor zwei Jahren schon sollte die Organisation wiederbelebt werden. Doch bei der entscheidenden Zusammenkunft fand sich damals niemand, der den Posten des Vorsitzenden übernehmen wollte. "Es wäre halt wichtig, dass wir einen neuen Motor bekommen."

Der könnte dann auch das Burgfest organisieren. Zum ersten Mal darf heuer am Sonntag, 10. Juli, oben auf der Burgruine ein Fest gefeiert werden. Für den Anfang springt die Gemeinde als Veranstalter ein. "Das wäre eine klassische Aufgabe für einen Fremdenverkehrsverein." Vielleicht schon im nächsten Jahr. Junkes gibt sich optimistisch. "Ich glaube, da kommt gerade was in Bewegung." Das gilt tatsächlich für die Wanderer aus Thüringen. Sie müssen rüber ins Fledermaushaus. Rudi Leitl und seine Hufeisennasen warten schon.

Das Potenzial ist da. Wir brauchen nur noch Leute, die anpacken, die sich was trauen, die sich vorne hinstellen.Bürgermeister Florian Junkes


Manche haben mich schon gewarnt und gesagt: Was willst Du denn da draußen in Hohenburg?Gastronomin Jeanette Sultan-Sade
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