Leichenteile vor dem Krematorium in Hohenburg
Aufregung um Leichenteile

Leichen- beziehungsweise Knochenteile wie dieses hier lagen unter der Asche und den Steinen in dem Bauschuttcontainer, den die Fliegen umschwirrten. Bild: hfz
Vermischtes
Hohenburg
30.06.2015
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Nicht vollständig verbrannte Leichenteile in einem Container vor dem Krematorium haben einige Hohenburger in helle Aufregung versetzt. Da sei etwas schief gelaufen, gibt dessen Geschäftsführer Gerhard Büttner zu. "Aber wir haben nichts gemacht, was unrechtmäßig ist."

Die Bürger, die sich an die Redaktion wandten, hatten am Freitag, 29. Mai, und Samstag, 30. Mai, viele Fliegen bemerkt, die um einen Bauschuttcontainer schwärmten, der auf dem Gelände der Verbrennungsanlage stand. Es habe stark gestunken. Als man in den Container hineingesehen habe, sei man auf Asche und Hunderte von Knochenteilen gestoßen. Das löste die Befürchtung aus, im Krematorium werde nicht ordnungsgemäß verbrannt. Am 30. Mai sei dann die Polizei erschienen und habe den Container untersucht.

Nicht ganz verbrannt

Eine Nachfrage unserer Redaktion bei Polizei und Landratsamt ergab folgenden Ablauf: Am 30. Mai um 10.10 Uhr erhielt die Polizei eine Mitteilung, am Krematorium im Industriepark Aichaberg stehe ein Behälter mit Knochen öffentlich herum. Gegen 11.30 Uhr waren Beamte vor Ort und untersuchten bis etwa 14 Uhr den Inhalt beziehungsweise sprachen mit Beschäftigten. Laut Polizeisprecher Peter Krämer war in dem Container vor allem Asche sowie "vereinzelt kleine Knochenstücke, die nicht zur Gänze verbrannt waren".

Am Mittwoch, 3. Juni, schickte die Polizeiinspektion eine Ordnungswidrigkeitenanzeige an das Landratsamt, das für die Kontrolle einer Verbrennungsanlage zuständig ist. Ein Mitarbeiter der Behörde sah dort am 4. Juni nach dem Rechten, konnte laut Landratsamtssprecher Harald Herrle aber nur noch feststellen, dass die beschriebenen Überreste vonseiten des Krematoriums "fachgerecht beseitigt" worden waren. Das Landratsamt habe darauf verzichtet, ein Bußgeld zu verhängen, da sich das Unternehmen noch nie etwas Ähnliches habe zuschulden kommen lasse.

Noch nie auffällig

Teile der Kontrollaufgaben liegen laut Herrle auch bei der Gemeinde Hohenburg. "Wir sind für den Urnenwald der Firma zuständig", sagt Bürgermeister Florian Junkes dazu. Er sei ein bis zwei mal die Woche dort und komme oft auch unverhofft vorbei. Niemals seien ihm da irgendwelche Missstände aufgefallen. "Das ist eines der Vorzeigeprojekte bei mir in der Gemeinde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da was im Argen liegt", hält Junkes unsaubere Machenschaften für ausgeschlossen.

"Wir waren noch nicht fertig, das ist das Problem", beschreibt Gerhard Büttner, einer der beiden geschäftsführenden Inhaber der Feuerbestattung Hohenburg, aus seiner Sicht das Dilemma an der Geschichte. Bei der Revision des Ofens sei durch den Abkühlvorgang dessen Gewölbe zusammengebrochen. Nach acht Jahren Betrieb sei dort der Schamott nicht mehr 40, sondern nur noch 15 Zentimeter stark gewesen.

Schwer zugängliche Ecken

Diesen Bauschutt hätten die Arbeiter der damit beauftragten Firma mitsamt dem bei der Reinigung angefallenen Staub und Ruß in den Container getan. Darunter hätten sich auch Knochenteile befunden, die in schlecht zugänglichen Bereichen des Ofens lagen. "Das kann man im Rahmen der Verbrennungsvorgänge nicht ausschließen. Man kommt nicht in jedes Eck", erklärt Büttner dazu. An der grün-grauen Verfärbung habe man später sehen können, dass die Knochen schon oxidiert gewesen seien, was darauf schließen lasse, dass sie schon sehr lange an diesen Stellen lagen.

Zuerst aussortieren

Die Arbeiter der Fremdfirma hätten den Inhalt des Containers insgesamt entsorgen wollen, sagt Büttner. Er habe aber vermutet, dass unter der Asche noch Knochen seien, die man zuerst aussortieren müsse. "Die kann man nicht einfach so entsorgen, die muss man bestatten." Er habe den Arbeitern deshalb gesagt, sie sollten den Container stehen lassen. Offen sei er gewesen, weil sich ein Wolkenbruch angekündigt habe - und mit dem habe er, so Büttner, die Hoffnung verbunden, dass der Regen die Knochen unter der Asche freilegen werde, damit man sie am Montag leichter entnehmen könne.

Nach dem Anruf der Polizei habe er den Container sofort abdecken lassen und aus dem öffentlich zugänglichen Bereich geschafft. Die Knochen habe man dann am Montag aussortiert und im Urnenwald in dem dafür vorgesehenen Abschnitt anonym beigesetzt. Laut Büttner macht man das auch mit Material so, das bei der Verbrennung anfällt und nicht mehr zuzuordnen ist - von der Menge her etwa eine Urne pro Jahr.

Was ist mit den Blechfässern?

Und was ist mit den Blechfässern, die zuerst offen rumstanden und dann am 30. Mai abtransportiert wurden? "Die haben wir während der Revision aus dem Keller rausgestellt, weil wir keinen Platz hatten und nicht wussten, wohin damit", erklärt Büttner. Sie enthielten Sorbalit, eine Mischung aus Aktivkohle und Löschkalk. Das blase man durch den Abgasstrom, damit sich das stark flüchtige Material dort anlagere. Die Teilchen würden dann schwerer, fielen aus und würden in Fässern gesammelt, bis eine Ladung von 86 Fässern zusammenkomme, die dann eine Fachfirma entsorge. Als ihm am 30. Mai die Arbeiter erzählt hätten, es schleiche jemand mit einer Kamera auf dem Gelände herum, habe er angeordnet, die Fässer wieder wegzuschließen, weil jemand, der sie unsachgemäß öffne, sich durch die Giftstoffe darin verätzen könne.

Landratsamt kontrolliert

"Wir wollen nichts verstecken und verbergen", beschreibt Büttner seine Unternehmensphilosophie. "Bei uns muss alles transparent sein." Also akzeptiere er auch, dass am Freitag wieder Mitarbeiter des Landratsamtes im Krematorium waren und sich alles angeschaut haben. Er sieht aber auch eine Ironie der ganzen Geschichte: Erst seine Sorgfalt im Umgang mit den Knochenresten habe ihm die Verdächtigungen eingebrockt. Also dass er darauf bestanden habe, den Bauschutt vor dem Abtransport genau zu durchsuchen. "Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre der Container am Freitag schon weg gewesen und ich müsste heute dazu keine Erklärungen abgeben."
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