Sebastianiprozession erinnert an ein schlimmes Kapitel der Ortsgeschichte
Hohenburger halten ihr Gelübde von 1771

Auch das gehört zum Sebastianiumzug in Hohenburg: Während der Fahnenmarsch erklingt, rücken die Fahnenabordnungen im Laufschritt in ihre Vereinslokale ein. Das geht auf eine alte Wette zurück, wer schneller sei - die Musikanten oder die Fahnenträger. Der Verlierer zahlte die Zeche.
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Hohenburg
24.01.2016
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Hohenburg. Die Sebastianiprozession in Hohenburg gehört zu den ältesten gelebten christlichen Bräuchen in unserer Region. Seit 1771 befolgen die Hohenburger das damals gegebene Versprechen, zu Ehren des Pestheiligen St. Sebastian eine Statue an seinem Namenstag, in späteren Jahren dann am darauffolgenden Sonntag, in einer feierlichen Prozession durch den Markt zu tragen - egal, wie das Wetter auch sein mag.

Begleitet wurde die Heiligenfigur auch gestern von Pfarrer Hans Jürgen Zeitler mit dem Allerheiligsten unter dem Himmel, wie dies sonst nur an Fronleichnam zu sehen ist. Dazu gesellten sich die Trachtenkapelle, Bürgermeister Florian Junkes samt Marktrat, Vereinsabordnungen und die Bevölkerung.

1770 hatte es im Lauterachtal eine Missernte gegeben. Deshalb wütete in den beginnenden Wintermonaten wegen fehlender Nahrungs- und Futtermittel der Hungertyphus im Markt. Die Pest kam dazu und auch von einem gewaltigen Viehsterben berichtet die örtliche Geschichtsschreibung. Hilfe von auswärts war nicht zu erwarten: Selbst die Kammern des bischöflichen Hofkastens (jetziges Rathaus) sollen damals leer gestanden haben.

In ihrer Not wandte sich die Bürgerschaft an den viel verehrten Pest-Heiligen Sebastian mit dem Gelübde, an seinem Namenstag eine Statue in einer feierlichen Prozession durch den Markt zu tragen, damit dieser für immer von weiterem Unheil verschont bleiben möge.

Der 20. Januar, der Namenstag des Pest-Heiligen, ist in Hohenburg schon immer ein Festtag gewesen, daran erinnern sich die Altvorderen im Ort. Bis weit in die 50er-Jahre wurden auch die Zunftstangen bei der Prozession mitgetragen. Die Träger der Sebastiani-Statue, meist ehemalige Ministranten, haben damals 50 Pfennig aus der Gemeindekasse erhalten. "Die Träger der Hohenburger Zunftstangen wurden aus den jeweiligen Zunftkassen entlohnt." Seit 13 Jahren gehört Sebastian Weber zum Kreis der Sebastianiträger, seit zehn Jahren sind Andreas Dieling und Alexander Dieling in diesem Amt und seit vier Jahren Manuel Wittl.

Noch 1930 war die Statue des Heiligen Sebastian an diesem Festtag mit Silberketten und Taler behängt und die "Trage mit Papierblumen und bunten Christbaumkugeln" verziert, schreibt der Hohenburger Heimatchronist Friedrich Spörer in seinen Aufzeichnungen. In all den Jahren seit Bestehen des Brauchs fiel der Umzug nur einmal aus: 1942 war er wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" verboten.

Dasuffana WastlManchmal gab es in Hohenburg einen "dafrornan", manchmal auch einen "dasuffan Wastl" am Gelübdetag - eine Besonderheit des Sebastianifests, die nicht nur mit der Witterung zu tun hat, sondern auch mit einer Wette.

Bis zur Ablösung des Truppenübungsplatzes 1951 war es noch üblich, dass auch die Bauern bis aus Lutzmannstein, Weidenhüll, Griffenwang und Hausen mit Schlitten oder Schetzen, je nach Witterung, zum Sebastianifest nach Hohenburg kamen. Zu dessen weltlichem Teil wurde dann auch kräftig eingekehrt und mit Musik von Wirtshaus zu Wirtshaus gezogen. Gehalten hat sich davon bis heute, dass am Ende der Prozession die Trachtenkapelle den Fahnenmarsch spielt, erzählt deren Vorsitzender Markus Mitschke: "Hintergrund ist eine lange zurückliegende Wette, wer wohl eher im Wirtshaus sein würde - die Fahnenträger mit ihren Vereinsfahnen, oder die Musiker der Trachtenkapelle".

Vor ein paar Jahren hat man den Fahnenträgern einen Streich gespielt und sie ins Leere laufen lassen: Damals spielte nur die Hälfte der Musiker zum Marsch auf. So konnte der andere Teil, so schnell es ging, schon ins Wirtshaus einrücken. (bö)


Der heilige SebastianDer Legende nach bekannte sich Sebastian, ein Offizier der römischen Garde, öffentlich zum Christentum, worauf Kaiser Diokletian ihn zum Tode verurteilte und von nudischen Bogenschützen erschießen ließ. In dem Glauben, er sei tot, ließ man ihn liegen. Sebastian wurde von Irene, der frommen Witwe des Märtyrers Castulus, gesund gepflegt. Er trat dem erstaunten Kaiser entgegen, um ihm die Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen zu erschlagen. Seinen Leichnam warf man in einen Abflussgraben in der Nähe des Tiber, aus dem er von Christen geborgen und beerdigt wurde. Er ist der Schutzheilige gegen die Pest, Patron der Sterbenden, Eisenhändler, Töpfer, Gärtner, Gerber, Bürstenbinder, Schützenbruderschaften, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze und Leichenträger. Außerdem gilt er als der Schutzheilige der Münchner Polizei sowie der Stadt- und Gemeindepolizisten in Italien. (bö)
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