Stettkirchener Wallfahrtskirche
Das Rätsel der 150 Gräber

Vermischtes
Hohenburg
25.02.2016
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Die Sonne hat ihren Tiefststand mit der Wintersonnenwende wieder verlassen. Dennoch wirft der Turm der Stettkirchener Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung noch einen langen Schatten über die Staatsstraße, hinein in den Berghang. Und zeigt direkt auf eine Besonderheit im Halbdunkeln.

Der Schatten liegt genau über der Stelle, wo man bei Bauarbeiten im Jahr 2011 an der vorbeiführenden Staatsstraße 2235 auf eine historische Begräbnisstätte gestoßen ist. Dieser Friedhof dürfte aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammen, so geben es die wissenschaftlichen Untersuchungen an.

Seltene Grabbeigaben


Die im Mai 2011 als Grabbeigaben gefundenen Bronzeohrringe sind wahrscheinlich slawischen Ursprungs - und eine Seltenheit unter den normalerweise beigabelosen Gräbern. Eine nicht verifizierte Theorie ordnet den Schmuck Dienstpersonal der nahen Hohenburg zu, das slawische Wurzeln hatte.

Es könnte aber auch sein, dass in Stettkirchen frühere Bewohner des Lauterachtales, oder noch wahrscheinlicher, der angrenzenden Jura-Hochebene, dort beerdigt worden sind. Bei diesem Thema tappt man bislang noch völlig im Dunkeln. Archäologen fanden bei ihren Ausgrabungen in diesem Gebiet auch ein weibliches Skelett mit sogenannten Schläfenringen. Diese datieren ihre Trägerin relativ problemlos auf das 8. oder 9. Jahrhundert und ordnen sie dem Grenzbereich zwischen dem fränkischen und dem slawischen Kulturkreis zu. Im Grab eines 10- bis 15-jährigen Mädchens entdeckte man sogar silberne Ohrringe, deren Motive und Bearbeitungstechniken in Richtung Byzanz weisen.

Funde nicht erfasst


Bei einer Bestandsaufnahme vor fünf Jahren hatte man etwa 150 Gräber lokalisieren können, die teilweise bis unter die im 15. Jahrhundert erweiterte Wallfahrtskirche reichen. Viele Skelette wurden bereits beim Bau der jetzt erneuerten Straße durch das Lauterachtal 1906 entdeckt und fuderweise abgefahren, wie es in alten Chroniken heißt. Das geschah natürlich, ohne sie wissenschaftlich zu erfassen.

Offenbar war der Friedhof schon vergessen, als die Kirche im 15. Jahrhundert entstand. Teilweise liegen die Skelette heute noch direkt unter den Fundamenten, wie sich bei Sanierungsarbeiten am Gotteshaus 1973 gezeigt hat. So steht die Wallfahrtskirche inmitten der Knochen der einstigen Begräbnisstätte.

Doch woher stammen die vielen Beerdigten? Es müsste wohl eine größere Siedlung dahinter gestanden haben. Waren es Bewohner und Hörige der benachbarten Burganlage in Hohenburg, oder eine bisher unbekannte Höhensiedlung, die bisher nicht entdeckt wurde? Die Antwort hält der Schatten der Zeit bis heute verborgen.



Die Wallfahrtskirche von StettkirchenWann und auf wessen Initiative die Stettkirchener Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung erbaut wurde, ist bis heute unbekannt. Urkundlichen Belege fehlen.

Die volkstümliche Überlieferung führt die Entstehung auf eine Schlacht zurück, die im Jahr 976 zwischen Kaiser Otto II. und Heinrich II., dem Zänker, im sogenannten Blutgraben unterhalb von Mendorferbuch im Wald geschlagen wurde. Damals soll der Kaiser seinen Feldherrnstab in die Erde gestoßen und für den Fall seines Sieges den Bau einer Kirche an dieser Stelle gelobt haben. Diese sollte Stehtkirchen heißen. Für Kaiser Otto II. ging das Gefecht tatsächlich siegreich aus und er soll sein Versprechen eingelöst haben.
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