Verfahren gegen Betreiber des Hohenburger Krematoriums eingestellt
Keine Buße für Asche-Fehler

Das Gebäude der Feuerbestattung Hohenburg. Archivbilder: Huber, Hartl
Vermischtes
Hohenburg
23.12.2015
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Ein Blick in den Verbrennungsofen in der Bauphase im Jahr 2008.

Das Landratsamt hat das Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Betreiber des Hohenburger Krematoriums eingestellt. Ihnen war vorgeworfen worden, bei der Entsorgung von Resten aus dem Verbrennungsvorgang sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

"Nachgewiesen werden konnte letztlich nur die kurzzeitige Lagerung von Ascherückständen und kleinen Knochenteilen in einem nicht abgedeckten und der Öffentlichkeit zugänglichen Container", heißt es in einer Erklärung aus dem Landratsamt. Die Behörde bewertet das als "geringfügigen Verstoß ..., den die Betreiber eingeräumt und im Zusammenhang mit der Revision des Verbrennungsofens begründet haben". Da der Betrieb dort "ansonsten ... reibungslos und beschwerdefrei" gelaufen sei, habe man "nach Ausübung pflichtgemäßen Ermessens" das Verfahren eingestellt.

"Kein Anfangsverdacht"


Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier, der zwischenzeitlich mit der Angelegenheit befasst war, kann diese Begründung nachvollziehen und erläutert, was nach "pflichtgemäßem Ermessen" bedeutet: "Man kann diese Sache weiterverfolgen, muss es aber nicht." Strohmeier sah bei der ganzen Geschichte schon nach der ersten Prüfung den "Anfangsverdacht einer Straftat nicht gegeben". Voraussetzung dafür wäre hier eine "absichtliche, bewusste Herabwürdigung", präzisierte er am Dienstag auf AZ-Nachfrage. Und die könne er nicht erkennen.

Da auch Strohmeier keine Notwendigkeit für weitere Ermittlungen sieht, geht mit dieser Entscheidung des Landratsamtes eine Geschichte vorläufig zu Ende, die sich über ein halbes Jahr hingezogen hatte.

Ausgelöst hatten sie Ende Mai Knochenteile ("Leichenteile") und Asche in einem von Fliegen umschwirrten Bauschutt-Container auf dem Gelände vor der Verbrennungsanlage. Die Polizei hatte das nach dem Anruf eines Zeugen dokumentiert und das Landratsamt informiert - die "zuständige Verfolgungsbehörde einer Ordnungswidrigkeit nach dem Bestattungsgesetz".

Mitarbeiter von Landratsamt und Gesundheitsamt kontrollierten daraufhin das Gelände, stellten dabei aber laut Pressesprecherin Christine Hollederer "keine Zustände fest, die nicht den bestattungsrechtlichen Vorgaben entsprachen". Nachdem die Ordnungswidrigkeiten-Anzeige der Amberger Polizeiinspektion wegen der Knochenteile im Container eingegangen war, leitete das Landratsamt aber trotzdem ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen die Betreiberfirma ein.

Wo blieben Leichenteile?


Der Hohenburger Ulrich Hager hatte als Sprecher mehrerer Bürger die Staatsanwaltschaft angeschrieben und sie gebeten, hier zu ermitteln. Es sei unbedingt zu klären, wie Leichenteile in einen "auf öffentlichem Grund abgestellten Bauschutt-Entsorgungs-Container" kämen und wo dieser geblieben sei. In dem Schreiben klang auch an, dass es wirtschaftliche Gründe geben könne, auf die Phase der sehr hohen Temperaturen beim Verbrennungsvorgang zu verzichten, wodurch sich möglicherweise die nicht vollständige Mineralisierung der in dem Container entdeckten Leichenteile erkläre.

Den Erklärungen von Krematoriums-Geschäftsführer Gerhard Büttner schenkte Hager keinen Glauben. Büttner hatte die zeitweise Container-Lagerung mit einem bei der Revision zusammengebrochenen Ofengewölbe erklärt. Dadurch hätten Arbeiter einer damit beauftragten Firma sowohl Steine, Schamott, Ruß und Staub als auch einige darin verborgene menschliche Überreste aus dem Verbrennungsvorgang in den Container entsorgt. Die Knochenteile seien dann aber aussortiert und anonym beigesetzt worden. Hager sprach dagegen von einem "unverbrannten, mit Unmengen von Fliegen und Maden besetzten Leichenteil", dessen Zustand eindeutig belege, "dass es keinem Einäscherungsprozess unterzogen wurde".

Keine Störung der Totenruhe


Oberstaatsanwalt Strohmeier hatte schon im August keinen "Anfangsverdacht einer Straftat" erkannt. "Störung der Totenruhe kommt nicht in Betracht", lautete seine Einschätzung. Auch lägen keine Hinweise oder gar Belege vor, dass im Krematorium aus wirtschaftlichen Gründen der Verbrennungsvorgang verkürzt worden sei. Den Anfangsverdacht auf eine Ordnungswidrigkeit sah Strohmeier dagegen sehr wohl. Zum Beispiel auf "Störung des Kremierungsablaufs". Diese Störung könnte, so erläuterte er, zu einer nicht ordnungsgemäßen Verbrennung geführt haben, wonach die fraglichen menschlichen Überreste in dem Container zwischengelagert worden seien, darunter auch Teile, die schon sehr lange im Ofen lagen.

Neues ergab sich Ende September, als zwei Hohenburger im Landratsamt auftauchten und von einem Blechfass in ihrem Besitz berichteten, das Asche und andere Beweisstücke aus der gestoppten Entsorgungsaktion vom Mai enthalte. Das Landratsamt möge doch dieses Material untersuchen. Die Polizei stellte das Fass sicher, doch die vom Landratsamt ins Boot geholte Staatsanwaltschaft konnte darauf keine grundlegende Neubewertung des Sachverhalts aufbauen.

Zum einen war laut Auskunft von Oberstaatsanwalt Strohmeier "unklar, wie das Fass an den Auffindeort gelangt war". Zum anderen habe sich nicht ausschließen lassen, dass "dritte Personen" etwas am Inhalt verändert hätten. "Viel Qualm um relativ wenig", lautet also Strohmeiers Bilanz der ganzen Vorgänge. Der Inhalt des Fasses sei inzwischen "schicklich entsorgt" worden. (Hintergrund)

BußgeldverfahrenBei dem Bußgeldverfahren des Landratsamtes gegen die Betreiberfirma des Hohenburger Krematoriums wegen einer möglichen Ordnungswidrigkeit nach dem Bestattungsgesetz wäre ein Bußgeld bis zu 1000 Euro möglich gewesen. Das droht jedem, "der in einer nicht zugelassenen Art und Weise Leichen bestattet oder bestatten lässt oder einäschert oder einäschern lässt". Der Abschluss des Verfahrens hat sich laut Christine Hollederer länger hingezogen, weil dafür die Abteilung für Personenstand und Ausländerrecht zuständig ist, die sich auch um Flüchtlinge und Asylbewerber kümmern muss. (ll)

Unruhe im HvO-Förderverein

Hohenburg. (ll) Die Vorwürfe gegen das Krematorium haben auch Unruhe in den Förderverein Helfer vor Ort (HvO) Hirschwald gebracht, dessen Vorsitzender Ulrich Hager ist. Der Hohenburger Bürgermeister Florian Junkes hatte Hager laut Bericht der "Süddeutschen Zeitung" als den Mann ausgemacht, der (ungerechtfertigt) die ganze Sache ins Rollen gebracht habe, und als einen, "der schon immer stänkert", bezeichnet.

Dass Junkes trotz schriftlicher Einladung Hagers im November nicht zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins gekommen war und auch keinen Stellvertreter geschickt hatte, führt Hager auf diese Einschätzung des Bürgermeisters zurück. In der Versammlung wertete er das Fernbleiben als "Interesselosigkeit". Diese Aussage habe bald zu persönlichen Angriffen auf ihn geführt, sagte Hager gegenüber der AZ. Es sei sogar zu Austritten aus dem Verein gekommen, bei denen diese "Attacken" als Grund genannt wurden.

"Da ist der Gesamteindruck entstanden: Ulrich Hager ist der Böse", meint der 73-Jährige. Dabei habe er weder die ursprünglichen Beobachtungen rund ums Krematorium noch die Fotos vom Inhalt des Containers gemacht und auch keine Anzeige erstattet. Er sei lediglich von anderen Hohenburger Bürgern über deren Beobachtungen im Umfeld des Krematoriums informiert worden und habe die damit verbundenen Vorwürfe als so schwerwiegend eingeschätzt, dass er den Kontakt zur Presse hergestellt habe, damit die Öffentlichkeit informiert und die Aufklärung vorangebracht werde. (Anmerkung der Redaktion: Diese Rollenverteilung beim Gespräch mit den Informanten kann die AZ bestätigen.)

"Ich war ja gar nicht der Initiator der ganzen Geschichte", sagt Hager und hofft, dass er mit dieser Klarstellung "übelste Nachreden" und die Unruhe nicht nur im HvO-Verein beenden kann. (ll)

Kurz notiert

Wertstoffhöfe geschlossen

Amberg-Sulzbach. Das Amt für Abfallwirtschaft weist darauf hin, dass morgen und am Donnerstag, 31. Dezember, (Silvester) die Wertstoffhöfe geschlossen sind.
Viel Qualm um relativ wenig.Bilanz von Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier
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