Panzerbrigade 12 übt mit US-Kavallerie
Deutscher Flankenschutz für US-Truppen

Der amerikanische Soldat zielt auf das Nachbarhaus. Dort haben sich feindliche Soldaten verschanzt, die die von den Italienern angeführte Koalition in dieser Übung in Hohenfels vertreiben will. Bild: paa
Politik
Hohenfels
28.01.2016
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Die Männer in der dunkelblauen Uniform sind zwar amerikanische Soldaten, doch bei den Übungen spielen sie den Gegner. Bild: paa

Vor neun Jahren stürmten amerikanische und russische Soldaten noch gemeinsam ein Haus auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Daraus sollte eine Partnerschaft erwachsen. Es ist anders gekommen. Heute dienen Übungen wieder der Abschreckung Russlands.

Ein Soldat stürmt voran. Erst stehen zwei, dann drei und schließlich fünf Männer im Innenhof. Ihr Blick geht nach rechts, nach links und nach oben. Über den Lauf ihrer Gewehre hinweg sondieren sie die Umgebung. Schüsse hallen durch den Ort. Kommandos erschallen. Wenige Sekunden später sind die Soldaten auf dem Flachdach - einer eröffnet über die hüfthohe Mauer hinweg das Feuer auf das Nachbarhaus. Dort haben sich die Feinde verschanzt.

Es ist wieder Manöverzeit auf dem US-Truppenübungsplatz Hohenfels (Kreis Neumarkt). Seit Anfang Januar nehmen rund 2200 Soldaten aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada, Lettland, Slowenien und den USA auf Einladung des US-Heeres an der Übung "Allied Spirit IV" teil. Erstmals sind dazu Einheiten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg dem Partnerverband, dem 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) unterstellt.

Vor einem Jahr, bei der Gefechtsübung "Grantiger Löwe" der Panzerbrigade auf dem Truppenübungsplatz Bergen, war es noch anders herum. Damals war eine US-Kompanie mit ihren Radpanzern vom Typ "Stryker" den "Zwölfern" unterstellt. Diese Zusammenarbeit soll fortgesetzt und noch weiter ausgebaut werden, sagt Brigadegeneral André Bodemann, der Kommandeur der "Zwölfer".

Strykern unterstellt


Die rund 200 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach und des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd (beide Kreis Schwandorf) geben an diesem Tag Flankenschutz. Die Deutschen haben zehn Schützenpanzer vom Typ "Marder" und vier Kampfpanzer von Typ "Leopard" mit nach Hohenfels gebracht. Sie sind damit in der Übung die am stärksten gepanzerte Einheit mit der größten Feuerkraft. Die US-Soldaten erstürmen das Dorf. Keine leichte Aufgabe. Im Ort, der von feindlichen Kräften besetzt wurde, sind Zivilisten eingeschlossen. Immer wieder sind deren Hilferufe zu hören. Schließlich gelingt es, den Ort zu befreien.

Hilfe gegen Invasoren


Das Szenario: Die Nato hat sich entschlossen, einem Land zu Hilfe zu eilen, das völkerrechtswidrig von einem Nachbarstaat überfallen wurde. Der Gegner sind nicht nur reguläre Truppen, sondern Aufständische und Terroristen. Letzteres kennen viele Soldaten aus Einsätzen in Afghanistan oder im Irak. Diese gemeinsame Erfahrung soll bewahrt werden. Zudem wollen und müssen alle Nato-Partner die konventionelle Kriegsführung wieder lernen und üben. In die Szenarien werden von den amerikanischen Manöverplanern Lehren aus vielen Einsatz- und Kriegsgebieten eingearbeitet, darunter auch, was ukrainische Soldaten etwa über russisches Artilleriefeuer berichten.

Alle Einheiten, darunter auch US-Fallschirmjäger aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN), sind in der Übung einem italienischen Brigadehauptquartier unterstellt. Diese wiederum wird von einem Divisionsstab geführt, der von Soldaten aus Lettland und von der Nationalgarde aus dem US-Bundesstaat Michigan gebildet wird. Beide pflegen seit langem eine enge Partnerschaft.

Anstoß zur Modernisierung


Es ist zwar keine Nato-Übung, aber sie lehnt sich an Prozeduren der Allianz an. Diese sollten alle beherrschen, trotz ihrer nationalen militärischen Kulturen. Das US-Heer ist mit "Allied Spirit" ein Taktgeber, um die Allianz zu modernisieren. Noch immer gilt: Alle wollen mit dem großen Verbündeten von jenseits des Atlantiks mithalten - auch wenn das so keiner sagen würde. Das Problem ist nicht das babylonische Sprachgewirr. In der Nato ist Englisch Arbeitssprache. Probleme bereitet unter anderem die technische Kommunikation.

Das große Ziel, das alle teilen, lautet: Einsatzbereitschaft. Das soll zur Abschreckung beitragen. Der Empfänger dieser politischen Botschaft regiert in Moskau. Dies wird sowohl bei der Nato, als auch beim europäischen Oberkommando der US-Streitkräfte in Stuttgart unterstrichen.

Bundeswehr-Video zu Allied Spirit IV






"Allied Spirit"Das Oberkommando des US-Heeres in Europa lädt regelmäßig zu den Übungen "Allied Spirit" in das amerikanische Multinationale Gefechtsübungszentrum (JMRC, Joint Multinational Readiness Center) nach Hohenfels (Kreis Neumarkt) ein. Ziel ist es, die Interoperabilität, das heißt, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit zwischen den Truppen der Nato-Länder und weiterer US- Verbündeter zu stärken. Es geht darum, die Abläufe abzustimmen, die Technik zusammenzuführen, etwa bei der Kommunikation, und die Taktik anzupassen. Die Zahl der Teilnehmer schwankt zwischen knapp 5000 und rund 2200 wie bei der laufenden Übung "Allied Spirit IV" (10. Januar bis 5. Februar 2016). Diesmal sind Truppen aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada, Lettland, Slowenien und den USA dabei. (paa)

US-Armee Video über das 2. US-Kavallerieregiment in Hohenfels


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