Guthaben sinkt um 80 Prozent

Lokales
Illschwang
31.03.2015
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Der Diakonieverein sah sich nicht in der Lage, die Trägerschaft des Mehrgenerationenhauses (MGH) fortzuführen, und die Gemeinde lehnte es ab, einzuspringen: Seit dem 31. Dezember ist es geschlossen. Tische, Büromöbel und Drucker gibt es gegen Spenden.

"Genaue Überprüfungen der finanziellen Unterlagen im Januar und Februar diesen Jahres haben keine Unregelmäßigkeiten bei der Abwicklung der Finanzgeschäfte des Mehrgenerationenhauses in Illschwang ergeben." Diese Aussage traf der Vorsitzende, Pfarrer Thomas Schertel, bei der Jahreshauptversammlung des Diakonievereins Illschwang/Kastl im evangelischen Gemeindehaus.

Verhältnis "abgekühlt"

Im Rückblick auf das vergangene Jahr sprach Pfarrer Schertel davon, dass sich das Verhältnis zwischen dem Verein und dem MGH immer mehr abgekühlt habe. Als Beispiel erwähnte er die kurzfristige Absage von Musikgruppen beim Gemeindefest. Bürgermeister Dieter Dehling vermittelte ein Gespräch. Es führte zu der Übereinkunft, dass die Gemeinde Illschwang im Verbund mit ihren Nachbarn die Trägerschaft übernehmen würde, wenn das finanziell zu leisten sei.

Einsicht erst im September

Der Leiter Helmut Kellner sollte eine Aufstellung der Finanzen vorlegen. Die übermittelten Zahlen seien allerdings zu unpräzise gewesen. Erst Ende September habe der Diakonieverein die Kontoauszüge einsehen können. Es habe sich gezeigt, dass der bisherige Träger nicht mehr in der Lage sei, das MGH zu erhalten. Einem Nachfolger habe er einen jährlichen Zuschuss von 2500 Euro in Aussicht gestellt.

Ende September kündigte der Verein den Mietvertrag für das frühere Gasthaus Neuberger und das Arbeitsverhältnis mit dem Leiter des MGH. Dagegen erhob Helmut Kellner eine Klage, die im Februar 2015 mit einem Vergleich endete. In der Oktobersitzung lehnte der Gemeinderat einstimmig die Trägerschaft ab.

Pfarrer Schertel war froh, dass die meisten Gruppen in der Schule oder im Gemeindehaus untergekommen sind und die Leiterinnen diese Angebot in eigener Regie gestalten. Auf der Strecke geblieben seien offene Angebote wie der Seniorentreff, das Karteln oder der Mittagstisch.

Helmut Kellner habe als Leiter des MGH viel Positives angestoßen, betonte Schertel: "Er konnte Veranstaltungen gut organisieren und ging auf die Bedürfnisse der Teilnehmer ein. Er hat für die Einrichtung Sach- und Geldspenden in erheblichem Umfang erreicht." Die Ausweitung der Angebote, der Wegfall der Zuschüsse der Gemeinden Kastl und Weigendorf, der Umzug ins Gasthaus Neuberger und der Rückgang der Spenden hätten es dem Diakonieverein allerdings unmöglich gemacht, Träger des MGH zu bleiben.

Im Zusammenhang mit den Turbulenzen um das MGH kehrten im Lauf des Jahres 2014 insgesamt 29 Mitglieder dem Diakonieverein den Rücken. Ende 2014 gehörten ihm noch 160 Personen an.

Dramatischer Rückgang

Kassier Hans Schmid zeigte einen dramatischen Rückgang des Guthabens auf: Es schmolz von 41 479 Euro Anfang 2014 bis zum Jahresende auf 8057 Euro zusammen. Die Kassenprüfer Georg Bär und Helmut Luber bestätigten die ordnungsgemäße Abwicklung der Geschäfte, womit der Vorstand entlastet werden konnte.

Bürgermeister Dieter Dehling verteidigte die einstimmige Ablehnung der Trägerschaft durch den Gemeinderat. Die vorgelegten Unterlagen zur Situation des MGH seien nicht vollständig gewesen. "Wir wollten uns auf kein finanzielles Abenteuer einlassen", erklärte er. Den vorgeschlagenen Kompromiss einer Halbtagesbeschäftigung habe Helmut Kellner kategorisch abgelehnt. Sein Engagement im Mehrgenerationenhaus verdiene jedoch Lob. Erfreut zeigte sich Dehling, dass es in Zukunft Diakonienachmittage in ökumenischer Runde gibt.

Tische, Büromöbel und Drucker aus dem MGH sind bei den Familien Dehling und Schwabe in Ritzenfeld eingelagert. Sie werden bis Ende April gegen eine Spende abgegeben, teilte Pfarrer Schertel mit. (Zeittafel)
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