Kater nach dem Hopfen-Rausch

Illschwanger Hopfen gibt dem dunklen, vollmundigen Bier seine Würze. Die Besucher des Hopfenfestes im Nägerlsaal ließen es sich gut schmecken. Bilder: no (2)
Lokales
Illschwang
01.10.2015
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Bayern und das Bier: Das gehört immer schon untrennbar zusammen, meinen viele. Und irren sich, denn viele unserer Vorfahren griffen einst lieber zum Wein. Wann sich das änderte und was die Hanse damit zu tun hat, war im Illschwanger Hopfenstadel ein Thema.

Auch wenn der Hopfen in der Hersbrucker Gegend seine Glanzzeiten schon lange hinter sich hat, lässt der Gartenbauverein Illschwang die alte Tradition des Anbaus und der Ernte dieser Pflanze Jahr für Jahr wieder aufleben. Zum krönenden Abschluss feiert er das Hopfenfest. Einer seiner Höhepunkte war heuer ein geschichtlicher Vortrag von Kreisheimatpfleger Dieter Dörner. Der Hopfenstadel bot dafür den idealen äußeren Rahmen.

Unter den Zuhörern war der Bräu Arno Diener aus Amberg, der für den Gartenbauverein das Illschwanger Hopfenbier braut. Natürlich wurde es zum Fest ausgeschenkt.

Einflüsse des Klimawandels

In unserer Region war im 11. Jahrhundert erstmals vom Bierbrauen die Rede. Mitte des 14. Jahrhunderts wurden die ersten Braustätten erwähnt. Bayern war in diesen Zeiten Weinland. Als Hopfenland galt damals Norddeutschland, das durch die Hanse ungeahnte Handelsmöglichkeiten besaß. Mit dem Niedergang dieses Verbunds kam im 15. und 16. Jahrhundert die Wende. Auch Klimaveränderungen spielten eine Rolle.

Das obergärige Bier wurde im Mittelalter unter Verwendung von Weizen gebraut. Mit dem Reinheitsgebot von 1516 kam die Vorschrift, dass zum Brauen nur Gerste und Hopfen verwendet werden durften. Zunächst zeigten die Bauern wenig Neigung zum Einstieg in den Hopfenanbau, da er sehr arbeitsintensiv war. Großteils kam die verwendete Würze aus Böhmen. Die Sulzbacher Hopfengärten umfassten nach Dörners Worten damals gerade 15 Tagwerk.

Dies änderte sich im 18. Jahrhundert, als die Bauern merkten, dass mit Hopfen weit mehr Geld zu verdienen war als mit Getreide. Im Oberpfälzer Jura entstanden zahlreiche Pflanzungen. "Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab das Bezirksamt Sulzbach die Gesamtgröße aller Hopfengärten mit 308 Hektar an", sagte Dörner. Allerdings folgte auf diesen Rausch der Kater. Gründe sah der Kreisheimatpfleger in den besseren Böden der Hallertau und der Möglichkeit, dort größere Anbauflächen zu schaffen.

Draht hängt die Stange ab

Es gab in Niederbayern bereits die Drahtkultur, während in der Oberpfalz noch die arbeitsintensivere Stangenkultur dominierend war. Im Frankenland hat Spalt sein Hopfenanbaugebiet erhalten. 85 Prozent des deutschen Hopfens kommt heutzutage aus der Hallertau.

Der Vorsitzende, des Gartenbauvereins Illschwang, Lorenz Geitner, zeigte sich erfreut über den sehr guten Zuspruch beim Hopfenfest am Sonntag. Nicht nur der Saal des Landhotels Weißes Ross war voll besetzt, viele suchten sich bei schönem Herbstwetter einen Platz im Hof.

Bienen im Sondereinsatz

Zum Illschwanger Hopfenbier gab es deftige Brotzeiten. Die Besucher konnten auch aus einem reichhaltigen Kuchen- und Tortenbuffet wählen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Bernhard Luber mit passenden Klängen. Die Ehrenvorsitzende Frieda Dehling demonstrierte ihr Geschick am Spinnrad.

Dorothea Wankl aus Neuöd hat heuer, auf Anfrage von Lorenz Geitner, im Hopfengarten vier Bienenvölker aufgestellt, um die Bestäubung der Blüten zu sichern. Sie informierte anschaulich über die Imkerei.

Abstecher in die Hainsburg

25 Erwachsene und fünf Kinder beteiligten sich an einer von Gemeinderat Alfred Ebert geführten Wanderung in die Hainsburg, die der Gartenbauverein im Rahmenprogramm anbot. Die Teilnehmergebühr beinhaltete natürlich den Gutschein für eine Halbe Hopfenbier.
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