Albert Füracker diskutiert mit Gastwirten und Hoteliers
Der Heimat-Kümmerer bei der Dehoga

Hat die Dehoga im Griff: Staatssekretär Albert Füracker. Bild: Herda
Politik
Illschwang
14.04.2016
86
0
 
Der Heimat-Kümmerer hat Spaß: Albert Füracker fühlt sich bei den Wirten dahoam.

Er wäre ja wirklich gerne zuständig für Hotels und Wirtshäuser, der Herr Staatssekretär aus dem Heimatministerium. Aber seit dem Trassenstreit muss sich Albert Füracker zügeln: "Sonst krieg ich wieder Prügel."

Die Kurve zur Bezirksversammlung des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) ist schnell gefunden: "Das Argument, da bin ich nicht zuständig, trägt nicht", seufzt der Lupburger (Landkreis Neumarkt). "Da kommt dann der Uli Korb und sagt, Sie sind der Oberpfälzer Staatssekretär, Sie müssen sich darum kümmern." Deshalb nimmt sich Minister Markus Söders rechte Hand der Sorgen und Nöte der Gastronomen und Hoteliers an. Oder besser: Er erklärt, warum viele Erwartungen nicht zu erfüllen sind.

Erbschaftssteuer: "Der Bundesgerichtshof hat uns aufgetragen, ,ordnet das neu'." Die Gastwirte machen sich Sorgen, dass die Neufassung das eigene Geschäftsmodell gefährden: "Wenn ein kleiner Betrieb, einen größeren Betrag für die Straßensanierung zahlen und eine Bedienung entlassen muss, kann der Sohn die fällige Erbschaftssteuer nur nachzahlen, wenn er das Gasthaus verkauft." Der Staatssekretär beteuert, Verbesserungen erzielt zu haben. Das Problem werde sein, die Ausnahmen so zu definieren, dass es für alle passt. "Besser wird es nicht."

Registrierkassen: "Die Kassenpflicht wird kommen", macht Füracker den Delegierten keinen Mut. "Wir sind aber der Meinung, dass es Übergangsfristen geben muss, so lange das nicht ausgegoren ist, damit wir euch nicht in Fehlinvestitionen drängen." Man stehe unter riesigem Rechtfertigungsdruck, weil man angeblich zu wenige Steuerprüfer einsetze. Dabei habe die Staatsregierung massiv aufgestockt: "Wir sind aber nicht der Meinung, dass jeder kleine Gastwirt Steuerbetrüger ist."

Gleichbehandlung: Die Gastronomen fühlen sich von zwei Seiten in die Zange genommen - auf der einen vom zweitgrößten Tourismusunternehmen der Welt, Airbnb, auf der anderen von Vereinen: "Es kann nicht sein, dass durch Internetkonzerne Gesetze ausgehebelt werden", klagt ein Hotelier. Und bei allem Verständnis für Vereine: "Auch da muss gelten, wenn sie in unseren Gewässern fischen, müssen die gleichen Regeln gelten." Füracker warnt vor Regelungswut: "Im Zweifel gibt es keine Erleichterungen für Sie, sondern neue Pflichten für alle."

A Hund is a scho

Angemerkt von Jürgen Herda
Der "Nebenerwerbspolitiker und frühere Vollerwerbslandwirt" (Füracker über Füracker) findet in der Oberpfalz den richtigen Ton. Selbst wenn er verkündet, dass er nicht helfen kann, klingt das beim Staatssekretär so, als kämpfe einer von uns für uns. "A Hund is a scho", sagt der Bayer zu so einem bauernschlauen Politiker. Kommt mit leeren Händen und wird noch beklatscht.

Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit: Erstens hat er alle Glanzleistungen seines "Heimatmuseums" von der Breitbandförderung bis zum Regionalmanagement einmal mehr präsentiert. Und zweitens ist der Lupburger ja wirklich eine ehrliche Haut: Er erklärt, dass die Welt nicht so einfach ist, wie wir sie uns schön denken. Wir sind Teil der Regelungswut, die wir beklagen.

juergen.herda@derneuetag.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.