160 Grad unter den Füßen

Unsere Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital der Firma. Deshalb stellen wir für sie so viele Getränke bereit, wie sie benötigen.
Lokales
Immenreuth
04.07.2015
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Temperaturen über 30 Grad, die Sonne brennt vom Himmel. Genau das richtige Wetter, um sich im Freibad zu vergnügen oder an einem See zu entspannen. Die Mitarbeiter der Asphaltkolonne sehen solche Sommertage aber mit gemischten Gefühlen. Die Hitze macht ihre sowieso schon schwere Arbeit noch anstrengender.

Die frische Asphaltschicht flimmert in der Hitze. Schnell verteilt sich ihr Geruch, der so oft auf Oberpfälzer Straßen zu riechen ist. Sauerstoff scheint es hier keinen mehr zu geben . Fünf Männer mit nacktem, gebräunten Oberkörper stehen inmitten dieses Szenarios. Nur kurz verschafft ihnen eine Brise kühler Wind Abhilfe. Schweiß tropft von der Stirn. Auch auf dem Rücken glänzen unzählige Perlen - vermengt mit reichlich schützender Sonnencreme, die im Licht weiß schimmert.

"Das Asphaltieren ist eine der härtesten Arbeiten, die wir machen", erklärt Stefan Kreuzer, Leiter Asphaltkolonnen der Mischanlage Zinst des Bauunternehmens Markgraf. Das Asphaltteam ist auf einer Baustelle in Windischeschenbach - eine Brücke wurde neu gebaut, nun wird der Abschnitt asphaltiert. An der Umleitungsstraße rauschen Autos, Motorräder und Lkws vorbei. Lärm vermischt sich mit der Hitze - das Thermometer hat sich bei 33 Grad eingependelt. An der Baustelle sind es bedeutend mehr. Der Asphalt wird zwischen 160 und 170 Grad angeliefert. Rund 200 Tonnen müssen die Arbeiter an der Baustelle verarbeiten.

Besonders dicke Sohle

"Der Asphalt strahlt noch lange Hitze ab", erklärt Kreuzer. Nach einer Stunde sind es immer noch 126 Grad - auf Kopfhöhe liegt die Temperatur bei 60 Grad. "Normale" Schuhe würden nach etwa zwei Minuten anfangen zu schmelzen. Um dennoch über den Tag zu kommen, haben die fünf ihre Tricks. "Unsere Mitarbeiter tragen Spezialschuhe. Diese haben eine besonders dicke und hitzebeständige Sohle und schützen vor der Hitze des Asphalts." Trotzdem sei es notwendig, die Schuhe alle zwei bis drei Stunden zu wechseln.

In Windischeschenbach hat das Team Glück. Direkt neben der Baustelle fließt ein kleiner Bach - perfekt für eine schnelle Abkühlung zwischendurch. "Diesen Luxus haben wir natürlich nicht überall. Hier können wir die Getränke kühlen und uns ab und zu mal einen Eimer Wasser über den Kopf schütten", lacht Kreuzer. Zudem versuchen die Männer, so früh wie möglich zu beginnen, so dass wir am Nachmittag, wenn die Sonne besonders heiß vom Himmel brennt, Feierabend machen können.

Nachtarbeit wäre eine Option, ist aber nicht bei allen Baustellen möglich. "Dazu bräuchten wir eine Genehmigung, da wir ja innerorts bauen. Das wäre aber vor allem für die Anwohner eine große Lärmbelästigung." Bei derartig großer Hitze versuche man aber, die Baustellen auf zwei Tage aufzusplitten. "Wir tragen jetzt die bituminöse Asphaltschicht an dem einen, die Deckschicht an dem anderen Tag auf. Normalerweise machen wir das alles an einem Tag, aber dafür ist es einfach zu heiß."

Das wichtigste Mittel gegen die Hitze sei, viel zu trinken. "Unsere Mitarbeiter schwitzen am Tag rund fünf Liter aus. Darum ist es wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen." Deshalb stelle das Bauunternehmen seinen Arbeitern auch so viele Getränke zur Verfügung, wie sie benötigen. "Unsere Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital der Firma", betont Kreuzer. Nur einmal habe es einen Zwischenfall aufgrund der Hitze gegeben. "Ein Arbeiter hatte einen leichten Sonnenstich. Wir haben ihn gekühlt, ihm Wasser gegeben. Zum Glück hat er sich schnell erholt." Für solche Fälle stehe ein klimatisierter Team-Bus an der Baustelle. Viele Mitarbeiter seien schon seit Jahren bei der Firma und an die Temperaturen gewöhnt. "Sonnencreme und Kopfbedeckungen, das ist wichtig und erleichtert die Arbeit."

Polier Otto Schraml arbeitet seit mehreren Jahren in der Asphalt-Kolonne. "Es ist immer anstrengend, bei so einer Hitze zu arbeiten. Solide 20 Grad wären besser," erzählt er, während er sich, auf der Suche nach ein bisschen Schatten, unter einen Baum stellt und sich eine Zigarette anzündet. Auf die Frage, zu welcher Jahreszeit er am liebsten arbeiten würde, antwortet er lachend: "Na im Winter, da bin ich drei Monate zu Hause." Die Hitze ist enorm, den Humor der Bauarbeiter kann sie nicht wegschmelzen. "Spaß muss halt auch sein", betont Schraml mit einem Zwinkern in den Augen.

Immer noch Sonnenbrand

Wenn er sich morgens für die Arbeit fertig macht, vergisst er zwei bestimmte Dinge nie: "Ich habe immer Sonnencreme und genug Wasser dabei." Ab und zu bekomme er auch nach all den Jahren noch einen Sonnenbrand. "Einmal im Jahr gehört das dazu. Dann hat sich die Haut an die Sonne gewöhnt." Schraml arbeitet gern in der Asphalt-Kolonne. Dennoch mache ihm, und auch seine Kollegen, der schnelle Wetterumschwung zu schaffen. "Vor zwei Wochen hatten wir noch dicke Jacken an, weil es kalt war. Es wäre leichter, wenn die Umstellung langsamer gehen würde." Die dreimonatige Arbeitspause, von denen Schraml scherzhaft gesprochen hat, habe aber einen ernsten Hintergrund. "Gerade für Asphaltierer, die hart körperlich arbeiten, ist diese Zeit wichtig, um zu sich regenerieren", erklärt Kreuzer.

Das Team ist eingespielt, die Stimmung trotz der Anstrengung gut. "Ich muss betonen, wie viel unsere Männer hier leisten." Die Jahreszeiten ändern sich, die Temperaturen sinken bald wieder. "Dann haben wir einen Vorteil: Wenn es kalt ist, stellen wir uns auf die Asphaltschicht. Dann frieren wir nicht", erzählt Kreuzer mit einem Lächeln auf den Lippen.
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