Chor eine Kraftquelle

Lokales
Immenreuth
20.10.2014
3
0

Ein Original mit dem Rezept der ewigen Jugend: Der 92-Jährige Johann Schäffler begeistert nicht nur seine Immenreuther Freunde als erster Tenor, Staplerfahrer und Fallschirmspringer

(bkr) "Der Hans ist einmalig. So einen findet man nicht wieder." Der Leiter des Sängerbundes, Heinrich Thurn, gerät in Schwärmen, wenn er von seinem ersten Tenor sprich. Diesen Posten besetzt Johann Schäffler - seit 60 Jahren. Ans Aufhören denkt der noch lange nicht. Wieso auch - er wird ja erst 93 Jahre.

Wie Thurn denken viele über Schäffler, der seit der Wiedergründung 1954 kaum eine Chorprobe verpasst hat. Bis heute bringt sich der frühere Bürgermeister und Gemeinderat als zweiter Vorsitzender und Mitglied des Vergnügungsausschusses auch als Organisator ein. "Der Sonntag gehört dem Herrgott und der Dienstag der Singstunde", sagt Schäffler. Die Proben dauern allerdings länger als die Sonntagsmesse. Jeden Dienstag feilen die Sänger drei Stunden lang in der "Alten Schmiede" an ihrem Repertoire, um dann noch eine weitere Stunde einfach nur zu singen, bis das Schlusslied "Wenn Freunde auseinandergehen, sagen sie auf Wiedersehen" erklingt. Von Anfang bis zum Ende geht Johann Schäffler die Luft nicht aus. Er schätzt die Kameradschaft: "Das Singen ist für mich Gebet".

Trotz des Einsatzes für den Wiederaufbau des zerbombten Sägewerks schloss er sich 1952 dem sich neu formierenden Chor an. Zwei Jahre später folgte die Wiedergründung des Sängerbundes. "Wenn ich singe, fühle ich mich befreit", verrät Schäffler. Bei den Sängern finde er Fröhlichkeit unter Gleichgesinnten. Er bedauere, dass heute so wenig Menschen den Weg in die Chöre finden.

Musik koste keine Kraft, im Gegenteil, sagt Schäffler. Tatsächlich ist er nicht nur im Chor unermüdlich: Zwar übergab er das Sägewerk 1991 an Sohn Roland. Die Arbeit hat er nie eingestellt. Heute ist er als Gabelstaplerfahrer einer der wichtigsten Mitarbeiter des Sohnes. Die harte Arbeit halte ihn auch körperlich fit, sagt er. Noch weit in die Siebziger demonstrierte Schäffler, die "knorrige Eiche", die Fallschirmspringer-Rolle nach einem Sprung vom Küchenstuhl. Gelernt hat er die bei der Wehrmacht. Als Jugendlicher musste er Einrücken, am 14. März 1943 folgte der erste Einzelsprung als Fallschirmjäger in Wittstock. Beim Rückzug aus Russland war es seine Aufgabe, Brücken zu sichern. Die letzten Kriegsmonate verbrachte er an der Westfront, in Holland geriet er in Gefangenschaft. Auf 84 Absprünge brachte er es nach seiner Ausbildung.

Heute rollt er nicht mehr selbst, lässt dafür aber die Kugel auf der Kegelbahn rollen. Alle zwei Wochen trifft er sich dort mit Freunden. "Das mache ich nur aus Spaß an der Freud", sagt er, nicht als Wettkampf. Langsam wird er doch etwas ruhiger.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.