Der Trockene liegt in Feucht

Um eine Weinlaube zu betreiben, ist eine Kiste viel zu wenig. Das lässt sich aus Markus Schramls sorgenvollen Blick lesen. Bild: bkr
Lokales
Immenreuth
06.07.2015
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Der Wein liegt in Feucht, Immenreuths Sänger sitzen auf dem Trockenen. Der Poststreik droht das Bürgerfest am Wochenende zur staubigen Angelegenheit zu machen. Um das zu verhindern, ist Ernst Lautner bereit für weite Wege.

(wüw) Wein und Gesang gehören zusammen - auch für Ernst Lautner. Um so mehr ärgert sich der Schriftführer des Sängerbunds, dass die lange bestellte Weinlieferung nicht kommen will. Sechs Kisten à 18 Flaschen stehen noch aus. "Es ist sehr ärgerlich."

Den Wein braucht Lautner nicht für sich, ganz Immenreuth soll etwas davon haben. Beim Bürgerfest am Samstag ist der Sängerbund für die Weinlaube zuständig. Mitte Juni gab Lautner die Bestellung auf. Sieben Pakete hat er geordert, absolut rechtzeitig, sagt der 71-Jährige: "Normalerweise dauert die Lieferung drei Tage." Diesmal kam der Poststreik dazwischen. Am 25. Juni um 0.33 Uhr haben die Mitarbeiter der Post die Pakete laut Internet zum letzten Mal bearbeitet. Seither liegen sie im DHL-Frachtzentrum in Feucht - und die Sänger sitzen auf dem Trockenen. Die elf Tage seither begannen für Lautner immer gleich. Nach dem Aufstehen führte der erste Weg an den Computer: Sendungsverfolgung prüfen. Und fast jeder der elf Tage begann mit einer Enttäuschung. Am Sonntag brachte ein Bote der Post mit einem Paket etwas Hoffnung nach Immenreuth. Die Ernüchterung folgte. Die anderen Pakete bleiben verschollen und ein Paket hilft nicht viel weiter. Der gelieferte Wein war zudem "brühwarm". Mindestens einen Tag dauere es, bis er eine annehmbare Temperatur erreicht hat.

Theoretisch könnte sich der Verein um Lautner und Vorsitzenden Markus Schraml in der Region mit Ersatzwein eindecken. Aber so einfach ist es nicht, der Sängerbund hat Ansprüche: "Seit den 80er Jahren schenken wir den selben Wein aus. Wir können nicht einfach wechseln", findet Lautner. Den Weißwein bezieht der Verein vom Weingut Wirsching aus Erlenbach bei Würzburg, der Rote kommt vom Weingut Haberkern und Betz ebenfalls aus Erlenbach, allerdings in der Nähe von Stuttgart. Die Sänger pflegen zu den Lieferanten freundschaftliche Beziehungen. "Die Weinbauern haben uns schon persönlich Wein gebracht."

Das funktioniert diesmal nicht, den Sängern bleibt nichts übrig, als Notfallpläne zu schmieden. "Am einfachsten wäre, nach Feucht zu fahren und die Pakete zu holen", sagt Lautner. Aber das lässt die Post nicht zu: "Aus logistischen Gründen können wir bei der Vielzahl von Paketen einzelne Sendungen nicht individuell herausgeben", schreibt DHL auf der Internetseite der Sendungsverfolgung. Vermutlich hatten nicht nur die Immenreuther Sänger die Idee.

Neue Hoffnung verbreitet die Post-Pressestelle in München. Pressesprecher Erwin Nier kann sich vorstellen, dass die Sendungen schon deutlich näher beim Empfänger ist, als der glaubt. "Möglicherweise liegt die Sendung schon im Zustellstützpunkt ist wegen des Streiks dort aber noch nicht erfasst." Das würde die Sendung des einen Pakets erklären. Nier ist zuversichtlich, dass die Immenreuther ihr Paket bis Mittwoch bekommen. Wenn nicht, hat Lauter schon Plan B im Kopf: Eine Fahrt nach Würzburg und Stuttgart, um dort den Wein direkt beim Erzeuger zu holen. Als Rentner habe er Zeit, Vorsitzender Markus Schraml müsste Urlaub nehmen. Stichtag wäre Donnerstag. Wenn sich bis dahin nichts tut, geht der Immenreuther Weinexpress auf Reisen.
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