Drei Oberpfälzer erobern Rom

Thomas Langsteiner auf dem Fahrersitz, Michael Bothner (links) und Martin Suttner schafften einen Transport, der nicht nur ihnen in Erinnerung bleibt. Bild: bkr
Lokales
Immenreuth
03.12.2015
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Martin Suttner, Thomas Langsteiner und Michael Bothner freuen sich auf den 18. Dezember. Dann wollen die Markgraf-Kollegen in Rom sein - entspannt, als Privatleute. Die Gedanken gehen dann zurück an ihren letzten Rom-Besuch, an Hektik, Polizeibegleitung und stressige Filmteams.

2500 Kilometer lagen hinter der Crew, als sie von ihrer abenteuerlichen Romreise zurückkehrten. Ihr Auftrag war klar, den Christbaum für Papst Franziskus und den Vatikan am 19. November unbeschadet auf dem Petersplatz abzuliefern. Ein Schutzengel und der Wettergott waren mit ihnen im Bunde, alles verlief reibungslos.

Zum Glück, denn ein Fehler wäre sicher nicht unbeachtet geblieben: Vor den Toren Roms warteten 19 Kamerateams und verfolgten jeden Schritt, bis die 25-Meter-Fichte mitten auf dem Petersplatz senkrecht stand. "Die haben nur darauf gewartet, das etwas schief geht", erinnern sich die drei. Die drei Markgraf-Männer mussten die Filmmenschen enttäuschen.

In einem Rutsch

Die Vorbereitungen für die Fahrt über Brenner und Apennin begannen Wochen vor der Abfahrt. Die Fahrt sollte möglichst in einem Rutsch ablaufen. "Es war gut, dass wir uns kannten und sich jeder auf jeden von A bis Z verlassen konnte." Gemeinsam erstellte die Truppe eine Prüfliste, die sie dann Stück für Stück abhakten. "Wir haben ja nicht nur irgendeinen Baum nach Rom gefahren", beschreibt Martin Suttner. Technisch gesehen war die Fichte beinahe eine Fracht wie jede andere. Kraftfahrer Thomas Langsteiner hat lediglich eine besondere Teleskopstange konstruiert, um sicherzustellen, dass die Spitze nicht abbricht. "Das wäre der Supergau gewesen."

Kleiner Papierkrieg

Suttner kümmerte sich um den Papierkrieg. Stapelweise musste er Genehmigungen für den Großtransport einholen - und das dreifach, schließlich war das Gespann in Deutschland, Österreich und Italien unterwegs. Das machte auch der Immenreuther Gemeindeverwaltung viel Arbeit. Die musste einen Haufen Dokumente ausstellen und beglaubigen, so Suttner. Transportabschnitte waren festzulegen, geeignete Parkplätze und Ausweichrouten zu suchen. Bei Schnee und Nebel hätte in Italien die Autobahn verlassen werden müssen, jede neue Benutzung hätte einen Neuantrag bedurft.

Schnee blieb aus, Nebel nicht ganz. Mit dem italienischen Begleiter entschied die Gruppe etwas zu improvisieren, sie verschoben Pausen, um Ausweichrouten zu vermeiden. Einmal stehen hätte bedeutet, erst am nächsten Tag wieder Fahrt aufnehmen zu können.

30 Tunnels im Apennin, Brücken, Baustellen. Nichts konnte die Oberpfälzer aufhalten, der eingerechnete Puffer sorgte dafür, dass der Baum pünktlich ankam. Dienstagnacht, 17. November, stand der Konvoi 50 Kilometer vor den Toren Roms. Das Transportfahrzeug wurde nochmals auf Herz und Nieren "gefilzt". Über den kaputten Scheinwerfer sah die Stadtpolizei italienisch kulant hinweg, der Lkw war schließlich in himmlischem Auftrag unterwegs. Am Mittwoch setzten sich dann zwölf Fahrzeuge in Bewegung, Ziel Petersplatz. Mit Blaulicht ging es über rote Ampeln, dazu die gelben Rundleuchten der anderen Fahrzeuge: "Das war ein imposantes Bild", schwärmt das Trio.

Einmal auspacken

Kurz vor dem Petersplatz war um 1.15 Uhr zunächst Endstation. "Der Vatikan wollte uns erst um 6 Uhr reinlassen, weil all die Jahre zuvor die Bäume um diese Zeit kamen." Viel Überzeugungsarbeit war von Nöten, damit der Baum sofort ausgepackt werden durfte. Die Bewegungsfreiheit war alleine auf das Fahrzeug und die Zufahrtsstraße beschränkt. "Vielleicht war das ein Ergebnis der Anschläge in Paris."

Der nächtliche Einsatz brachte für das Team und die Gärtner des Vatikans drei Stunden Zeitgewinn. Er lohnte es mit einem Rundgang durch den Petersdom. Dabei trafen die drei einige deutsche Bischöfe. "Dem Papst begegneten wir nicht", bedauern Langsteiner, Bothner und Suttner. Das wollen sie nun am 18. Dezember nachholen. Wenn der Christbaum erstmals im Lichterglanz erstrahlt, sind sie zum krönenden Abschluss ihres Auftrags zur Audienz beim Papst eingeladen.
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