Gegen Vitamine aus Pille

Laut Theresia Kunz versorgt eine ausgewogene Ernährung den Menschen mit genügend Nährstoffen. Bild: mez
Lokales
Immenreuth
13.10.2014
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Sich lieber mit gesunden Lebensmitteln ausgewogen ernähren, statt zu diversen Mittelchen greifen. Das ist das Credo von Theresia Kunz. Denn bei den von der Werbung gepriesenen Nahrungsergänzungsmitteln kauft der Kunde oftmals die Katze im Sack.

Die Tirschenreutherin ging beim Informationsabend des KAB-Ortsverbandes in der nahezu voll besetzten Bücherei des Pfarrheims zunächst auf deren Inhaltsstoffe ein. So enthalten diese Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe. Sie hätten eine ernährungsphysiologische Wirkung in konzentrierter Form und seien in dosierter Form als Tabletten oder Kapseln erhältlich. Allerdings stellten sie rechtlich keine Medikament dar. Es gebe keine verbindliche Nachweispflicht, ob in den Tabletten tatsächlich alles drin ist, was auf den Verpackungen steht.

Die Werbung verspreche durch die Einnahme oft ewige Jugend, Wellness, Gesundheit und Schönheit. Sie suggeriere, dass die Einnahme auf wissenschaftlichen Studien basiere. Fakt sei aber, dass es zu Nahrungsergänzungsmitteln keine umfassenden Untersuchungen gibt, betonte die Rednerin. Rund eine Milliarde Euro werden pro Jahr alleine in Deutschland für derartige Tabletten und Kapseln ausgegeben. Jeder dritte Deutsche sei ein Käufer.

"Ein ungesunder Lebensstil lässt sich aber definitiv nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgleichen oder gar beheben", wusste Kunz. Dazu zählte sie auch Fastfood und Functional Food. Die Referentin stellte die Frage, wie viel Zeit wir uns heute überhaupt noch nehmen für die Zubereitung einer gesunden Mahlzeit. Den Begriff "Mahlzeit" sah sie als eine Art Kulturform an, die immer mehr verloren gehe. Die meisten Gespräche in einer Familie fanden früher beim Essen statt. Essen sei auch etwas Kommunikatives und stärke den Zusammenhalt in den Familien.

Die Menschen in Deutschland seien bei einer ausgewogenen durchschnittlichen Ernährung sehr gut mit Nährstoffen versorgt, stellte Kunz heraus. Maßhalten sei zudem eine der vier platonischen Tugenden. Bei einer zu starren Haltung in eine Richtung könne man aber schnell vom richtigen Weg abkommen. So kämen konsequente Veganer auf Dauer nicht ohne Nahrungsergänzungsmittel aus, gab die Referentin zu bedenken.

Andererseits konsumiere der durchschnittliche Deutsche täglich 250 Gramm Fett, obwohl nur 30 bis 50 Gramm gesund seien. Einen Nutzen hätten Nahrungsergänzungsmittel hingegen bei Frauen mit Kinderwunsch, bei Schwangeren (Folsäure) oder Personen, die nur noch wenig Nahrung aufnehmen können. Ebenso seien diese sinnvoll bei Personen mit Krankheiten oder Unverträglichkeiten. Viele Menschen bekämen zudem zu wenig Sonnenlicht ab und benötigten deswegen Vitamin D. Als kontraproduktiv bezeichnete Theresia Kunz hierbei aber, Kinder mit einem Lichtschutzfaktor der Stärke 50 einzuschmieren. Stärke 20 sei absolut ausreichend.

KAB-Vorsitzende Claudia Porst bedankte sich bei Kunz für den informativen Vortrag.
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