Gewerkschaftssekretär Paul Schmidt erläutert Rentenarten und deren Besonderheiten
"Jeder Monat zählt"

Gewerkschaftssekretär Paul Schmidt empfahl seinen Zuhörern, sich bei Unklarheiten immer direkt an die Rentenversicherung zu wenden. Bild: wew
Lokales
Immenreuth
02.03.2015
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Der Eintritt ins Rentenalter ist ein neuer Lebensabschnitt, der gut vorbereitet sein will. Vor allem die jüngsten Gesetzesänderungen werfen bei vielen Versicherten Fragen auf. Die KAB Immenreuth bot hier wichtige Hilfestellungen an.

Zum Informationsabend im Bücherei-Saal des Pfarrheims hatte Vorsitzende Claudia Porst Gewerkschaftssekretär Paul Schmidt von der IG BAU (Bauen, Agrar, Umwelt) eingeladen. Er stellte seinen Ausführungen den Rat voran, sich bei allen Unklarheiten an die örtlichen Versicherungsberater bei den Gemeinden oder an Experten der Rentenversicherung zu wenden. Er könne keine individuellen Aussagen treffen, da jeder Rentenantrag die persönliche Berufshistorie widerspiegeln müsse.

Immer überprüfen

Nach einer Darstellung der verschiedenen Rentenarten erläuterte der Referent den Begriff der Regelaltersgrenze, die sich bei jedem Versicherten unterschiedlich ergeben könne. Dieser Zeitpunkt des möglichen Rentenbezuges richte sich unter anderem nach Rentenart und Geburtsjahr. Die meist jährliche Rentenauskunft sollte hinsichtlich Beschäftigungzeiten, einer möglichen Arbeitslosigkeit sowie Ausfall- und Ersatzzeiten im Versicherungsverlauf überprüft werden. Augenmerk sei auf Lehr- und Ausbildungszeiten zu richten, da hier bis zu drei Jahre mit 75 Prozent eines vollen Rentenpunkts bewertet würden. "Jeder Monat zählt", betonte Paul Schmidt eindringlich.

Auch bei einem Wechsel von der Arbeiter- in die Angestelltenversicherung könnten sich Lücken ergeben. Auf verschiedenen Wegen, vor allem bei den meisten Krankenkassen, könnten fehlende Nachweise nachgereicht werden. Allerdings müsse dies vor der Beantragung der Rente geschehen.

Besonders Frauen sollten auf die geänderte Anrechnung von Kinderzeiten achten. Auch ohne beitragspflichtige Beschäftigung könne bei drei Kindern mit angerechneten sechs Versicherungsjahren ein Rentenanspruch bei Erreichen der Regelaltersgrenze erreicht werden.

Bei der Rente mit 63 gebe es verschiedene Wege, erforderliche Restzeiten zu erreichen. Paul Schmidt nannte hier eine mögliche Mitversicherung beim Ehepartner über die Familienversicherung und Aufnahme einer beitragspflichtigen geringfügigen Beschäftigung, die aber nur als kurzfristige Lösung sinnvoll sei. Für einen ungekürzten Anspruch sei neben den Versicherungszeiten auch die persönliche Regelaltersgrenze zu beachten.

Nehme ein Versicherter Abschläge in Kauf, müsse beachtet werden, dass diese in der Auswirkung deutlich höher ausfallen würden als der reine Prozentsatz des Abschlages, der immer von einer Bruttorente eingehalten werde. Vom verminderten Zahlbetrag müssten noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichtet werden. Bei einer Teil- oder Vollerwerbsunfähigkeitsrente seien zum Beispiel die Hinzuverdienstmöglichkeiten deutlich eingeschränkt.

Zuwanderung nötig

Unbehagen äußerte der Gewerkschaftssekretär über die neue Mütterrente. Während hier 6,5 Milliarden Euro voraussichtlicher Kosten entstehen würden, sei der gesamte Bereich der Rehabilitation für aktive Beitragszahler nur mit 5,6 Milliarden Euro ausgestattet. Angesichts der prekären demografischen Entwicklung sei ohne weitere Zuwanderung das Sozialsystem nicht mehr lange aufrecht zu erhalten.
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