Pfarrer Besold: Als Christ auf Mitmenschen zugehen
Hilferufe hören

Pfarrer Martin Besold. Bild: mez
Lokales
Immenreuth
17.06.2015
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Denkanstöße zum Zustand der Welt und der katholischen Kirche sowie zur Verkündigung des Evangeliums gab Pfarrer Martin Besold im Pfarrheim. Der Erbendorfer Geistliche griff in seinem Referat unter dem Motto "Das christliche Leben heute" auf das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus zurück. Zum Vortrag hatte die KAB eingeladen.

Mit dieser ersten Regierungserklärung vom November 2013 stelle der Papst dar, was es heiße, als Kirche einen neuen Aufbruch zu wagen, erklärte Besold. Unter der Überschrift "Kirche im Aufbruch" fordere Franziskus auf, die Initiative zu ergreifen und sich einzubringen sowie Aktivitäten anderer Christen zu begleiten und mitzufeiern. Nicht nur Personen des geistlichen Lebens, auch Laien seien angesprochen, mutig in die Welt zu gehen und wieder auf die Mitmenschen zu schauen. Dem Kirchenoberhaupt sei eine arme Kirche, die anderen hilft, lieber, als eine vergoldete Kirche, in der er alleine sitze. Besold erinnerte an die Frage eines Reporters an Mutter Teresa, was sich in der Kirche ändern müsse. Diese habe geantwortet: "Sie und ich."

Zu den Herausforderungen der Welt von heute zählt der Papst laut dem Referenten unter anderem ein gesättigtes Kulturchristentum und eine egoistische Trägheit. Viele sprächen sich zwar für ehrenamtliches Engagement aus, jedoch würden sie oft heimlich denken, "hoffentlich nicht schon wieder ich", ermunterte der Redner seine Zuhörer zu mehr Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Einerseits sei in vielen Alltagssituationen der Durst nach Gott zu erkennen, andererseits herrsche aber sogar eine Art Krieg unter den Christen in Form von Eifersucht, übler Nachrede, Neid und Missgunst.

Im dritten Teil behandelte Besold die sozialen Dimensionen des christlichen Lebens. Hier spreche der Papst von einer Wirtschaft des Ausschließens und einer Vergötterung des Geldes, das regiere statt zu dienen. Der Mensch werde als Konsumgut behandelt. Immer mehr Mensch würden auf der Straße sterben, doch die Medien berichteten lieber über die Börse oder Steuersünder. Der Papst kritisiert laut Besold diesen Neoliberalismus, der die Macht des Geldes in den Vordergrund stellt. Die ausgeschlossenen Menschen und deren Hilferufe stünden völlig außerhalb der Gesellschaft. Wer sich zu seinem Glauben bekenne, habe eine soziale Verpflichtung. "Gemeinsam mit Gott hören wir dieses Schreien."

Der Referent schloss seinen Vortrag mit zwei Fragen: ob man sich selbst als missionarischen Christen bezeichnen kann, welchen armen Menschen in der Gesellschaft geholfen werden muss.
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