Anonyme Hetzschrift
Aus der untersten Schublade

Das "dead" ("tot") vor dem alive ("lebendig") haben sich die anonymen Verfasser gespart. Ansonsten tun sie alles, um Alfred Schuster und Peter Merkl schlecht zu machen. Bild: Unger
Politik
Immenreuth
25.01.2016
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Wieder Aufregung in Immenreuth: Ein anonymes Flugblatt schreibt den Ex-Bürgermeister zur Fahndung aus. Anders als beim Streit um ein Asylbewerberheim steht sein Nachfolger an der Seite des Vorgängers.

Der Streit um die Zukunft der Familienferienstätte Kemnather Land beschäftigt nun auch die Polizei. Am Wochenende sorgten anonyme Flugblätter für Aufregung: Im Stile eines Wanted-Plakats aus einem John-Wayne-Film schreiben Unbekannte den früheren Bürgermeister Peter Merkl und den Ex-Leiter des SOS-Kinderdorfs, Alfred Schuster, zur Fahndung aus. Beide fühlen sich durch Behauptungen auf den "Plakaten bzw. auf den ausgelegten Handzetteln in ihrer Ehre gekränkt und erstatteten Strafanzeige", vermeldet die Polizeiinspektion Kemnath.

Schmähung mit Geschichte


Das falsche Fahndungsplakat ist der jüngste Höhepunkt einer Reihe anonymer Verunglimpfungen der SPD-Lokalpolitiker. "Das begann schon vor der Kommunalwahl 2014", erklärt Schuster. Bereits im Wahlkampf habe es anonyme Schreiben gegeben. Die neuen Vorwürfe ähneln den alten: Die beiden würden sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern wollen. Merkl und Schuster führen die Familienferienstätte als gemeinnützige GmbH. Zuletzt betrieben sie den Verkauf an die Kewog. Die Immobiliengesellschaft des Landkreises Tirschenreuth möchte die Herberge der Regierung der Oberpfalz als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber überlassen. In der 1800-Einwohner-Kommune formierte sich Widerstand aus Sorge vor mehr als 200 Asylbewerbern, die dort theoretisch Platz hätten. Zuletzt sorgte Merkl zusätzlich für Aufsehen: Er fordert von der Gemeinde Ausgleich für rund 457,5 Tage Resturlaub.

Merkl und Schuster gehen mit der Anzeige in die Offensive. "Wir haben nichts zu verbergen", erklärt Merkl, die Vorwürfe seien haltlos. "Richtig ist nur, dass ich kurz CSU-Mitglied war, bevor ich in die SPD eintrat. Das ist 40 Jahre her und war schon damals nicht verboten." Auch Schuster geht mit den Vorwürfen offen um. Unter anderem hält ihm das Flugblatt Untreue vor, weil er Kinderbetten aus dem Kinderdorf in die Ferienstätte gebracht hat. Ein alltäglicher Vorgang, betont Schuster: Das Landratsamt habe ihn darum gebeten, weil Betten für minderjährige Flüchtlinge fehlten. "Wir haben die Betten kostenlos ausgeliehen, wie wir Biertische für Vereinsfeiern ausleihen."

Schwer für die Familie


Zu denken gibt das Detail aus einem anderen Grund: "Von den verliehenen Betten wissen nur wenige", sagt Schuster. Trotz des Lecks in seinem Umfeld fühle er sich nicht isoliert. "Wir bekommen viel Zuspruch." Der Eindruck, das Dorf sei gegen ihn und Merkl, sei falsch. "Das ist eine Minderheit." Zu den Unterstützern können beide Heinz Lorenz zählen. Immenreuths Bürgermeister gehört zwar zu den Kritikern der Asylunterkunft-Pläne. Er finde aber, dass mit dem falschen Fahndungsplakat eine Grenze überschritten ist. Es sei richtig, dass Merkl und Schuster sich an die Polizei gewandt haben. "Man darf nicht vergessen, dass auch die Familien belastet werden."

Das bestätigt Schuster. "Besonders um meine Frau und Frau Merkl mache ich mir Sorgen." Selbst habe er keine Angst, obwohl das Flugblatt indirekt Gewalt androht. Als "Strafe" stellt es Merkl und Schuster "Teeren und Federn" in Aussicht. Bislang habe es aber keine direkten Anfeindungen gegeben, auch nicht per E-Mail oder Telefon. Schuster ist aber überzeugt, dass das Flugblatt nicht die letzte Schmähung gewesen sein wird.
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