Bürgerinitiativen gegen die Gleichstromtrasse von der Politik enttäuscht
Bürgerwille und Glaubwürdigkeit bleiben auf der Strecke

(Foto: dpa)
Politik
Immenreuth
17.12.2015
176
0

Kulmain/Immenreuth. Die Bürgerinitiative (BI) "Kulmain/Immenreuth sagt Nein zur Monstertrasse" kämpft seit fast zwei Jahren gegen die HGÜ-Leitungen. Im Mittelpunkt stehen und standen die Bemühungen, eine Monstertrasse, egal wo sie verläuft, zu verhindern. Seit der Bezirksversammlung der Oberpfälzer CSU in Maxhütte-Haidhof steht fest, dass sie und weitere kommen sollen.

Zwar soll es den befürchteten Tschechenknick durch die Gemeinden Kulmain und Immenreuth nicht geben. Die Gleichstrompassage Süd-Ost wird nach den Aussagen entlang der A 93 verlaufen. Die BI bleibt aber skeptisch.

Sie habe mit den Nachbar-BIs sehr viel Kommunikation betrieben. "Gespräche wurden mit allen Parteien geführt. Vor allem aber mit den regierungsverantwortlichen CSU-Politikern. Landtagsabgeordneter Tobias Reiß und Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht haben an unserer Seite ihr Möglichstes gegeben", meint BI-Sprecher Markus König. Ministerpräsident Horst Seehofer habe in Weiden gesagt: "Solange ich Ministerpräsident dieses Landes bin, wird diese Stromtrasse nicht kommen." Und: "Eine Stromtrasse diesen Ausmaßes mitten durch Bayern wird es nicht geben."

König zeigt sich enttäuscht, was die Glaubwürdigkeit in der Politik betrifft, vor allem auch deshalb, weil die neuen Überlegungen als Erfolg verkauft werden. Bei allen Bemühungen der BI ging es nicht um eine Verschiebung, "sondern um die Verhinderung dieser Lobby-Trassen, egal ob als Mastenreihe oder als Erdverkabelung". Immer mehr Experten sagten, dass eine Energiewende auch ohne HGÜ-Leitungen als dezentrale Energiewende funktioniere.

Mehr als ein Hinausschieben der Trasse aus beiden Gemeinden hätte laut Dietmar Scherer erreicht werden können, wenn alle Landräte und Bürgermeister an einem Strick gezogen hätten. "Jetzt bekommen wir den Ostbayernring und die HGÜ-Leitung." Alles hinterlasse einen bitteren Nachgeschmack. Große Ernüchterung mache sich breit.

Für Region ein Erfolg


Bernhard Söllner, einer der Sprecher für Immenreuth, schreibt es der Kulmainer-Führungstruppe zu, "dass sich die Politik-Oberen überhaupt nochmals mit dieser Thematik beschäftigt haben". Er werte es - zumindest für die Region - als großartigen Erfolg. Ihr weiterer Sprecher Bernhard Kreuzer sieht im Ergebnis den gewaltigen Einfluss der Finanzkreise und Lobbyisten. Die Oberpfalz werde zum Transitland für Strom aus Norddeutschland nach Süd- und Osteuropa ausgebaut.

Auf der Strecke blieben Bürgerwille und Glaubwürdigkeit der Politiker. "Nach der Gleichstrompassage kommen Pumpspeicherkraftwerke, wie dem Netzentwicklungsplan 2015 zu entnehmen ist."
Weitere Beiträge zu den Themen: Bürgerinitiative (33)Gleichstromtrasse (35)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.